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Dienstag, 6. Januar 2015

Dark Fortress – Séance (2006)

Frontcover

Ginge es hier um das schönste Bandlogo, wäre das Podium für die sympathischen Landshuter mindestens vorreserviert. Dass sie sich zudem noch die Dienste von Travis Smith – meinem absoluten Lielingskünstler in dieser Disziplin, für das Cover und die Bookletgestaltung gesichert haben, ist ein weiterer bärenstarker Vorteil.
Der Rest ist nicht so leicht und sofort zugänglich. Ich muss zugeben mir damals verdammt schwer mit diesem sperrigen, aber auch sehr eigenständigen Black Metal Brocken getan zu haben. Wie es jetzt aussieht? Licht aus, Musik an…

Mit „Ghastly Indoctrination“ startet gleich der längste Song des Albums als Opener und braut sich zunehmend und lauter werdend, unheilvoll zusammen bis die Gitarren einsetzen und ihr diffuses Werk beginnen. Der Text anfangs noch gesprochen und zu rhythmischen Trommelschlägen vorgetragen, bricht sich nach einigen unkonventionellen und progressiven Spielerein in Raserei. Die Gitarren flirren dabei unentwegt und wirken auf mich unbequem, keinesfalls gemütlich einladend. Die Vocals sind nicht rein dem Black Metal Genre entnommen, da bricht auch einiges aus dem Death mit raus. Am stärksten meiner Meinung aber dann, wenn die Worte rhythmisch parallel zum Schlagzeug geschrien werden. Progressiv ist im Allgemeinen vielleicht zu viel gesagt, aber immer wieder gibt es Tempoänderungen, wird der Sound zäh und schwer, dann bricht er wieder aus und der Drummer prügelt sich einen ab, bis sich das ganze wieder verfestigt. Auch die Gitarren ändern immer wieder Nuancen an der Stimmung, quietschen und flirren aber fast durchgehend unangenehm, nicht ob der spielerischen Qualität – sondern der Stimmung wegen. Man fühlt sich einfach nicht so ganz Wohl, das ist mutig für einen Opener – vielleicht durchaus aber auch ein starkes Statement. Für mich aber ein wenig zu viel des Guten. 6 Punkte

Erschienen bei Century Media
EAN-Nr.: 5051099752023
Katalog-Nr.: 77520-2

Wirklisch schön gestaltete Bandfotos und Co.
„Catawomb“ startet da gleich wesentlich angenehmer indem es einfach eine deutlichere und prägnantere Melodie vor sich mitträgt ohne dabei aber seine Schroffheit zu verlieren. Der Klang ist auch mitnichten rumplig wie aus dem Keller, aber eben auch nicht steril auf Hochglanz poliert sondern trifft eine interessante Mischung. Kraftvoll abgemischt und klar, aber trotzdem unglaublich rau und düster in der Ausstrahlung, auch wenn zwischendrin ein sauberes und extrem melodiöses Gitarrensolo ein paar Funken Licht in den Song lässt. Ich will hier auch nicht großartig mit Begriffen wie Avantgarde aufwarten, da die Basis doch eher klassischer Natur ist, aber sie ist modern umgesetzt und neu bearbeitet und interpretiert, definitiv aber eigen ist. Der Break gegen Ende ist meiner Meinung nach gut setzt, man wähnt das Lied zu Ende, stattdessen setzt das Lied aber wieder genauso ein und schafft trotz anfänglicher Wiederholung eine Abwechslung und keine Langeweile, was auch für sich spricht. 7 Punkte

Der dritte Song „Requiem Grotesque“ steht an und man dürfte immer noch unschlüssig darüber sein, was einen im Verlauf erwartet und dem nicht gerade weiter dienlich ist dieser leise Anfang. Und dann setzt diese ultraschwere Gitarre ein und die Tiefe stimmte growlt und spricht. Ich finde das von der Komposition sehr interessant, man fängt mit einem extrem sperrigen Titel das Album an, lässt im zweiten mehr Melodie zu und geht diesen Weg eben nicht weiter sondern wählt einen neuen, aber dennoch nicht unlogischen Weg. Das Lied wirkt erst zäh aber ist es nicht, sondern es entfaltet sich erst nach und nach mit immer neuen oder sich wiederholenden Melodiespuren, flankiert von bärenstarkem Gesangseinsatz.

Die Stimme ist nicht sonderlich brutal oder böse, aber ihr wohnt diese unbequeme Rauheit und tonale Tiefe inne, die sie ungemein kräftig und imposant erscheinen lässt, ohne aber primär im Mittelpunkt zu stehen und in Kombination, wirkt sie dann durchaus gewollt, alles andere als nett, sondern düster und bedrohlich. Das Lied ist wirklich nicht schlecht, sondern gut – aber es ist auch nicht leicht zugänglich. Irgendetwas haftet an mir, wenn ich dieses Lied höre und lässt mich nicht los. Etwas, was mich daran hindert ungehindert Spaß an der Scheibe zu haben, ohne dass ich dies nachvollziehbar erklären kann. Vielleicht ist dem absichtlich so, was ich für denkbar halte, ich verbleibe mit sehr gut gemeinten 7 Punkten mit Tendenz nach oben.

Eine insgesamt düstere Bookletgestaltung,
stimmige Zeichnungen, nein Kunstwerke sind
da neben den klar lesbaren Lyrics noch
ein kostenloses Schmankler...
„While They Sleep“ hört sich eher nach einem Horrorfilm, denn nach einer Gutennachtgeschichte an und so passen die klassischen Schauerinstrumente wie Geige hier auch sehr gut ins Bild, die hin und wieder dem eh schon leicht verstörendem Lied noch zusätzlich etwas Vehemenz in der Wirkung gibt. Ist der Song anfangs „nur“ düster und schwer, wird er beim ruhigeren Zwischenpart auch noch unheimlich, wenn – spekuliert im Hintergrund eine Maschine schlägt und dissonante Melodien und Stimmengemurmel und Geräusche das Setting vervollständigen. Das ist ruhig, aber nicht beruhigend und man ist froh, wenn sich die Gitarren und der Gesang wieder über das versteckt im Hintergrund immer noch durchschlagende Gehämmer legen. Jetzt sollte spätestens klar sein, dass hier auf Lächerlichkeiten wie „Eingängigkeit“ und „Spaß“ garantiert kein Wert gelegt wird. 7,5 Punkte

Das flotte „To Harvest The Artefacts Of Mockery” untermauert es auch gleich. Volle Kraft voraus hämmert das Schlagwerk und auch der Sänger begrüßt einen gewohnt garstig. Das geht zum Teil schon sehr in Richtung MARDUK, bewahrt sich aber seine eigene Note und Wiedererkennung. Krude Samples beziehungsweise merkwürdige Tonfetzen bereichern die Raserei und mit einigen gekonnten Tempoverlagerungen keimt hier auch mitnichten Langeweile, im Gegenteil finde ich den Wechsel kurz vor Ende sogar am stärksten. Eingestreute Solis wirken zufällig platziert, passen aber und machen Sinn. 7 Punkte

„Poltergeist“ nimmt seinen Namen, sehr, sehr ernst! Es rauscht erst kurz, dann ein Marschrhythmus – dann Raserei. Die Vocals sind interessant, bei 1:15 ist das aber definitiv ein Rülpser, was dem Ganzen ein bisschen was nimmt, da es unfreiwillig für Belustigung sorgt. Ansonsten erinnert mich das wieder sehr stark an MARDUK, hat aber zum Glück wieder diese Verschleppung des Tempos und das sich verfangen in einem einigermaßen groovenden Rhythmus. Andernfalls fände ich das Lied leider im Vergleich etwas substanzlos, begeistert mich leider auch nicht restlos. 6 Punkte

Es folgt „Revolution:Vanity“ mit einem einprägsamen, schneidenden Gitarrenklang der irgendwie wieder leicht unbequem ist, bevor das Ganze folgerichtig zäh aus den Boxen quillt. Alles wirkt schwer und zäh, die Gitarren, die Stimmen, selbst das Schlagzeug scheint einzig von der unbarmherzigen Gravitation betrieben, welche den Schlagzeuger zwingt seinen Arm auf die Trommeln fallen zu lassen. Das Lied gewinnt durchaus auch an Tempo, aber es wird seine imaginäre Last doch nie los, irgendetwas Schweres sitzt permanent auf der Schulter und kann trotz aller Mühen und Einfälle nie ganz abgeschüttelt werden. Es macht irgendwie nicht so viel Spaß, mir dünkt es ist gewollt. 6,5 Punkte


Ihr hört gerne Musik zum Einschlafen oder während ihr in der Bahn oder im Bus sitzt, schlaft dabei gerne ein oder findet beim Musik Hören eure innere Ruhe und entspannt? Dann sollte der folgende Track definitiv auf die Ban-List, denn „Incide“ fängt schon so an, als würde gleich irgendetwas aus dem Schrank springen und dann folgen einfach abartige Schreie mitten in die Stille. Da ist keine Musik, nur ein Pochen wie ein schwach schlagendes Herz, dann ein Stöhnen, ein Röcheln, dann bläst der Wind stark um das Haus, Schlagzeug setzt ein und irgendjemand schreit sich zu Tode. Und es hört und hört nicht auf. Immer wenn man denkt, es ist vorbei, er hat sich beruhigt, er schweigt, er röchelt nur noch – dann setzt wieder Musik ein. Nicht fröhlich, nein – als würde Gefahr drohen, als wäre man nicht schon so total erschrocken dem Halbschlaf entrissen, braut und bauscht sich ein Unbehagen auf und endet so. Ungelöst, angespannt, war es das? Oder lauert da noch was? Ich hasse den Song wenn ich ihn im Shuffle höre, ganz ehrlich! Aber eine Wirkung entfaltet er zweifelsohne, respektierende 6 Punkte.

Tracklist und Backcover
Wunderbar, ver- oder zumindest angestört wie wir sind, freuen wir uns natürlich, dass „Shardfigures“ die abgemilderte Version gerade gehörter Horrorstimmung gleich mitnimmt und fließend übergeht, dabei auch vergessen hat die Tür zu schließen, denn irgendwie höre ich es immer noch leise Murmeln und Röcheln. Aber die Ängste sind unbegründet, die rettende Schwere der Gitarre legt einen erdrückenden Teppich des Vergessens, oder Beruhigens. Die gewohnten Vocals des Sängers sind plötzlich wie Balsam, darüber hinaus umschmeichelt eine zumindest ansatzweise greifbare Melodie die Ohren und fast schon zärtlich mutet der sphärische Klang des Keyboards an. Angenehmer Midtempo Song, der auch im Großen und Ganzen all Sperrigkeit abwirft und scheinbar versucht zu trösten. Sehr nett von ihm. 7,5 Punkte

Beim Titel „Insomnia“ (dt. Schlaflos) fürchte ich ja fast schon, zu viel der lobenden Worte vorrausgeschickt zu haben, vor allem da sich ein Schocker zum Abschluss in puncto Nachhaltigkeit sicherlich anbieten würde, doch bleiben meine Sorgen unbegründet. Sanfte Gitarrenklänge leiten ein, druckvoll geht es weiter und es ergibt sich ein wunderschöner Moment indem ein lang gehaltener Schrei, wunderbar mit der Melodie und dem Double-Base harmoniert. Der Song ist flott, aber hat sich im Griff, kommt von selbst an den passenden Stellen zur Ruhe und hat die richtige Stimmung, die ein letzter Song haben muss. So aggressiv-melodiös lasse ich mich gerne nachts wach halten. Treffer! 8 Punkte

Cover:

Nun ja, dass ich das Cover und den Artstyle mag – dürfte keine Überraschung mehr sein, nachdem ich ja schon verraten hatte, dass mit Travis Smith mein Lieblingskünstler mit am Werke war. Das Cover zeigt eine Schattengestalt im weißen Nebel und links davon eine Hand, welche sie zu greifen versucht. Und irgendwie passt dies auch wie die Faust auf das Auge, bezogen darauf, wie ich zu diesem Album stand und teilweise immer noch stehe. Die Hand bin ich, die Person das Album. Ich versuche es zu greifen, ich hab eine Vorstellung davon was es beinhaltet, aber irgendwie habe ich es noch nicht ganz gefasst.

Nein auch abgesehen davon, ein sehr minimalistisches Bild, aber mit viel Atmosphäre, welche tatsächlich passt. Auch das Booklet ist voll mit derer abstrakter Bilder, welche in sich stimmig sind und hervorragend zu den sehr coolen Bandbildern sind. Schön aufgemacht, auch die düsteren Farben passen. Alles wie aus einem Guss.


Fazit:

Dieses Album ist alles andere als eine einfach Kost, im Gegenteil, finde ich es in seiner Aufmachung vertrackt, komplex und vielschichtig – sicherlich kein Album für einen Durchgang. Es wird definitiv wachsen! Ein Blick in die Lyrics dürfte sich gefühlt auch lohnen, sie scheinen mir doch etwas gehobener als der schwarzmetallische Durchschnitt, wenngleich ich mich nicht näher mit ihnen beschäftigte, da mir wie gesagt Anfangs deutlich der Zugang fehlte und es auch einem sicher nicht leicht gemacht wird. Definitiv nicht das leichteste Album der Band.
Trotzdem ist es schön abwechslungsreich, verliert aber nie seinen düsteren Grundtenor und untermauert auf jeden Fall das Dark Fortress eine der wichtigsten und größten deutschen Black Metal Bands sind, welche in der Lage sind traditionelle Klänge neu zu interpretieren und damit eine Eigenständigkeit herauszuarbeiten. Für Black Metal Fans eigentlich zumindest reinhören Pflicht, wobei – wie gelernt, einmal nicht ausreichen wird!




Gesamtergebnis: 7,41

Gesamtspielzeit: 61:58
Durchschnittsdauer: 6:12

Liedqualität: 6,85 (3x)
( 6 + 7 + 7 + 7,5 + 7 + 6 + 6,5 + 6  + 7,5 + 8 ) / 10 = 6,85
Cover: 8,50 (1x)
Cover: 8
Lyrics: 10/10 = 10
Aufmachung: 8

Abwechslung: 8,0 (1x)

Montag, 27. August 2012

Party.San Festival 2012 - 9/10/11ter August @ Schlotheim


Guten Tag, ich hätte gerne Magervark!

Nachdem wir schon zwei Tage zuvor Besuch beherbergten und im nahe gelegenen Biergarten unser Auto testeten, begann unsere Reise an einem Donnerstag zur Mittagszeit und endete kurz vor Ziel natürlich in einem Anreisestau direkt vor einer Wohnsiedlung, deren Bewohner uns wie Tiere beglotzten. Wartepausen wurden natürlich genutzt um den hilflosen Autofahrern Flyer in die Hand zu drücken, welche überwiegend scheinbar behalten wurden, statt weggeworfen, angezündet und/oder schlimmeres damit geschah.

Kurz vor dem Einlass wurden wir auch schon abgeholt und erfolgreich zu der bereits am Mittwoch schon hochgefahrenen Gruppe gelotst, sodass wir schlussendlich eine gut 14-30 Kopf starke Gruppe waren, die ich mehr oder weniger fast komplett direkt oder teils indirekt über Forenbeiträge und flüchtige Sichtungen kannte. Dass sich dieser Stellplatz am anderen Ende des Campingeländes befand war nicht weiter schlimm, da das Festival – ausgelegt für maximal wenn überhaupt 10.000 Besucher – klein genug war um die Strecke zur Bühne recht bequem zu Fuß zu bewältigen. Auf den zwei Landebahnen welche als Hauptwege dienten, ließ es sich sehr gut laufen und die Gefahr einer Schlammwüste bestand so überhaupt nicht, eher die – über Flunkyballspieler zu stolpern.

100PS - mindestens!
Viel spielte am Donnerstag nicht, die erste angestrebte Band Vallenfyre verpasste ich leider zeitlich, konnte mich aber zumindest damit trösten, sie eine Woche später auf dem Summer Breeze sehen zu können.

Den Auftakt bildeten also Sólstafir welche zugleich mein persönlicher Headliner des Abends waren. Eine Dreiviertelstunde zockten die Isländer ihr Set, welches ob der Spiellänge der einzelnen Songs natürlich nicht viele Lieder waren. Klang und Performance war okay, der Hall in der Stimme passend – dennoch nicht der beste Auftritt den ich von den isländischen Cowboys gesehen habe.

Danach folgten Sodom und Bolt Thrower („Die Kids kaufen’s halt“) welche nicht wirklich meinem Geschmack entsprachen, noch einen für mich sonderlich anziehenden Auftritt an den Tag legten. So beschränkte ich mich größtenteils darauf, nach Essen und CD’s inklusive Merch zu suchen, während im Hintergrund die Band spielte. Die Merchstände waren recht angenehm kreisartig um das ganze Gelände verteilt und die Menschenmasse übersichtlich genug, als dass man auch von dort gut auf die Bühne sah.

Hier fing der Stau irgendwo an...
Bier für 2,50€ für 0,4 Liter waren in meinen Augen ein fairer Preis und so endete der Abend heiter und fröhlich auf dem Campinggelände, mit noch mehr Alkohol einem verfi*** Schluckauf bis vollends alle schlapp machten und ich allein über den Platz schlich und hier und dort ein Bierchen oder einen Apfelwein verkostete bis ich beschloss mich kurz vor 7 Uhr morgens Alibi mäßig noch für eine Stunde auf’s Ohr zu hauen. Der Boden war ziemlich hart und von Mäuselöchern gesäumt, dazu später mehr.


Der nächste Tag fing gewohnt windig und kühl, aber auch gemütlich an. Die erste Band stand erst am frühen Abend auf dem Programm und so lohnte es sich auch die „Sanitäreinrichtungen“ unter die Lupe zu nehmen.


Duschen kostete 1,50€ - sauberes Klo 0,50€ und für diejenigen, die so was ganz oft nötig haben, gab es für 6€ eine „Shit & Shower“ – Flatrate was ehrlich gesagt eine coole Idee war. Trotzdem für mich absolut überflüssig, mit Hilfe eines strategischen Verdauungsplans kam ich mit 1€ preisgünstig weg - die Erwähnung des Ganzen ist deswegen noch sinnvoll, da die Toiletten wirklich sauber und das Personal sehr freundlich waren.

Und da es wirklich windig und kühl war und die Wolken die Sonne fleißig verdeckten, stand ich dick angezogen bereit zum Abmarsch. Ziel war Dark Fortress welche beim Ragnarök Fesival schon sehr überzeugen konnten und daher Pflichttermin waren. Da die Sonne aber ein Arschloch war, kam sie natürlich just in dem Moment in voller Pracht aus ihrem Versteck und beheizte meine Klamottenschicht und leuchtete die Band prächtig aus.
Das süße kleine braune Zelt war unsers. Natürlich
viel zu klein für einen "Riesen" wie mich,
aber sowas wie schlafen ging schon
Neben einem minimal schlechteren Sound, waren es daher lediglich atmosphärische Gründe welche erfolgreich verhinderten, dass die sympatische bayrische Black Metal Band ihren obig erwähnten Auftritt toppen konnte. Musikalisch voll und ganz überzeugend war es ein wirklich gelungener Gig, er wirkte halt nur nicht ganz so cool wie schon mal gesehen.

Immolation hatte ich mir irgendwie in meinem Wahn angestrichen gehabt, warum weiß ich leider nicht mehr, zumal ich nicht ein einziges Lied von der Truppe kenne, welche mich auch kaum überzeugen konnte und daher vollkommen belanglos an mir vorbei ging.

Beim Biernachholen wurden kurz Obscure Infinity gestreift welche ich wohl leider mit den zuvor spielenden December Flower verwechselt hatte und auch hier vertrieb mich das übertriebene Gepolter eher, als dass es mich fesseln konnte. Wie sich vielleicht andeutet, bahnten sich erste Anzeichen an die meinen Ruf als Mister Demenz manifestierten.

Dann kam Ghost Brigade auf die ich mich nach dem übergenialen Auftritt 2009 auf dem Summerbreeze tierisch gefreut hatte und wir konnten uns wirklich gute Plätze zentral vor der Bühne in der zweiten Reihe sichern. Was dann folgte war aber eher traurig, denn überzeugend. Natürlich muss mit einem stärkeren „Bassgefühl“ gerechnet werden, wenn man wenige Meter vor dem überdimensionalen Subwoofer steht, trotzdem war der Sound zu basslastig, die Vocals anfangs viel zu leise, die Gitarrensound war ein paar mal stark übersteuert und die clean Vocals hatten einen viel zu großen Hall. Wenn das Echo gut eine Sekunde hinterherhinkt, wirkt dies nicht mehr tief sondern störend, da unpassend überlappend. Ein für mich sehr enttäuschender Auftritt, welcher nicht an der Performance, sondern allein an der Technik kläglich scheiterte.

Limitiert auf 700 Stück, unterschrieben
rotes Vinyl und gehört: MIR!!!
Zu Haradwaith spähte ich kurz ins Newcomerstage, welche mir unterbewusst etwas sagten und auch vielversprechend klangen. Leider hatte ich nicht sonderlich viel Zeit dafür, ich musste ziemlich schnell zum Merchstand, mir die limitierte Ghost Brigade EP in rotem Vinyl angeln und das ganze unterschreiben lassen. Nachdem sich irgendwann herauskristallisierte wer jetzt überhaupt dazu gehört, da gefühlte fünf Bands gleichzeitig dort rum standen, wurden schnell Hände geschüttelt, Unterschriften getätigt und das ganze sicher im Auto verstaut.

Nile hatten in meinen Augen wieder einen recht öden Auftritt und fanden daher auch kaum Beachtung. Zwischenzeitlich war ich arm wie Kirchenmaus da ich geistig umnachtet alles kaufte was man mir vor die Nase hielt was bei der Ankunft daheim für das ein oder andere „Warum hab ich das eigentlich gekauft und vor allem für den Preis?!“ sorgte.


Ein ziemliche "sauberes" Bild. Schön anzusehen auch
der Allzweckreiniger und das Aushilfstaschentuch
namens Toastbrot. Nicht 4 lagig, sondern körnig.
Headliner des Abends waren Immortal, welche mit reichlicher Verspätung auf die Bühne tanzten. Und es war ulkig, wer ihre Videos kennt weiß was einem erwartet und so wurde auch gleich beim ersten Lied wie wild von links nach rechts gerannt, Grimassen gezogen und legendäre Crap Moves getätigt. Und wenn sich dies eine Band erlauben kann, dann einzig und allein Immortal. Dass das Ganze nicht komplett zur Farce verkam, dafür sorgte die musikalische Kompetenz welche wesentlich ausgereifter war, als man dies auf dem ersten Blick vermuten mag. Und sooo reinrassiger Black Metal ist das ganze sowieso nicht. Da das Ganze inklusive Wartezeit zwei Stunden locker überschritt, pendelte ich zwischendurch ein paar mal zum Campingground und zurück, bevor ich das Ende sitzend genoss. Umstehende Personen versuchten sich permanent an Imitationen, sodass dort auf jeden Fall ebenfalls für genug optische Aktion gesorgt war. Irgendwann pflanzte sich noch ein netter Franzose neben mich auf den Boden und nach ein paar Gesprächen und kurzem Abstechern in die Metaldisco war es an der Zeit den Rückzug anzutreten.


Ein zufällig fotografierter schöner Mann mit
zuviel Sonne im Gesicht.
Am nächsten Morgen war mir immer mal wieder speiübel da mir der permanente Schluckauf inzwischen ordentlich auf den Magen schlug, trotzdem war ich pünktlich mittags zu Nocte Obducta am Start. Natürlich war dieser Auftritt lange nicht so intim wie ein paar Wochen zuvor im Steinbruch, trotzdem hatte dieser leider viel zu kurze Auftritt viel Charme und Klasse. „Es fließe Blut“ war natürlich erneut der Anheizer und auch sonst bot die Band einen stark verkürzten Streifzug durch ihr Schaffen. Die Ansagen waren erneut geprägt von Blödeleien und viel Humor, „Und Pan spielt die Flöte“ wurde trotz Wunsch des Publikums erneut nicht gespielt, wäre aber auch zeitlich unmöglich gewesen. Dafür ein Song mit nur zwei Riffs, denn das konnte sie noch schnell spielen.

Archgoat war dann überwiegend die Hintergrundmusik, während es sich bequem auf dem Rasen gemacht wurde. Performance folglich nicht gesehen, musikalisch war das ganze nicht zwingend aber annehmbar.

Da das Geld nun endgültig alle war, wurden die letzten Euronen zusammengekratzt um sich den Shuttelbus leisten zu können. Dieser war nämlich ausnahmsweise nicht umsonst und/oder preisgünstig sondern kostete jeweils satte 1,50€ - sprich inklusive Rückfahrt 3€. Die Fahrt war ähhh interessant… da die Thüringer Straßen stolz Pate für manch Achterbahnentwurf standen und der Busfahrer ein verkappter Formel 1 Pilot war, wirbelte der Magen munter drauf los. Ausnahmsweise war ich verdammt froh am Vorabend nicht mehr gesoffen zu haben.

Während der nah an der Haltestelle liegende Edeka Markt noch prall gefüllt war, starb die kleine Ortschaft in der Tiefe fast vollkommen aus. Die unverschämt überteuerte Pizza in dem kleinen Restaurant auf dem großen Markt(?)-platz hatte zumindest einen gewissen Desperadoflair.
Meine Definition von angenehmer Festivalgröße

Frisch gestärkt legte ich mir endlich die coole Flöte zu mit der wir zu viert als Quartett die ganze Nachbarschaft in Flucht und Tinitus bliesen und freiwild’sche Inzestlieder mitten aus dem Leben coverten. Leider sind die Vocals im einzigen Video etwas arg B.Trunken und kaum hörbar und der sadistische Tonfall der Blasinstrumente übertrieben geschönt. Aber mal schauen was ich aus der Tonspur in der Zukunft noch anstellen kann… *hehe*


Nachdem noch die unglücklich und unabsichtlich platt gewälzte Maus - welche zuvor provokant auf die Campingstühle schiss um sich anschließend in suizidaler Manier unters Zelt zu werfen - erfolglos in der Havanaflasche beerdigt wurde und daher umsonst schön gepflegt wurde, beendeten wir die saftende Angelegenheit und konzentrierten uns wieder auf das Line-up.

Insomnium waren an der Reihe welche vor einem schönen Bühnenbild eine sicherlich tolle Show ablieferten, nur war mir lediglich in dem Moment die Laune etwas abhanden gekommen, insofern ließ mich der Auftritt leider unverdient kalt.

Während wir Tankard passen ließen – stocknüchtern als morgiger Fahrer – war mir noch weniger nach Bier Metal, kühlten die Außentemperaturen auf frostbittene 9° ab, kombiniert mit einem gefühlt sibirischem Wind.

Zum Glück kein Kohlenmonoxidunfall, aber leider
wieder ein Todesopfer auf einem Festival.
R.I.P. Maus! =\
Zum Glück hatten Naglfar ordentlich Pyro an Bord, sodass recht weit vorne stehend, ein wenig Wärme in die kalte Welt getragen wurde. Auftauen musste ich im wahrsten Sinne des Wortes auch bei diesem Auftritt, welcher technisch nicht einwandfrei begann, sich zunehmend aber steigern konnte und gegen Ende wahrlich annehmlich war. Auf den Sack gingen mir da höchstens die permanenten Egodrängler denen ich am liebsten irgendwelche wichtigen Sehnen an der Kniekehle hätte kürzen wollen.

Bei Behemoth, der letzten Band und dem letzten Headliner hatten wir einen besseren Platz variierend in Reihe zwei bis vier und bis auf französische Camper mit überdimensionalen Rucksäcken direkt vor der Bühne (wtf?!) konnten die meisten Eindringlinge erfolgreich abgeblockt werden.
Und es hatte sich mehr als nur gelohnt. Zwar waren erste Körperteile gefühlt auf Eis liegend, doch der übermächtige Sound und die imposante Bühnenshow waren mehr als Entschädigung genug. Von Fahnenträgern, Pyroeinsatz bis hin zu brennenden umgedrehten Kreuzen und „Konfettiregen“ – das ganze war nicht nur ein Konzert, das ganze war eine perfekt inszenierte und zelebrierte schwarze Messe. Der Sound war druckvoll und böse, die kleinen Podeste ließen die Band und den Sänger wie überdimensionale und mächtige Priester erscheinen und es war mehr als nur sehenswert. Extrem geil gemacht!!


Damit war das Festival auch schon mehr oder weniger vorbei und nach einer komplizierten Wurfzeltverstauung am nächsten Morgen konnte irgendwann am frühen Mittag die Abreise beginnen.

Als Fazit lässt sich sagen: Angenehme Größe, sehr gute Preise, freundliches Personal, ein insgesamt starkes Billing, überwiegend guter Sound der in meinen Augen leider die falschen Bands im Stich ließ und eine lohnenswerte Veranstaltung. Auf jeden Fall eine Erwägung nächstes Jahr wert.
Es war toll nach teilweise über einem Jahr wieder die ganzen alten Chaoten zu sehen und wenn ich noch ein zufällig drei Schlusssätze verlieren sollte dann:
1.)    Wenn jemand mit „Obacht ich…“ anfängt dann renn!
2.)    Irgendwie war ja doch mehr als genug Pavillon für alle da!
3.)    Und zum Schluss… wer dabei war, wird den ganzen Bericht irgendwie lustiger finden…

PS: Wie konnte ich den vergessen... "Schwätz mir doch kei Varg Patch a mei Kudde nah!!"Überspruch des Festivals schlechthin... =D



Obligatorische Grüße gehen an:
Caro, Dennis, Patrick, Benni, Nick, Max, Sandra, Forentrolle, Dichtsäcke, deutsch sprechende Franzosen, irgendwelche Kinder, Frankfurter Bierspender und dem ganzen Haufen. Wenn ich jemand bewusst ignoriert habe war dies Absicht, falls vergessen – ihr wisst ja: Ich bin Mr. Demenz… ;)