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Sonntag, 5. Januar 2014

Nocte Obducta – Verderbnis (Der Schnitter kratzt an jeder Tür) (2011)


Frontcover

Bislang hielt ich meine Reviews ja strikt sammlungschronolgisch, heißt wenn ich von einer Band drei Alben zur Auswahl hatte, wählte ich jenes, welches ich zuerst gekauft hatte. Hier breche ich damit zum ersten Male und finde es auch nicht im Geringsten schlimm. Zu Nocte Obducta kam ich eh so verdammt ungeordnet und quer, stieg zeitgleich mit beiden Nektaralben ein während ich via Youtube auch Songs von der Stille EP und einigen anderen Veröffentlichungen hörte. Zudem war dieses Album mehr oder minder das Comebackalbum nach der Sequenzenscheibe. Sollte an alte Werke wie Schwarzmetall anschließen – tat es dann aber doch irgendwie nicht und dann waren da auch noch alle möglichen ehemaligen Sänger mit an Bord. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht mehr auf was ich hoffen konnte oder sollte, zumal sich bislang herauskristallisierte, dass mir Agrypnie inzwischen wesentlich besser gefiel als Nocte Obducta und bevor das zunehmend chaotisch wird, der Sprung ins damals eisig kalte Wasser…

„Tiefrote Rufe“ knistert erst etwas und kommt dann mit verhaltener Gitarre, welche dann hinter dem Vorhang heraus bricht aus den Boxen und ein recht melodischen Midtemposong mit sphärischen Hintergrund abgibt. Tempowechsel und „länger“ gezogene Passagen gibt es ebenfalls, mittig fährt der Song komplett zurück und betont erneut das sphärisch Wabernde mit surrenden Gitarren und wären wir beim Nektaralbum jetzt irgendwo erst in der Mitte des Songs, spielt dieser sich dann überraschend schnell und leise aus. Der Song geht in Ordnung, ohne Zweifel – aber er hat nicht wirklich einen Wow-Effekt oder sonst eine Prägnanz welche sich festsetzt. Er deutet auch maximal an, was die Band auf den Nektar Alben geschaffen hat, vertieft sich dabei aber nicht und bleibt somit leider ohne große Konturen. Für einen Aufhänger fast schon unentschuldbar schwach. 5,5 Punkte

Erschienen bei: MDD Records
EAN-Nr.: 4042564134100
Katalog-Nr.: MDD65

Versteckt hier der legendäre "Gruß" an Kanwulf.
Ein Vergleich der Lyrics lohnt sich in der Tat...
Vielleicht reißen es ja die „Schlachtenflieder“ welche zumindest schon mal mehr Zug nach vorne haben. Zwar kann von vorwärts preschen nicht die Rede sein, zumal auch hier recht schnell wieder atmosphärisch gebremst wird, aber zumindest der plötzliche Sängerwechsel gibt dem Ganzen schon Mal im positiven Sinne mehr Abwechslung und gestalterische Tiefe. Trotzdem lässt auch dieser Song mich unbarmherzig und überraschend kalt. Es gibt die kleinen Stellen wo ich mir denke, es könnte jetzt was gehen – aber sie sind nicht ausgearbeitet beziehungsweise der Song hat nicht die Länge oder den Raum um diese auszuarbeiten. 6 Punkte

Einen lustigen aber auch latent peinlichen Fehler gibt es auf der CD beim Titel „Schweißnebel“. Der CD-Info, unter anderem beim Rippen für den mp3 Player fehlt einfach das „W“. Ob das Absicht ist? Irgendwie fast denkbar, wie auch sonstige Anspielungen und Verwirrweise in den Texten und Titeln. So ganz hinter das Geheimnis von Nocte komme ich irgendwie nie, vielleicht auch ein Grund warum mir der Zugang oft - und vor allem hier, so erschwert wird. Der Song fängt aber schön tief brummelnd an und eine knarzige Stimme verliest auf bekannte Art und Weise einen Text. Das Tempo ist sehr schleppend, die Stimmung diffus, der Text lyrisch verschlungen, geheimnisvoll und irgendwie vielsagend oder vielleicht auch eher zeichnend, anskizzierend. Es baut sich unweigerlich ein Druck auf, durch das ziellose Umherwandern, den gehemmten und gebremsten Aufbau, welcher sich zum Schluss allerdings fast schon befreiend in einer weiteren Gesangsspur, -art und –farbe lösen kann. Bleibt mir dennoch ein Rätsel, allerdings schon ein besseres. 6,5 Punkte


Es ist ein knallharter Bruch mit dem gerade ausgeklungenen Lied, „Niemals Gelebt“ kommt mit einer überraschend punkigen Attitüde dahergerotzt. Flott und unverfroren dauert es gerade mal gute zwei Minuten und ist dennoch ein wichtiges Zeichen für das Album. Werft eure Erwartungen komplett, aber so was von komplett über den Haufen, die Band kehrt sich einen Scheiß darum! Das Lied selbst ist nicht sonderlich spektakulär, ich finde es nicht mal gut oder großartig erwähnenswert, aber die Signalwirkung des plötzlichen Auftretens, den Mut und die gleichgültige Einstellung gegenüber des Vertreten Müssens – könnte und sollte noch gerade so 6 Punkte wert sein.
Die Bookletgestaltung ist in der Tat auf das
minimalste reduziert, aber gut lesbar und beinhaltet
alles was notwendig ist.

Beim nächsten Titel „El Chukks Taverne“ muss ich unweigerlich an Monkey Island denken, das geraunte Ho-Ho-Ho tut sein übriges dazu. Fröhliche Piratenstimmung kommt aber mitnichten auf, dafür klingt die Stimme schon zu ernst, zu keifend, zu fies und unberechenbar, unsicher darüber welche Intention und Überraschung dahinter lauert. Die Musik ist roh aber in gemäßigtem Tempo – die Keyboards erschaffen wieder einen unheilvollen Klang. Einerseits zerbrechlich, vergänglich und schon längst entschwunden. Auf der anderen Seite unglaublich ungemütlich und hinterhältig, unberechenbar. So präsentiert sich auch der Song, zumindest aber ist er schon Klang- und Bildgewaltiger. 7 Punkte

„Obsidian Zu Pechstein“ kommt eine Schlüsselfunktion zu Gute, welche ich allerdings nicht komplett ent’schlüssel’t habe. Das Lied ist anklagend, vielleicht auch hämisch oder bedauernd aber nicht zwangsläufig bereuend. Wie dem Text unterhalb der CD zu entnehmen ist, auch Kanwulf von Nargaroth gewidmet, als Anregung – sich diesen Song als Vorlage für weitere Plagiate zu nehmen. Der Text sei ein wenig elitär und nehme das Maul ziemlich voll. Eine unmissverständliche Anspielung von Nargaroths „Herbst“ und Nocte Obductas „Atme“ welche sich textlich zu zufällig ähneln um eben nur Zufall zu sein. Ob sie aber noch mehr andeuten, noch mehr meinen oder mit dieser Überlegung nur spielen? Das Lied verrät nichts dergleichen, fängt mit roh sirrenden Gitarren an beginnt langsam aber sicher mit stumpfem Rhythmus und Drums sich vorwärts zu schieben. Eingerahmt von einer Überdimension Sphäre lässt es den Song größer erscheinen, während die Gift sprühende Stimme es wie eine Persiflage wirken lässt und sich die Frage nach Gehässigkeit nicht ohne die der Notwendigkeit stellen lässt. Die fast schon herrschende Stille im letzten Drittel gibt dem Ganzen mehr Raum als es gebraucht hätte, sie wirkt fast schon leer und erschafft eine unsichtbare Spannung, die nicht greifbar und auch nicht direkt unheilsvoll – aber irgendwie doch sehr vorhanden, mitschwingt. Gegen Ende braut sich all dies zusammen, der Pegel schwillt wieder an, steuert auf das Finale zu und bricht aber einfach vorher ab. Hinterlässt Fragezeichen, zwischen künstlich gestreckt oder kunstvoll arrangiert – aber auch etwas mehr Substanz, endlich. 7,5 Punkte
Backcover und Tracklist
 Wir nähern uns dem Ende. Mit „Wenn Ihr Die Sterne Seht“ folgt schon der Vorletzte Song.
Hier ist wieder viel Tempo drin, wieder ein großer Kontrast. Von langsam verspielt, nachdenklich im letzten Song zu direkt und kompromisslos, ohne aber Stil vermissen zu lassen. Keine tumbe Prügelorgie, dennoch irgendwie von erhabenem Schein und auch zu progressiv um diesen kleinen Ausbruch durchzuziehen. Nein im Gegenteil, man fällt wieder zurück in den Ambientpart um sich beruhigt wieder aus selbigen zu lösen um das Lied, wie auch textlich irgendwie ungelöst zu verlassen. Ich wird nicht ganz schlau aus den Jungs. 7 Punkte

Dass ich mich danach sehne wäre unfair und unpassend ausgedrückt, aber im letzten – unter anderem auch Titel gebendem Lied „Verderbnis“ erhoffe ich mir endlich einen Abschluss, eine versöhnliche Zusammenfassung des Klangbildes, etwas – was mir hilft die Puzzelteile zu ordnen.
Es erinnert vom Stil ansatzweise wieder dem vorherigen „Schweißnebel“, schwach vielleicht noch an „Vorbei“ von der Stille EP, allerdings mit einem anders klingendem Antrieb, hier geht zwischendurch fast alles direkt auf die Snare woran sich auch der Gesang rhythmisch orientiert. Dem Lied gelingt es bedingt das Album abzuschließen, das Keyboard und die Gitarren erschaffen zwar eine vergängliche, webende Stimmung – aber gewünschte Bündelung erfolgt nicht. Dafür fadet es recht stark und mit Nachklang aus, mehr oder weniger so wie ich es von der Band kenne, wünsche und erwartet hatte. 7,5 Punkte


Cover:

Das Cover ist jetzt nicht sonderlich klarer als die Musik, ein Schwarz-Weiß Foto, herunter gebrochen auf einen minimalen Kontrast an Details eines Bandmitgliedes, wie es offensichtlich an einem Tisch sitzt welchen man nicht sieht, dafür aber ein paar Flaschen, undefinierbare Sachen und eine Ananas. Genau das war es schon, hat sicherlich nur 5 Minuten gebraucht zu gestalten – sieht deswegen aber auch nicht schlecht aus, nicht wirklich durchgeknallt aber eben halt anders und irgendwie sagt das schon einiges. Ich finde das Cover ganz okay, aber mehr nicht.
Das Booklet ist auch sehr simpel gestaltet, schwarzer Hintergrund mit weißer Farbe, alle Texte sind enthalten, ein Bandfoto, merkwürdige Anspielungen mit einem seltsamen Humor, hinten noch eine kleine Zeichnung und die herrliche Ansprache an Kanwulf. Alles da was man braucht und zwischen den Zeilen noch mehr als man dachte.


Fazit:

Ich muss ganz unumwunden zugeben, ich verstehe Nocte Obducta nicht wirklich in Gänze, hier zumindest am allerwenigsten, sofern es überhaupt etwas zu verstehen gibt. Aber vielleicht ist dies der springende Punkt, welcher an der Bewertungsskala etwas nach oben hätte drehen können, vielleicht aber auch nicht.
Ich war aber ehrlich gesagt enttäuscht und ernüchtert, als ich das Album zum ersten Mal in den Fingern hielt und ich müsste lügen, würde ich sagen ich sei inzwischen damit warm geworden. Gehört habe ich es mehr als genug um zu wissen, dass da aber auch nicht mehr viel draus wird. Es ist anders als erwartet, auch nicht wirklich ein schlechtes Album, bietet reichlich und vor allem überraschende Abwechslung(en) und hat klanglich einen älteren, nicht hoch polierten Charme  – aber es hat für mich nicht wirklich einen roten Faden, lässt mir auch nicht viel übrig und bricht auch mit sämtlichen Erwartungen, welche ich an das Album gestellt habe. Dass ist das gute Recht der Künstler, meines ist es aber, dies in meiner subjektiven Wahrnehmung dann auch nicht ganz so zu mögen. Sagt mir leider trotz aller Bemühungen nicht so ganz zu wie ich es mir erhoffte.


Gesamtergebnis: 6,76

Gesamtspielzeit: 40:34
Durchschnittsdauer: 5:04
= halbe Wertung Song 4
= doppelte Wertung Song 6

Liedqualität: 6,76 (3x)
[ 5,5 + 6 + 6,5 + (0,5*6) + 7 + (2*7,5) + 7 + 7,5 ]  / 8,5 = 6,76
Cover: 6,50 (1x)
Cover: 5,0
Lyrics: 8/8 = 10
Aufmachung: 6,0

Abwechslung: 7,0 (1x)

Sonntag, 3. November 2013

# Playlist - Woche 43''13'''


Kalenderwoche 43:


Einzigartige Künstler:  298
Gesamte Titel:  655
Insgesamt gespielt:  716




1. Katatonia (27x)
2. Imperium Dekadenz (24x)
3. Iced Earth (18x)
4. Lindsey Stirling (16x)
5. Shape of Despair (15x)
6. Atoma (13x)
7. Nocte Obducta (11x)
8. Insomnium (10x)
8. Blumentopf (10x)
8. Ektomorf (10x)




Vorne nicht sonderlich viel neues, Imperium Dekadenz eine ganz ordentliche, deutsche Black Metal Kombo welche ich auch schon einmal live sehen durfte, evtl. am 28ten Dezember auf der Satans Covention erneut, aber dies ist noch nicht sicher. Vielleicht wird morgen aber auch einiges klarer, warum hier aufgelistet. ;D

Lindsey Stirling hatte ihre große Zeit erst diesen Februar und eine zufällige Wiedergabe im Shuffel triggerte mich insofern, dass ich Lust bekam das ganze Album anzuhören, welches mir nach wie vor noch gefällt und ich als eine der Überraschungen überhaupt verbuche. Durchaus ein engerer Kandiat für den Newcomer 2013 in meinen Charts.

Atoma zwar potentiell auch, aber dafür hat das Album für mich zu wenig Anziehungskraft. An Slumber kommen sie leider nicht ganz ran. Da sie aber irgendwie ganz anders sind, kann man auch nicht von einer direkten Enttäuschung sprechen.

Ein realtiv seltener Gast dürfte Shape of Despair sein, deren selbst betiteltes Best-off Album ich als meine nächste "Neuentdeckung" pickte. Das liegt mitnichten an der Qualität sondern ist viel mehr der Tatsache geschuldet, dass diese Funeral Doom Band extrem lange Songlängen hat und folglich auch recht wenig Tracks pro CD. Hörenswert sind sie dennoch auf jeden Fall und uneingeschränkt für Fans des Genres.

Blumentopf spielen klassischen Old-School-Deutsch Rap mit viel Storytelling und abwechslungsreichen Texten. Hatte ich von einem ehemaligen Arbeitskollegen mal bekommen, sind ganz nett - sollten aber nicht allzu oft hier auftauchen. Hör lieber eigene Musik.

Nocte Obducta sind ebenfalls ein deutsches Eigengewächs, zudem aus meiner momentanen Region - anspruchsvoller, progressiver Black Metal mit vielen zeitlosen Songs und daher auch zurecht in meiner all-time Top25 vertreten. Rangeln sich auch immer wieder mal um einen Platz hier.

Montag, 27. August 2012

Party.San Festival 2012 - 9/10/11ter August @ Schlotheim


Guten Tag, ich hätte gerne Magervark!

Nachdem wir schon zwei Tage zuvor Besuch beherbergten und im nahe gelegenen Biergarten unser Auto testeten, begann unsere Reise an einem Donnerstag zur Mittagszeit und endete kurz vor Ziel natürlich in einem Anreisestau direkt vor einer Wohnsiedlung, deren Bewohner uns wie Tiere beglotzten. Wartepausen wurden natürlich genutzt um den hilflosen Autofahrern Flyer in die Hand zu drücken, welche überwiegend scheinbar behalten wurden, statt weggeworfen, angezündet und/oder schlimmeres damit geschah.

Kurz vor dem Einlass wurden wir auch schon abgeholt und erfolgreich zu der bereits am Mittwoch schon hochgefahrenen Gruppe gelotst, sodass wir schlussendlich eine gut 14-30 Kopf starke Gruppe waren, die ich mehr oder weniger fast komplett direkt oder teils indirekt über Forenbeiträge und flüchtige Sichtungen kannte. Dass sich dieser Stellplatz am anderen Ende des Campingeländes befand war nicht weiter schlimm, da das Festival – ausgelegt für maximal wenn überhaupt 10.000 Besucher – klein genug war um die Strecke zur Bühne recht bequem zu Fuß zu bewältigen. Auf den zwei Landebahnen welche als Hauptwege dienten, ließ es sich sehr gut laufen und die Gefahr einer Schlammwüste bestand so überhaupt nicht, eher die – über Flunkyballspieler zu stolpern.

100PS - mindestens!
Viel spielte am Donnerstag nicht, die erste angestrebte Band Vallenfyre verpasste ich leider zeitlich, konnte mich aber zumindest damit trösten, sie eine Woche später auf dem Summer Breeze sehen zu können.

Den Auftakt bildeten also Sólstafir welche zugleich mein persönlicher Headliner des Abends waren. Eine Dreiviertelstunde zockten die Isländer ihr Set, welches ob der Spiellänge der einzelnen Songs natürlich nicht viele Lieder waren. Klang und Performance war okay, der Hall in der Stimme passend – dennoch nicht der beste Auftritt den ich von den isländischen Cowboys gesehen habe.

Danach folgten Sodom und Bolt Thrower („Die Kids kaufen’s halt“) welche nicht wirklich meinem Geschmack entsprachen, noch einen für mich sonderlich anziehenden Auftritt an den Tag legten. So beschränkte ich mich größtenteils darauf, nach Essen und CD’s inklusive Merch zu suchen, während im Hintergrund die Band spielte. Die Merchstände waren recht angenehm kreisartig um das ganze Gelände verteilt und die Menschenmasse übersichtlich genug, als dass man auch von dort gut auf die Bühne sah.

Hier fing der Stau irgendwo an...
Bier für 2,50€ für 0,4 Liter waren in meinen Augen ein fairer Preis und so endete der Abend heiter und fröhlich auf dem Campinggelände, mit noch mehr Alkohol einem verfi*** Schluckauf bis vollends alle schlapp machten und ich allein über den Platz schlich und hier und dort ein Bierchen oder einen Apfelwein verkostete bis ich beschloss mich kurz vor 7 Uhr morgens Alibi mäßig noch für eine Stunde auf’s Ohr zu hauen. Der Boden war ziemlich hart und von Mäuselöchern gesäumt, dazu später mehr.


Der nächste Tag fing gewohnt windig und kühl, aber auch gemütlich an. Die erste Band stand erst am frühen Abend auf dem Programm und so lohnte es sich auch die „Sanitäreinrichtungen“ unter die Lupe zu nehmen.


Duschen kostete 1,50€ - sauberes Klo 0,50€ und für diejenigen, die so was ganz oft nötig haben, gab es für 6€ eine „Shit & Shower“ – Flatrate was ehrlich gesagt eine coole Idee war. Trotzdem für mich absolut überflüssig, mit Hilfe eines strategischen Verdauungsplans kam ich mit 1€ preisgünstig weg - die Erwähnung des Ganzen ist deswegen noch sinnvoll, da die Toiletten wirklich sauber und das Personal sehr freundlich waren.

Und da es wirklich windig und kühl war und die Wolken die Sonne fleißig verdeckten, stand ich dick angezogen bereit zum Abmarsch. Ziel war Dark Fortress welche beim Ragnarök Fesival schon sehr überzeugen konnten und daher Pflichttermin waren. Da die Sonne aber ein Arschloch war, kam sie natürlich just in dem Moment in voller Pracht aus ihrem Versteck und beheizte meine Klamottenschicht und leuchtete die Band prächtig aus.
Das süße kleine braune Zelt war unsers. Natürlich
viel zu klein für einen "Riesen" wie mich,
aber sowas wie schlafen ging schon
Neben einem minimal schlechteren Sound, waren es daher lediglich atmosphärische Gründe welche erfolgreich verhinderten, dass die sympatische bayrische Black Metal Band ihren obig erwähnten Auftritt toppen konnte. Musikalisch voll und ganz überzeugend war es ein wirklich gelungener Gig, er wirkte halt nur nicht ganz so cool wie schon mal gesehen.

Immolation hatte ich mir irgendwie in meinem Wahn angestrichen gehabt, warum weiß ich leider nicht mehr, zumal ich nicht ein einziges Lied von der Truppe kenne, welche mich auch kaum überzeugen konnte und daher vollkommen belanglos an mir vorbei ging.

Beim Biernachholen wurden kurz Obscure Infinity gestreift welche ich wohl leider mit den zuvor spielenden December Flower verwechselt hatte und auch hier vertrieb mich das übertriebene Gepolter eher, als dass es mich fesseln konnte. Wie sich vielleicht andeutet, bahnten sich erste Anzeichen an die meinen Ruf als Mister Demenz manifestierten.

Dann kam Ghost Brigade auf die ich mich nach dem übergenialen Auftritt 2009 auf dem Summerbreeze tierisch gefreut hatte und wir konnten uns wirklich gute Plätze zentral vor der Bühne in der zweiten Reihe sichern. Was dann folgte war aber eher traurig, denn überzeugend. Natürlich muss mit einem stärkeren „Bassgefühl“ gerechnet werden, wenn man wenige Meter vor dem überdimensionalen Subwoofer steht, trotzdem war der Sound zu basslastig, die Vocals anfangs viel zu leise, die Gitarrensound war ein paar mal stark übersteuert und die clean Vocals hatten einen viel zu großen Hall. Wenn das Echo gut eine Sekunde hinterherhinkt, wirkt dies nicht mehr tief sondern störend, da unpassend überlappend. Ein für mich sehr enttäuschender Auftritt, welcher nicht an der Performance, sondern allein an der Technik kläglich scheiterte.

Limitiert auf 700 Stück, unterschrieben
rotes Vinyl und gehört: MIR!!!
Zu Haradwaith spähte ich kurz ins Newcomerstage, welche mir unterbewusst etwas sagten und auch vielversprechend klangen. Leider hatte ich nicht sonderlich viel Zeit dafür, ich musste ziemlich schnell zum Merchstand, mir die limitierte Ghost Brigade EP in rotem Vinyl angeln und das ganze unterschreiben lassen. Nachdem sich irgendwann herauskristallisierte wer jetzt überhaupt dazu gehört, da gefühlte fünf Bands gleichzeitig dort rum standen, wurden schnell Hände geschüttelt, Unterschriften getätigt und das ganze sicher im Auto verstaut.

Nile hatten in meinen Augen wieder einen recht öden Auftritt und fanden daher auch kaum Beachtung. Zwischenzeitlich war ich arm wie Kirchenmaus da ich geistig umnachtet alles kaufte was man mir vor die Nase hielt was bei der Ankunft daheim für das ein oder andere „Warum hab ich das eigentlich gekauft und vor allem für den Preis?!“ sorgte.


Ein ziemliche "sauberes" Bild. Schön anzusehen auch
der Allzweckreiniger und das Aushilfstaschentuch
namens Toastbrot. Nicht 4 lagig, sondern körnig.
Headliner des Abends waren Immortal, welche mit reichlicher Verspätung auf die Bühne tanzten. Und es war ulkig, wer ihre Videos kennt weiß was einem erwartet und so wurde auch gleich beim ersten Lied wie wild von links nach rechts gerannt, Grimassen gezogen und legendäre Crap Moves getätigt. Und wenn sich dies eine Band erlauben kann, dann einzig und allein Immortal. Dass das Ganze nicht komplett zur Farce verkam, dafür sorgte die musikalische Kompetenz welche wesentlich ausgereifter war, als man dies auf dem ersten Blick vermuten mag. Und sooo reinrassiger Black Metal ist das ganze sowieso nicht. Da das Ganze inklusive Wartezeit zwei Stunden locker überschritt, pendelte ich zwischendurch ein paar mal zum Campingground und zurück, bevor ich das Ende sitzend genoss. Umstehende Personen versuchten sich permanent an Imitationen, sodass dort auf jeden Fall ebenfalls für genug optische Aktion gesorgt war. Irgendwann pflanzte sich noch ein netter Franzose neben mich auf den Boden und nach ein paar Gesprächen und kurzem Abstechern in die Metaldisco war es an der Zeit den Rückzug anzutreten.


Ein zufällig fotografierter schöner Mann mit
zuviel Sonne im Gesicht.
Am nächsten Morgen war mir immer mal wieder speiübel da mir der permanente Schluckauf inzwischen ordentlich auf den Magen schlug, trotzdem war ich pünktlich mittags zu Nocte Obducta am Start. Natürlich war dieser Auftritt lange nicht so intim wie ein paar Wochen zuvor im Steinbruch, trotzdem hatte dieser leider viel zu kurze Auftritt viel Charme und Klasse. „Es fließe Blut“ war natürlich erneut der Anheizer und auch sonst bot die Band einen stark verkürzten Streifzug durch ihr Schaffen. Die Ansagen waren erneut geprägt von Blödeleien und viel Humor, „Und Pan spielt die Flöte“ wurde trotz Wunsch des Publikums erneut nicht gespielt, wäre aber auch zeitlich unmöglich gewesen. Dafür ein Song mit nur zwei Riffs, denn das konnte sie noch schnell spielen.

Archgoat war dann überwiegend die Hintergrundmusik, während es sich bequem auf dem Rasen gemacht wurde. Performance folglich nicht gesehen, musikalisch war das ganze nicht zwingend aber annehmbar.

Da das Geld nun endgültig alle war, wurden die letzten Euronen zusammengekratzt um sich den Shuttelbus leisten zu können. Dieser war nämlich ausnahmsweise nicht umsonst und/oder preisgünstig sondern kostete jeweils satte 1,50€ - sprich inklusive Rückfahrt 3€. Die Fahrt war ähhh interessant… da die Thüringer Straßen stolz Pate für manch Achterbahnentwurf standen und der Busfahrer ein verkappter Formel 1 Pilot war, wirbelte der Magen munter drauf los. Ausnahmsweise war ich verdammt froh am Vorabend nicht mehr gesoffen zu haben.

Während der nah an der Haltestelle liegende Edeka Markt noch prall gefüllt war, starb die kleine Ortschaft in der Tiefe fast vollkommen aus. Die unverschämt überteuerte Pizza in dem kleinen Restaurant auf dem großen Markt(?)-platz hatte zumindest einen gewissen Desperadoflair.
Meine Definition von angenehmer Festivalgröße

Frisch gestärkt legte ich mir endlich die coole Flöte zu mit der wir zu viert als Quartett die ganze Nachbarschaft in Flucht und Tinitus bliesen und freiwild’sche Inzestlieder mitten aus dem Leben coverten. Leider sind die Vocals im einzigen Video etwas arg B.Trunken und kaum hörbar und der sadistische Tonfall der Blasinstrumente übertrieben geschönt. Aber mal schauen was ich aus der Tonspur in der Zukunft noch anstellen kann… *hehe*


Nachdem noch die unglücklich und unabsichtlich platt gewälzte Maus - welche zuvor provokant auf die Campingstühle schiss um sich anschließend in suizidaler Manier unters Zelt zu werfen - erfolglos in der Havanaflasche beerdigt wurde und daher umsonst schön gepflegt wurde, beendeten wir die saftende Angelegenheit und konzentrierten uns wieder auf das Line-up.

Insomnium waren an der Reihe welche vor einem schönen Bühnenbild eine sicherlich tolle Show ablieferten, nur war mir lediglich in dem Moment die Laune etwas abhanden gekommen, insofern ließ mich der Auftritt leider unverdient kalt.

Während wir Tankard passen ließen – stocknüchtern als morgiger Fahrer – war mir noch weniger nach Bier Metal, kühlten die Außentemperaturen auf frostbittene 9° ab, kombiniert mit einem gefühlt sibirischem Wind.

Zum Glück kein Kohlenmonoxidunfall, aber leider
wieder ein Todesopfer auf einem Festival.
R.I.P. Maus! =\
Zum Glück hatten Naglfar ordentlich Pyro an Bord, sodass recht weit vorne stehend, ein wenig Wärme in die kalte Welt getragen wurde. Auftauen musste ich im wahrsten Sinne des Wortes auch bei diesem Auftritt, welcher technisch nicht einwandfrei begann, sich zunehmend aber steigern konnte und gegen Ende wahrlich annehmlich war. Auf den Sack gingen mir da höchstens die permanenten Egodrängler denen ich am liebsten irgendwelche wichtigen Sehnen an der Kniekehle hätte kürzen wollen.

Bei Behemoth, der letzten Band und dem letzten Headliner hatten wir einen besseren Platz variierend in Reihe zwei bis vier und bis auf französische Camper mit überdimensionalen Rucksäcken direkt vor der Bühne (wtf?!) konnten die meisten Eindringlinge erfolgreich abgeblockt werden.
Und es hatte sich mehr als nur gelohnt. Zwar waren erste Körperteile gefühlt auf Eis liegend, doch der übermächtige Sound und die imposante Bühnenshow waren mehr als Entschädigung genug. Von Fahnenträgern, Pyroeinsatz bis hin zu brennenden umgedrehten Kreuzen und „Konfettiregen“ – das ganze war nicht nur ein Konzert, das ganze war eine perfekt inszenierte und zelebrierte schwarze Messe. Der Sound war druckvoll und böse, die kleinen Podeste ließen die Band und den Sänger wie überdimensionale und mächtige Priester erscheinen und es war mehr als nur sehenswert. Extrem geil gemacht!!


Damit war das Festival auch schon mehr oder weniger vorbei und nach einer komplizierten Wurfzeltverstauung am nächsten Morgen konnte irgendwann am frühen Mittag die Abreise beginnen.

Als Fazit lässt sich sagen: Angenehme Größe, sehr gute Preise, freundliches Personal, ein insgesamt starkes Billing, überwiegend guter Sound der in meinen Augen leider die falschen Bands im Stich ließ und eine lohnenswerte Veranstaltung. Auf jeden Fall eine Erwägung nächstes Jahr wert.
Es war toll nach teilweise über einem Jahr wieder die ganzen alten Chaoten zu sehen und wenn ich noch ein zufällig drei Schlusssätze verlieren sollte dann:
1.)    Wenn jemand mit „Obacht ich…“ anfängt dann renn!
2.)    Irgendwie war ja doch mehr als genug Pavillon für alle da!
3.)    Und zum Schluss… wer dabei war, wird den ganzen Bericht irgendwie lustiger finden…

PS: Wie konnte ich den vergessen... "Schwätz mir doch kei Varg Patch a mei Kudde nah!!"Überspruch des Festivals schlechthin... =D



Obligatorische Grüße gehen an:
Caro, Dennis, Patrick, Benni, Nick, Max, Sandra, Forentrolle, Dichtsäcke, deutsch sprechende Franzosen, irgendwelche Kinder, Frankfurter Bierspender und dem ganzen Haufen. Wenn ich jemand bewusst ignoriert habe war dies Absicht, falls vergessen – ihr wisst ja: Ich bin Mr. Demenz… ;)

Sonntag, 17. Juni 2012

The Return of Nocte Obducta – 15ter Juni 2012 @ Steinbruch Mühltal


An Exklusivität kaum zu übertreffen, so in der Art war dieses Konzert auf der Homepage angekündigt und köderte mit lachhaft billigen Eintrittspreisen von gerade mal 7€ beim Vorverkauf. Da sag ich brav danke, denn das ist wirklich sehr nett.

Mit wenigen Minuten Verspätung trafen wir ein und mussten uns erst einen guten Stehplatz in dem doch ordentlich gefüllten Raum suchen. Sterbeklang standen schon auf der Bühne und zockten ihr Set. Und bis auf wenige Ausnahmen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass das gleichzeitige Singen sowie Gitarre spielen leicht überforderte – anders kann ich mir manch Gesangsfetzen scharf am Mikro vorbei nicht erklären – war dies schon ein sehr beachtlicher Anheizer.

Nicht im Sinne von rasend, alles vernichtendem Black Metal, sondern sehr atmosphärisch mit dichten, weit ausleitenden Instrumentalpassagen welche recht melodisch bis hin zu melancholisch gehalten waren. Und dies klang für einen Live Auftritt erstaunlich klar und differenziert. Wenn ich in meiner Plattenkiste wühlen sollte um etwas Vergleichbares zu Tage zu fördern, würde ich mir Blutklinge angeln und hier und da ein paar Stellen von Agalloch oder Sólstafir abschneiden um irgendwie diesen dichten, vermischten, rauschigen – nicht aber im Sinne von unklaren Sound zu beschreiben. An Autumn For Crippled Children kam mir auch kurz in den Sinn, hört sich aber im Vergleich zu gelöst und hell an.
Wer Genrebezeichnungen braucht, dem sei ein gelungener Mix zwischen Ambient, Atmosphäre und DSBM um die Ohren gehauen, welches live erstaunlich gut funktionierte. Gefiel mir sehr!

Als nächstes brüllten Vehemenz schon vehement im Soundcheck und dann auch während des Auftritts, teilweise sogar zu dritt. Im Vergleich zur Vorband preschten diese um einiges härter und wilder ins Feld, konnten sich aber lange damit nicht wirklich vom gewöhnlichen Mittelmaß absetzen. Erst im Verlauf wurden die Songs atmosphärischer und tiefer, griffen immer besser. Natürlich kann man hier von einer Symbiosewirkung mit meinem Getränk reden, aber es war nicht nur meine Meinung, dass die Band ernüchternd anfing, sich dann aber fing und stetig besser wurde. Am Ende garantiert kein Ausfall, aber nächstes mal bitte am Anfang schon wie am Ende spielen und wir können vielleicht ein schwaches „sehr“ vor das gut malen.

Und dann waren die Spaßvögel wieder zurück und vögelten munter drauf los. Nur der Drummer nicht, der hatte nämlich schon laaange keinen Geschlechtsverkehr mehr. Klare Worte gleich am Anfang,  Nocte Obducta genossen den Auftritt wahrlich und sahen diesen, verbunden mit der übertrieben exklusiven, einmaligen Ankündigung mit mehr als nur einem Augenzwinkern. Verbunden mit einem stetigen „So wird es das garantiert (auch) nicht wieder geben“ wurden mal Textpassagen vergessen oder Ansagen versemmelt, weil drei Mikros stets zwei zuviel waren, wenn alle immer irgendwas sagen wollen. Die Ansagen waren nicht immer ganz verständlich und der Sound übersteuerte anfangs leider etwas stark. Es war garantiert kein perfekter, aber ein sehr authentischer Auftritt und so bot die Band ein gut gewähltes Best-Off und interagierte bzw. reagierte auf Zwischenrufe aus dem Publikum. Leider nicht immer, denn da half auch kein noch so verzweifeltes Krächzen, „Pan spielt die Flöte“ wurde NICHT als Zugabe gespielt und das war mein persönlich größter Wunsch. Ohne dieses geniale Überlied, aber trotzdem ein geiler Auftritt.

Danach war ganz normal „Enter the Pit“, d.h. Disko, aber wir ergriffen die erste Möglichkeit heimzugehen. Ich musste ja auch am nächsten Tag arbeiten… T_T

Eine CD von Sterbeklang konnte ich leider nirgends abgreifen, da der Händler, welche diese geführt hätte, zu dem Zeitpunkt schon eingepackt hatte. Fand ich schade, aber ich schätz die Chancen, diese Band noch mal zu sehen als nicht sooo klein ein. Drei gute Bands, kein Ausfall – alles bestens und praktisch für lau (7€, ist gaaar nix bei dem Line-up!) – gerne wieder, super Abend! Danke…