Dienstag, 5. April 2016

Shining – Tour 2015 – 17ter November @ Schlachthof, Wiesbaden



Gleich am nächsten Tag ging die Sause weiter, diesmal mit einem Hammer Line-Up und daher zum Glück einer sicheren Bank. Imperium Dekadenz konnte ich vorher schon 2x live sehen, Der Weg einer Freiheit 3x und den Headliner Shining ebenso 3x. Ich wusste also genau was mich erwartete und ich konnte es daher auch kaum erwarten.

Da ich am Bahnhof gleich beim McDonalds (das entwickelt sich inzwischen sowas von zum Trend, mit der S-Bahn runter zum Hauptbahnhof fahren, dort irgendeinen Groschenroman kaufen der gut in die Hosentasche passt, auf dem Weg nach Wiesbaden lesen oder pennen, oder beides und danach noch schnell beim Mäces noch schnell was snacken was auf dem Weg zum Schlachthof lässig gegessen wird) Chris und Marc traf und kennen lernte, verzögerte sich die Ankunft etwas. Aber wie gesagt, ich habe jede Band ja schon mehrfach gesehen und daher nicht diese Ungeduld wie sonst, wenn ich merke, dass ich nicht pünktlich zu Beginn der Veranstaltung aufschlage.

Folglich waren Imperium Dekadenz schon auf den Brettern und gaben bereits direkt Vollgas. Eingängig aber dennoch vielfältig wenngleich schnörkellos, die Band gehört für mich mit zur deutschen Black Metal Oberklasse und verbinden spielend Atmosphäre und Melodie mit Härte und einer gewissen Schroffheit. Ich finde den Sound rau, nicht glatt poliert aber dabei nicht übertrieben wie das typische Geschepper aus dem Keller. Kann ich absolut nur empfehlen, sowohl auf Scheibe als auch live.
Umso erfreuter war ich natürlich, als mein Lieblingslied „Im Reich der fahlen Seelen“ gespielt wurde, wenngleich leider ausgerechnet hier kurz der Ton nicht ganz stimmte.

Der Weg einer Freiheit spielten einige Songs, welche ich nicht kannte. Grundsätzlich liefert die Band solide Kost ab, hatte hier aber auch leicht langatmige Passagen, welche allein stehend sicherlich zu verkraften, direkt hinter Imperium im Kontrast leider doch recht energiearm wirkten. Aus diesen Abschnitten konnte sich aber zu jederzeit wieder befreit werden, der Übergang kam hie und da dem Breakdown aus dem Hardcore gar nicht mal so fern. Aber das verwundert ja auch nicht, was absolut wertungsfrei gemeint ist.
Um nicht falsch verstanden zu werden, größtenteils war das wirklich sehr gut, aber gefühlt hatte der Auftritt je nach Lied dann doch kleine Hänger, welche ich zuletzt als Vorgruppe von Satyricon (Bericht natürlich noch nicht geschrieben, wo kommen wir da auch hin) nicht so in Erinnerung hatte. Da ich aber auch da nicht die Setlist überprüft habe, eine Behauptung rein aus dem Bauch heraus. Dennoch kann der Haken ohne Bedenken hinter bravourös bestanden setzen.

Und dann stand Shining auf der Programmliste, meine Schilderungen vergangener Skandale stachelte aber vor allem Marc dazu an, nicht wie empfohlen etwas auf Abstand zu gehen, im Gegenteil war die erste Reihe das anvisierte Ziel. Irgendwas zwischen Reihe eins und drei wurde es dann auch. Kvarforth weiß natürlich ungemein die Bühne zu dominieren, er wirkt groß, imposant, bedrohlich, gefährlich und definitiv durchgeknallt – aber er fasziniert und hat eine unglaublich mächtige Stimme mit der er wirklich wahnsinnig viel herausholen kann. Wirklich gut kenne ich bislang nur das erste Album von Shining, wenngleich ich die meisten besitze, ich bin nur noch nicht dazu gekommen sie zu hören. Ich finde das Album ganz okay, trotzdem reicht es bei weitem nicht an das heran, was der gute, oder auch böse Mann da live auf der Bühne zaubert.

Er ist ein unsympathisches Arschloch, aber singen kann er definitiv und er dominiert mit seiner Boshaftigkeit oder Verrücktheit kompromisslos und äußerst faszinierend. Lässt man sich darauf ein, hat man neben dem Nervenkitzel, Anspannung und Erwartung das irgendetwas absolut Unvorhergesehenes, Verrücktes passiert – was leider absolut ekelhaft-voyeuristisch klingt, sich Kvarforth aber selbst zuzuschreiben hat, womöglich sogar Kalkül war – ein ungemein intensives Konzerterlebnis, was in dieser Arten seinesgleichen sucht.

Erfreulicherweise, was ich ehrlich gesagt echt begrüße, war Kvarforth heuer aber sehr brav, sein Gebrabbel versteht man meistens sowieso nicht und wenn, dann war es nicht scharf genug um die Menge gegen sich aufzubringen und bis auf einen kurzen Moment, in dem er den Rauswurf eines Konzertbesuchers forcierte, da er sonst nicht weiterspielen würde, da dieser seinen Gitarristen beleidigt hätte, war alles ganz gelassen und entspannt.
Und das ist und war auch gut so, ob der Rauswurf gerechtfertigt war, entzieht sich meiner Kenntnis – aber auf jeden Fall lag der Schwerpunkt definitiv auf der Musik. So soll es auch sein, wer auf irgendeinen Skandal gehofft hatte, wurde enttäuscht – wer wegen der guten Musik da war, hatte hingegen heute das ganz große Los gezogen.

Nachdem Marc stetig auf der Suche nach suizidalen Girls war, wie gesagt Shining hat seinen Ruf weg, wenngleich der völlig anders intendiert war – lernte ich so indirekt noch Ana und Bily kennen, zwei Austauschstudenten aus Brasilien bzw. Frankreich und fuhr mit ihnen zusammen in der gleichen Bahn heim, wo wir noch auf Max stießen.

Insgesamt ein wirklich genialer Abend, voller Laden aber noch genug Platz um sich bewegen zu können, nur Top-Bands, ein Auftritt von Shining bei dem es rein um die Musik ging, darüber hinaus noch lauter tolle und nette Leute kennen gelernt, auf dem Weg zum Bahnhof Hasen und Ratten über den Weg laufen sehen, kein Witz – die gibt es da wirklich in Hülle und Fülle, was will man noch mehr? (Gut Hasen und v.a. Ratten brauche ich jetzt nicht immer, aber dieser Moment, direkt nach einem lebensverneinenden Konzert, auf dem Heimweg plötzlich unschuldig vor sich hin hoppelnde Hasen zu sehen, das ist so, was zur Hölle?!! – geil?)

Dass ich mich vorab für diesen Abend und nicht für Children of Bodom und Lamb of God entschieden hatte, was zwei Tage später stattgefunden hätte, war ebenfalls die richtige Wahl. Dieses Konzert wurde aufgrund des Anschlags in Paris abgesagt.
Für mich eine schwierige Angelegenheit, da definitiv das falsche Zeichen v.a. da keinerlei Bedrohungslage gegeben war, aber wer bin ich auch schon, in solch einer Zeit einer Band vorzuschreiben ob sie spielen soll oder nicht?

Aber dennoch, nicht einschüchtern oder einschränken lassen, Kopf hoch und weitermachen! ;)

Samstag, 2. April 2016

# Reingehört # Blitzurteil: Draconian - Sovran

Diesem Album habe ich mit Bangen Fiebern entgegengesehnt, Befürchtungen und Vorbehalte äußerte ich ja hier bereits, als ein neuer Song veröffentlicht wurde, welcher dann doch irgendwie ungewohnt anders klang.

Aber das wichtigste zuerst, ja - Draconian klingen nach wie vor genau wie Draconian. Neben der geänderten weiblichen Sangstimme ist im Großen und Ganzen alles beim alten geblieben. Die Atmosphäre, die Stimmung, alles lässt sofort auf die Bandrückschließen AUCH wenn sich der Sound hie und da ein wenig progressiver, u.a. auch Sampleeinsatz oder weicher wurde.

An "Turning Seasons Within" kommt es meiner Meinung nach dennoch nicht ran, dies ist und bleibt für mich das Maßstäbe setzende Referenzalbum. An Heike wird man sich gewöhnen können, auch wenn mir Lisa immer lieber gewesen wäre. Sie versucht gar nicht erst gleich zu klingen, ist aber auch nicht so komplett anders, als dass dies sonderlich auffallen würde. Dennoch schafft sie es ihre eigene Akzente zu setzen, welche mitunter erstaunlich gut gelingen und ihren eigenen Charme kreiieren und zu gefallen wissen.

Einziges Manko bislang, mir fehlt bislang so dieser absolute Übersong. Den hatte bislang eigentlich jedes Album, epochale Brecher wie "Death Come Near Me", "Morningstar" oder "The cry of silence", um nur mal ein paar geniale Kompositionen zu nennen.
Hier habe ich mehr das Gefühl, das Album gut am Stück als eine Art Gesamtwerk hören zu können. Das ist sicherlich nicht schlecht, aber dadurch stechen auch kaum Höhepunkte hervor, was in gewisser Weise dann doch wieder schade ist.

Dennoch ein bärenstarkes Album mit dem ich am Ende doch sehr gut leben und es vor allem auch lieben lernen kann. 5 Blitze!

Montag, 28. März 2016

+++ Krawall in der Philharmonie – Wenn Kultur am Zuschauer scheitert +++


Die Nachricht ist jetzt nicht die neuste, bezeichnend ist sie dennoch, wenngleich nicht im positiven Sinne. Als der iranische Musiker Mahan Esfahani auf dem Cembalo das Stück „Piano Phase“ von Steve Reich spielte, kam es zum Aufruhr. Ein sichtbar überforderter und respektloser Teil des Publikums störte den Auftritt lautstark derart, dass der Künstler die Show abbrach.

Im Umfeld eines klassischen Konzerts in einer Philharmonie und ausgelöst von überwiegend Rentner – nein das hätte ich nicht erwartet und klingt ungemein überraschend wie auch beschämend. Der Artikel auf Welt.de deutet es aber an. Die Verrohung der Sitten scheint im Trend zu sein.


Das Original am Stück auf Piano:

Umfallende Wasserflaschen, checken der Mails und dergleichen sind zumindest auf den von mir besuchten Konzerten nicht sonderlich störend oder auffallend, ellenlange Gespräche können es sein, werden aber in der Regel von einem lärmenden Soundteppich gnadenlos übertüncht. Aber wie gesagt, das ist eine andere Lautstärke. Mich stört mehr die übertriebene Selbstdarstellung, wenn ein Foto von einem selbst wichtiger als die Band ist, wenn ein Foto oder ein Video von der Band wichtiger als das Live-Erlebnis, sprich wenn ich wirklich gut sehen könnte, wenn da nicht wer ständig sein Handy für seinen Film penetrant emporheben würde und mir und anderen hinter sich die Sicht versperren würde.

Ausbuhen oder dergleichen ist generell uncool, es mag vielleicht Reizpersonen wie Kvarforth geben, welche damit kokettieren und es provozieren. Vielleicht einem Verhalten oder einer schlechten Performance geschuldet, verständlich, aber nicht okay.

Aber dennoch nicht vergleichbar, Mahan Esfahani spielt auf absoluten Weltniveau. Vielmehr waren die Besucher, oder wie gesagt, ein kleiner Teil – welcher dem Großteil den Mittag damit versauten; überfordert mit dem Stück.

Stellt sich die Frage, ob ein wenig Recherche nicht vorab besser gewesen wäre? Ich setze mich auch nicht in einen Horrorfilm und beschwer mich dann, dass dies für meine imaginären Kinder nichts wäre.

Ich hab mir das betroffene Stück angehört, mehrfach. Es ist interessant. Klar, sehr, sehr repetitiv. Aber es hat eine öffnende und schließende Wirkung, eine Dualität von Enge und Weite dank minimaler Variation der Geschwindigkeit, ein sich selbst hinterher Jagen und Überrollen und Dynamik und Spannung, trotz der permanent und immer gleichen Melodienabfolge.

 Interpretation auf dem Cembolo

Es ist nicht zu 100% meine Musik, aber Phillip Glass habe ich zum Teil auch gerne gehört. Die einzige moderne Referenz, welche ich bei dieser Musik entgegenhalten kann. Für den Experten vielleicht kein haltbarer Vergleich, aber Experten waren hier auch nicht anwesend.

Man muss keiner sein, aber man sollte auch Respekt gegenüber dem Musiker haben. Vor allem wenn dieser sein Handwerk beherrscht. Sonst wird der scheinbar kulturell interessierte zum größten Kulturbanausen. Und irgendwie verfehlt dies gänzlich sein Thema. Auch die Kommentare bei Youtube stimmen da eher traurig, leider…