Montag, 27. Februar 2012

Blodarv - Linaria Amlech (2005)

Frontcover - schlicht aber ungewöhnlich

Ganz so leicht hab ich es mir dann doch wieder nicht gemacht, mit der Wahl meines ersten Reviews. Vorliegende Compilation der dänischen Untergrund Black Metal Band Blodarv ist nicht nur einfach so eine Scheibe mit Musik, sondern ist der mysteriösen Person Linaria Amlech gewidmet, welche sich im Januar 2002 selbst umbrachte.

Inwiefern Bandleader Hugin mit ihr zu tun hatte ist offen, war sie eine Bekannte oder doch eher die Freundin oder nur die Geliebte? Wie hieß sie in Wirklichkeit und ist sie überhaupt existent gewesen? All das wird offen gelassen, das Booklet aber mit ziemlich freizügigen Bildern und wirren Briefen ihrerseits unterfüttert. Eine satanistische, von Dämonen gesegnete Hexe welche Hugin ihre abgehackten Finger zuschicken will, in komischen Träumen vergewaltigt wird, Angst hat wieder schwanger zu sein und das Kind loswerden will – weil sie zwar Lust hätte das frisch geborene Kind umzubringen aber es dafür nicht 9 Monate austragen möchte. Und ihre Abtreibungsversuche enden im Suizid und den letzten Brief gibt es in der Multimediaabteilung der CD. Was zur Hölle? Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung was mich jetzt musikalisch erwarten sollte, aber Abhilfe verschafft da in der Regel ein Knopfdruck auf „Play“.

Der erste Track enthält schon mal gar nichts und muss wohl eben jener Multimediatrack sein.

DasLangt Vaek Fra Livet“ fängt schleppend und sehr rauschend an. Die Melodie ist simpel gehalten aber effektiv, die Black Metal Vocals sind dezent in das raue Klanggebilde eingewoben, ohne allerdings aggressiv oder wild zu wirken. Ab dem ersten Drittel webt sich noch eine zarte, hohe Frauenstimme mit ein welche zwischendurch von einem in den Hintergrund gerückten Verzweiflungsschrei begleitet wird, bevor Hugin sich in diesem Wechselgesang wieder ans Mikro stellt.
zweite Lied „
Erschienen bei: Northern Silence Records
EAN oder Katalog-Nr. nicht vorhanden
Das darf hier jetzt aber absolut nicht falsch verstanden werden, wir haben hier kein Gothic Metal typisches duellieren der Gesangsstimmen. Sie sind beide dem la
ngsamen, sehr rauen und melancholischem Klangteppich untergeordnet und ergänzen sich viel mehr.
Auch ist das Stück weder doomig drückend noch rasend wie man es vom Black Metal erwartet. Es ist simpel und primitiv, aber wirkt gerade durch den, im Normalfall als miserabel anzusehenden Sound sehr atmosphärisch und behält trotzdem seine Natürlichkeit und Authentizität. Es besitzt in gewisser Weise eine Eigenständigkeit welche ich im gesamten DSBM Genre schmerzlich vermisse. 7 Punkte

„The Death of Linaria“ schließt sich hier nahtlos an. Eine sachte, stille, flirrende und rauschende Melodie mit einer merkwürdigen, nicht unbedingt erklärbaren Wirkung. Dazu flüstert und keucht Hugin leise seine Fragen an Linaria. Endet etwas abrupt... 6,5 Punkte

… und lässt sofort das flottere „Beyond Life“ starten. Auch hier fällt wieder die schlichte Produktion auf. Worte wie druckvoll oder kraftstrotzend sind für das Schlagzeug völlig fehl am Platz. Es hämmert von vorne bis hinten fast das gleiche Tempo durch, der Doublebase ist im Gegensatz zum Hi-Hat nahezu unhörbar und generell ist alles sehr Bass arm. Eine Leadgitarre erzeugt wieder simple, eingängige und sich wiederholende Mollmelodien, der Rest rauscht einfach vor sich hin und wird von krächzendem Gesang begleitet. 7 Punkte


„Black Hill Sanitarium“ ist ein King Diamond Cover und klingt bis auf die Grundmelodie total anders. Und zwar wesentlich flotter und die verzerrten Gitarren sägen und röhren so wunderbar dreckig vor sich hin, dass sie kombiniert mit der Stimme der Scheibe nun endgültig das Image des Untergrundgerumpels aufdrücken. 7 Punkte
Die Gestaltung ist schon sehr künstlerisch
Lyrics mit ein wenig Zeit dennoch entzifferbar

Damit wären wir eigentlich schon zu Ende, aber es gibt ja auch noch Bonussongs, immerhin ist das die limitierte Edition!

„Disgusting Beauty“ hat keine Gitarren und gar nix, nur unheilvolles Flüstern, gezielt steigernde einzelne Schlagzeugschläge und unwirkliche, komische Geräusche. Das Stück soll wohl verwirrend und verstörend sein, ist dafür aber zu harmlos und kann nur als Vorarbeit für das nächste Stück vorgesehen worden sein. 5,5 Punkte

Das hört auf den Namen „Demonstormens Tid“ und nutz diese Vorlage nicht. Gewohnt extrem rauschende und unklare Atmosphäre, sehr gedämpfte Doublebass Attacken, dafür eine Hi-Hat Penetration par exellence, wieder eine einfache aber tiefgehende Melodie im Hintergrund und einige unbestimmbaren Geräusche bei etwas ruhigeren Passagen. Ruhiger in dem Sinne, dass das Schlagzeug nicht mehr aus dem Gesamtkomplex hervorsticht. Gelegentliche Umbrüche durch minimale Lautstärkenerhebung von irgendetwas in dem Soundbrei geben dem ganzen immer wieder neue Impulse und lässt es dynamischer wirken. Das ganze schwillt dann recht schnell ab und das Lied ist zu Ende. Atmosphärisch gleich zu setzen mit den ersten Liedern, auch mit mehr Dynamik aber es fehlt der Halt im Ohr. 6,5 Punkte


Nicht schlecht aber kurz, daher gönn ich mir jetzt die Filmchen auf der Scheibe. Film 1 bemüht sich ernsthaft die 240p Bildqualität von Youtube zu unterbieten und startet extrem niedrig auflösend mit einer halbnackt tanzenden Frau.
Dann erfolgt eine Inhaltsangabe – „The unfinished Tale“ by Linaria gelesen von Hugin, „The Last Dance“ – das letzte Video von und mit Linaria, den schon im Booklet angekündigten „Last Letter“ von Linaria, ein Live Video von Blodarv und als Extra Schmankerl: „Previously unreleased material“ und „Promo Streamers“ (for all earlier albums) und mehr. Nachtigall ich hör dich trabsen…
Backcover und Tracklist
Leider hab ich die Rückseite nie ganz scharf bekommen

Nach gut einer Minute Ankündigungen geht’s los:
Noch mehr Nacktbilder, Pentagramme, Auf- und Abblenden, schnelle Wechsel – ich erwarte einen Horrorfilm. Aber Hugin „liest“ mir kaum verständlich was vor zur Musik welche ich gerade eben schon gehört hab. Im Hintergrund ganz viele dunkle Bilder und irgendein kranker Text von Linaria welchen ich kaum nachvollziehen kann. Dann schiebt Linaria im Dunkeln und nur im Bikini vor einer mittelalterlichen Videokamera ihre Hüften zu irgendeiner eher dem Gothic & Industrialbereich zuzuordnenden Musik hin und her. Dann folgt wieder Musik und Texteinblendungen vom letzten Brief welchen ich mittlerweile gar nicht mehr kommentieren will. Irgendwer blättert in handschriftlich beschriebenem Buch mit teils schwarzen Seiten, weiteren Aktfotos, Blut und Haaren rum. Nebenher wieder schon bereits gehörte Musik mit Untertiteln und dann gute 5 Minuten nur Promotion!

Video 2 zeigt einen ebenfalls mies gefilmte und schwach besuchten Live Auftritt. Aber das hat wenigstens noch Untergrund Charme.


Fazit:
Der mediale Bonuspart ist in meinen Augen überflüssig, als Hommage okay – aber dann bitte ohne diese ellenlange Eigenwerbung. Was ich von dieser ganzen Geschichte halten soll weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber auf das wesentliche, nämlich die Musik reduziert lässt sich sagen:

Ganz annehmbare, ungewöhnliche Musik mit einem ganz besonderen Charme, welchen ich spontan mit keiner anderen Band vergleichen kann. Für Vndergrovnd Fetischisten welche atmosphärischen Black Metal dem rasenden Geknüppel vorziehen durchaus einen Blick wert.

  
Gesamtergebnis: 6,38* 6,83

Gesamtspielzeit: 26:22
Durchschnittsdauer: 4:23
= doppelte Wertung für Song 1:

Liedqualität: 6,64 (3x)
[(2*7) + 6,5 + 7 + 7 + 5,5 + 6,5] / 7 = 6,64
Cover: 5* (7,25) (1x)
Cover: 5
Lyrics: 3/6 = 5,00 + 3 = 8
Aufmachung: 6
+ Extra Texte 1
+ Bonusvideo 2
- Qualität 0,5
- unnütz viel Promo 0,5 = 8
Abwechslung: 7 (1x)

*Änderung aufgrund der neuen Bewertungsrichtlinien!

Freitag, 24. Februar 2012

Hilfe! - Wo soll ich hin?

Irgendwie ist es ja immer so - wochen oder monatelang herrscht konzerttechnisch die absolute Flaute und kaum etwas, beziehungsweise kaum etwas interessantes hüpft über die umliegenden Bühnen und wenn sich dann mal etwas richtig geiles anbahnt, dann in der Regel gleichzeitig an zig verschiedenen Orten! Na toll... T_T

Um mich nicht im Nachhinein zu ärgern und mir Vorwürfe zu machen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, hab ich mir durch ein paar Gedankenspiele ein möglichst rationales und ausrechenbares System entworfen. Damit dies primitv wie möglich ist, hab ich so ernste Faktoren wie Zeit mal ausgelassen... *g*

Ja okay, damit ist es im Prinzip für die Tonne - aber ich will jetzt trotzdem wissen wo ich am besten am 30sten März wäre, da ich meinen freien Tag extra schon dort hin gelegt habe.

Ich greif dabei einfach wieder auf meinen tollen last.fm Account zu, da ich Bands, welche ich oft höre auch gerne live sehen würde.

Ich addiere also einfach die von mir gehörte Scrobbelanzahl aller spielenden Bands.
Bands welche ich noch NIE live gesehen habe, erhalten per se 100 Scrobbels dazu simuliert. Außerdem bekommt eine Band 100 Punkte wenn sie ganz in Ordnung war.
Ich stufe das ganze noch ein wenig auf, indem 200 Scrobbels eine Band bekommt, welche ich unbedingt (nochmal) sehen will und 300 Scrobbels bei der es ein Traum wäre, sie zu sehen.
0 Scrobbels für eine Band welche ich schon gesehen habe, mich aber nicht vom Hocker gehauen hat.
-100 wenn sie wirklich schlecht war und bei -200 will ich sie gar nicht mehr sehen.

So erhalten nämlich auch Bands "Punkte" - welche ich vielleicht gar nicht höre oder kaum, aber trotzdem vielleicht ganz gut finde oder mir vorstellen kann, dies zu tun.
Die ganze Punktzahl teil ich dann durch den Vorverkaufspreis und sehe dann, was nach Preis/Leistungsverhältnis die beste Wahl wäre... oh yeah...


 Mein erster Kampf ist ein hochklassiger Dreikampf:

In der unfairen Favoritenrolle: Streinbruch Theater Mühltal mit:

Agrypnie [1023] + [200] / Helrunar [100] / The Vision Bleak für 17€ VVK = 77,82 Punkte

In der schlagfertigsten Rolle: Paganfest 2012 in der Stadthalle Gießen mit:
Eluveitie [1016] + [200] / Equilibrium [6] / Heidevolk [100]  / Korpiklaani [100] / Negura Bunget [100] / Primordial / Sólstafir [476] + [300] für 33€ VVK = 69,63 Punkte

In der Rolle des überraschenden Dritten: Metalfire Storm 2012 im Colos Saal in Aschaffenburg mit:
Communic [1252] + [300] / Rage [100] / Scar of the Sun [100] / Týr [200] für 25,20€ VVK = 77,46 Punkte


Und der fiese Joker wird sein... *trommelwirbel* - Fahrkarten Bahn für 40€+ Hin & Rückfahrt außer für Mühltal und nächster Tag arbeiten... - ja sieht sehr nach Mühltal aus, wobei mich das Paganfest schon ungemein reizen würde aufgrund der Masse an Bands und Sólstafir will ich unbedingt noch mal sehen. Ebenso wäre Communic echt ein Ding, zumal ich gerade vor kurzem erst ihr neustes Album mir zulegen konnte und ich es wie alle Alben von ihnen absolut abfeier. Agrypnie ist auch riesig, aber hab ich jetzt dann doch schon 3x live gesehen...

Ich geb die innere Diskussion mit mir selber einfach weiter an meine bessere Hälfte... :p

Mittwoch, 22. Februar 2012

+++ Del Rey feat Lana Del Rey - Der Verkaufsschlager +++

Das kommt davon, wenn man sich mit Bands nicht wirklich beschäftigt sondern einfach nur blind kauft was angesagt ist und empfohlen wird. Eine "fehlerhafte" Amazon Empfehlung hievt die unbekannte Post Rock Band Del Ray in die Charts.

Zugegeben, die Meldung ist jetzt nicht mehr wirklich brandneu - ich konnte mir einfach den Namen nicht merken. ABER: Es ist symptomatisch für das Kaufverhalten vieler Mitläufer und Trendreiter. Heute und Morgen noch, wie es eben vor ein paar Wochen der Fall war.

Aber chronologisch:
Wie aus dem Nichts wird Lana Del Rey Ende 2011 mit ihrem Song "Video Games" bekannt und stürmt die Charts. Im Backkatalog hat sie noch ein Album unter ihrem damaligen Namen Lizzy Grant welches 2010 erschien. 2012 erscheint ihr neues Album "Born to Die".

Auf der anderen Seite ist die Post Rock Band Del Rey, welche sich bereits 1997 gründete und 1999 ihr erstes Album auf den Markt warf. Ihr 5tes Album ist auf das Jahr 2010 datiert und hört auf den Namen "Immemorial".
  
Und ich wäre der letzte, der Künstlern einfach so den Erfolg nicht gönnt. Zumal sich Lana Del Rey wirklich nicht schlecht anhört, noch sonderlich anbiedernd an den Massenmarkt ist. Hier ein kleines Video zum reinhören.

Eine von vielen talentierten Künstlern, welche das Glück hatte von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.

Ob man von dauerhaftem Glück sprechen kann, lässt sich angesichts der vorhandenen Schattenseiten, welche eine Dauerpräsenz hervorruft je nach Person anzweifeln und ist in unserer sehr schnelllebigen Zeit auch sehr fraglich, aber sie ist nun jetzt mal sehr erfolgreich!

Damit wird die typische kommerzielle Maschinerie in Gang gesetzt. Ein Radiosender nach dem anderen spielt die Lieder rauf und runter, Konzerte sind ausgebucht, Interviews und Berichte werden jäh gefragt und CD Verkäufe springen ruckartig in die Höhe. Denn vielen Menschen scheint es wichtig zu sein, im Zeitgeist mitzuschwimmen.

Und das sieht man wunderbar an Beispielen wie diesen. Denn Del Rey, hören sich ganz anders an:

Auch der Albumtitel klingt nicht ähnlich und wenn dann noch etablierte Plattformen wie Amazon etwas empfehlen, wird einfach mal blind drauf losgekauft.

Ich hab keine der beiden Bands vorhin gekannt, alle Informationen dazu hab ich a) An der Newsanzeige bei S-Bahn Stationen gelesen b) mir in nicht mal 10 Minuten im Internet zusammen gesucht.

Es ist ja nicht so, als hätten wir heutzutage keine Möglichkeiten soetwas herrauszufinden. Und gerade als "Fan" kann man sich doch diese 10 Minuten Zeit gönnen...

Gewinner an der Geschichte sind eindeutig die Post-Rocker von Del Rey, welche die ganze Geschichte mit viel Humor und Spaß nehmen. Der ist bei einer Verfünffachung der Verkaufszahlen auch gegönnt.

Verlierer sind eindeutig die selbsternannten Fans, welche hoffentlich daraus lernen.