
Was habe ich mich lange gedrückt
vor diesem Review! Nicht weil ich vorliegende CD schlecht finden würde, ich
finde sie nur nicht einfach, sondern schwer zu fassen. Mir war und ist der
Zugang zur Musik noch immer nicht ebengleich, was durchaus damit unterstützt
wird, dass wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun haben. Aufgeteilt in 6
Akten plus einem Bonussong - in der Regel länger als ein gewöhnliches Lied -
zelebriert die italienische Black Metal Band hier ihr Schaffen. Vom
reinrassigem Black Metal Gedanke muss aber von Anfang an Abstand genommen
werden. Durchaus bizarre Gothic Einflüsse und ein namentlich kaum
überraschender, opernhafter Einschlag, kombiniert mit der nicht gerade
griffigen Bezeichnung „Horror“-Metal kredenzen ein interessantes Gebräu, das
oft auch der Einfachheit halber schlicht Dark Metal getauft wird. Mit an Board
ist zu diesem Zeitpunkt noch die (nicht negativ gemeint!) exzentrische
Frontfrau Cadaveria, welche nach einem Split inzwischen unter selbigem Namen
ihre eigene Band am Start hat. Frauenstimme und Gothic? Vergesst den Gedanken
am besten sofort…
„Act I The First Seal“ fängt ja noch harmlos an, schwirrende und
atmosphärische Musik, Gesumme und leises Gesäusel. Lange hält die werte Dame
das aber nicht aus und fletscht gleich die ersten Zähne. Erwähnenswert sind die
hohen cleanen Ausbrüche, welche ungewohnt in der Tonart und im Ausdruck sein
dürften. Nach einer kurzen Steigerungsphase ist die Gemütlichkeit aber erst mal
dahin. Was folgt kann als progressiv bezeichnet werden, denn Tempo und Stimmungswechsel sind mehrfach
vorhanden. Eingebettet in einem mir etwas zu weichen, epochalen Klangspektrum
fühlt sich das Ganze auch sehr harmonisch an, lässt mich aber ein wenig Tiefe
vermissen. Hier tritt genau das Problem zu Tage was ich mit dem Album habe. Es
ist handwerklich nichts dran auszusetzen, auch der Aufbau des Liedes ist
gelungen, aber mir fehlt die einprägsame Dynamik. Die ist zwar vorhanden,
schimmert für mich aber nur schwach durch und besitzt zudem zu wenige
Wiedererkennungsmerkmale. 7 Punkte
Nachdem der erste Akt vorbei ist, fängt „Act II Beyond The Black Diamond Gates“
etwas ruhiger, ohne Doublebase an. Und man muss diese Stimmungen einfach mögen
oder nicht. Ich find sie gut, tu mir damit aber etwas schwer. Der Bruch nach
ca. 140 Sekunden ist alles andere als weich, ohne aber scharfe Kanten aufzuweisen.
Das Keyboard zaubert gekonnt genau diesen Effekt zustande, welchen ich mit
opernhaft andeuten wollte. Wenn sich etwas bewegt, dann alles: umfassend und
kolossal. Die Stimme ist der einzige Gegenpol, welche gezielter die Höhen und
Tiefen ausloten kann und somit harmonisch im Gleichklang, dennoch hervorsticht.
7 Punkte
Was nach dem zweiten Akt kommt, ist nun mehr wenig
überraschend – „Act III Carnal Delight
In The Vortex Of Evil“ schallt sich das nächste Stück. Im Prinzip gleich
aufgebaut wie die vorherigen Songs, lediglich Klang und Zeitpunkt der
Änderungen sind anders. Hier kommt der Punkt, wo ich mir langsam die gewisse
Melodie wünsche, welche den Aufhänger spielen darf. Stattdessen ist es wieder
die Highspeedpassage des Schlagzeugs, welche die größte Aufmerksamkeit zieht.
Der Wechsel ab der Hälfte gefällt mir nicht sehr, wird durch ein zu Frieden
stellendes Ende aber wieder kompensiert. 6,5
Punkte
Kernstück des Albums ist „Act IV Congressus Cum Daemone“, welcher erfreulicherweise mit einer
einfachen Melodie ohne den kompletten Keyboardüberbau beginnt. Cadaveria trägt
hier wesentliches bei, damit die Beschwörung gelingt und wird brav mit in den
Song genommen.
Dessen Mittelteil präsentiert sich dann wieder unruhig und
stürmisch, der Gesang dürfte teilweise zur Geschmackssache verkommen, wobei ich
diese theatralische Gratwanderung zwischen getroffen und daneben passend finde.
Und die Popsongverwöhnten Ohren finden auch endlich mal ein klar erkennbares,
wiederholendes Element. Das ganze gipfelt in einem leicht ekstatischen Finale
und markiert damit die Stärke des Werkes. 7,5
Punkte
Da damit aber noch lange nicht alles abgeschlossen sein
kann, stolpert der recht kurze „Act V
The Magic Temple“ hinterher. Das Ganze könnte durchaus einem miesen
Horrorfilm entnommen sein, inklusive Flüstern und unheimlichem Uhrengong. Die
ganze Klangsuppe welche für mich wie direkt aus einer Grotte klingt, wird aber
mit reinen und kräftigen Gesang ausgeschmückt, bevor ein Schrei natürlich
wieder alles aufwirbelt. Hier tauchen dann auch Keyboardpassagen auf, welche
für mich persönlich die richtigen Sphären anreißen, bevor alles schnell noch
melodiös niedergeschruppelt wird. Der Ansatz rechtfertigen 7 Punkte
Einer geht noch schien das Credo um mit „Act VI The Sixth Seal“ den vorläufigen
Abschluss zu bilden. Hier wird allerdings gar nicht erst nach einem Kompromiss gesucht,
sondern gleich in die Vollen gegangen, was natürlich ein Kontrast zum
vorherigen Lied bildet. Somit dem Stil von Anfang an Treu, hat das Ganze auch
etwas mehr Grip – auch wenn zwischendurch
gezielt die Zügel etwas lockerer gehalten werden. Ganz gelöst scheint das
Problem dann aber doch nicht zu sein, dafür endet der Epos dann zu turbulent. 7 Punkte
Da irgendjemand schnell noch im „Abspann“ zu röcheln anfing,
vermute ich mal, dass sich die Zugabe darauf bezieht. „Bela Lugosi's Dead“ würde zumindest vom Namen her Sinn machen.
Sicher bin ich mir da aber nicht.
Wer aber auf jeden Fall jetzt noch röchelte war meine CD, da der Vorbesitzer
mir diese etwas arg zerkratzt verkaufte – gerippt fanden sich diese Fehler aber
zum Glück nicht! Vom Stil her, passt dieses Lied wunderbar zu den vorherigen –
ist vom Aufbau aber dann doch anders, eben weil Eigenständig und nicht in eine
zusammenhängende Komposition eingebunden. Stößt nicht wirklich auf und wird
daher auch brav mit 7 Punkten abgenickt.
Fazit:
Ja, dieses lässt sich schwer ziehen. Ich glaub das Album hat
wesentlich mehr Potential, als ich ihm abgewinnen kann. Grund dafür kann sein,
dass ich mir allein das Konzept nicht ganz aneignen konnte. Ich hatte die
ersten zwei, drei Liedtexte mitgelesen und war danach gelangweilt, weil sie
mich nicht im Geringsten ansprachen. Inwiefern diese dann sinnvoll eingebunden
sind, wage ich nicht zu beurteilen – verwehrt dem innovativen Gesamtprojekt
somit aber vielleicht auch die Chance sich vollends zu entfalten. Es bot sich
mir aber auch nicht ideal an, womit die Medaille bekanntermaßen zwei Seiten
hat.
Als überladen würde ich den Sound auch nicht zwangsläufig
bezeichnen, mir war er aber größtenteils zu gewaltig um alle Facetten, auch
nach so langer Zeit zu erschließen. Für mich daher je nach Situation leicht
anstrengend und gleich klingend, auch wenn ich weiß, dass sich so viel mehr
dahinter verbirgt. Es ist nur nicht ganz bei mir angekommen. Schlecht geht aber
definitiv anders!
Gesamtergebnis: 6,60* 7,00
Gesamtspielzeit: 51:04
Durchschnittsdauer: 7:18
Liedqualität: (3x)
7,00
( 7 + 7 + 6,5 + 7,5 + 7 + 7 + 7 ) / 7 = 7,00
Cover: 5,5* 7,5 (1x)
Cover: 5,5
Lyrics: 6/7 = 8,58 + 3 = 9!
Aufmachung: 5,5
+ Digipack 1 = 6,5
Abwechslung: 6,5 (1x)
*Änderung aufgrund der neuen Bewertungsrichtlinien!