Endlich mal wieder eine Headliner Tour von Swallow the Sun,
hier mit jetzt auch Einzige Band, welche ich nun 6x live gesehen habe, jedes
mal mit schwankender Qualität was die Live Performance angeht:
Dezember 2009 im Landespavillon in Stuttgart, damals als
Headliner – nicht wirklich schlecht, aber hatte mich auch nicht wirklich
umgehauen.
Oktober 2010 auf dem Summerbreeze Festival, ungeschlagener Höhepunkt
– die Band hatte mich praktisch bis auf die Knie nieder gebrochen, von nun an
ein unfairer Maßstab an dem sie sich messen lassen musste.
Dezember 2010 im Haus11, wieder Stuttgart. Performance war
gut, Vocals aber zu leise, irgendwie blass. Trotzdem Gänsehaut in der Sauna,
aber mit bedauerlichem Makel.
Wenn man diesem doch sehr regelmäßigen Muster folgt, müsste
dieser Auftritt wieder gut werden?
Erst waren aber The
Foreshadowing an der Reihe, diese hatte ich bislang zwei Mal schon vor
Augen – Summerbeeze 2010 & 2012 – allerdings nie wirklich fokussiert
sondern immer nur im Vorbeilaufen, während dem Essen oder sonst irgendwie am
Rande. Erwartet hatte ich dennoch irgendwie was anderes. Hatte mir eigentlich
so Schlagwörter wie „Doom“ im Hinterkopf behalten und meinte mich auch auf so
etwas einstellen zu können, hätte ja auch wunderbar in den musikalischen Rahmen
gepasst. War dem aber irgendwie nicht so ganz. Könnte vielleicht als Gothic „Metal“
noch durchgehen, so genau anzufangen wusste ich zu meinem Leidwesen mit der
Band aber nichts. So viel Ausstrahlkraft der Fronter hatte, war mir nie so
wirklich klar auf was das abzieht. Auf Growls, eine Düsternis oder Schwere habe
ich vergeblich gewartet. Dafür gab es wesentlich softeres, was nicht schlecht
sein muss – aber irgendwie selten zu Ende gedacht war. Melodien hatten of nur
Anflüge von Griffigkeit und die ganze Stimmung schien mir teils schrecklich
fehl geleitet zu sein. Das mag einer Kollision mit meiner Erwartungshaltung
geschuldet sein, kann aber auch wo anders liegen. Der Auftritt war nicht
schlecht, aber recht öde und ich hatte auch nicht diese Momente wo ich dachte,
„wenn-das-jetzt-hier-ein-klein-bisschen-anders-wär-und-würden-sie-doch-nur“ –
da war einfach nix. Konnte leider nicht so viel mit anfangen, das Publikum aber
auch nicht? Dieser respektabel große Raum an Nichts vor der Bühne war
irritierend ungewohnt, hielt sich aber kurzfristig bei der nachfolgenden Band
auch noch. Normalerweise steht es hier immer dicht an dicht, oft genug war ich
in letzter Zeit ja in diesem Club um dies behaupten zu können.
Ähnlich erging es mir dann mit Antimatter
leider auch. Hier kam ich – man bin ich heuer pingelig, mit der Stimme nicht
ganz so klar. Ich hätte mir hier und da ein paar Facetten mehr gewünscht oder
aber einen größeren musikalischen Sog. Das hatte zwar stellenweise seine
shoegaze-esken Passagen (mir an dieser Stelle auch vollkommen gleich ob da die
musikalische Zuordnung 100%-ig koscher ist, die Wirkung ist primär gemeint)
aber das reichte nicht ganz und auch nicht durchgängig. Dazu war mir einfach
das Klima zu kühl und zu steril. Sonderlich emotional packte mich das nicht –
lasse mich bei so was gern in die Melancholie ziehen (vgl. Sólstafir, Alcest –
Bands mit ähnlichem Sog) oder in sonstigen Untiefen, aber dort fand heut nicht
wirklich was statt. Stattdessen bekam ich absurder weise irgendwie Lust zu
Tanzen und mich zu bewegen, nachdem ich realisierte, dass es zum kompletten
Versinken nicht reicht. Immerhin hatte es ja dennoch etwas rhythmisches,
treibendes, was aber in der Wirkung sicherlich nicht so gewollt war. Aber
angenommen es wäre, kann man so den Karren doch noch in gewisser Weise als aus
dem Dreck gezogen bezeichnen. Im Endeffekt liegt es oft ja auch am Zuschauer
was er daraus noch macht oder ob er gleich abwinkt, aber auch hier hatte ich
anderes erwartet. Ging aber so noch, nur bislang ein erstaunlich ruhiger Abend…
Dann stellte sich schon die große Frage. Ging das Muster auf
und hatte ich meine heutige Bekanntschaft umsonst die Hoffnungen gedrosselt
oder fiel der Auftritt leider wieder mal ab?
Die ersten anderthalb Lieder hielten die Spannung noch
etwas, meiner Meinung nach waren dort die Vocals noch nicht perfekt eingestellt
und leicht zu leise, was wie oben geschrieben durchaus eine der
Kinderkrankheiten der Live Auftritte von Swallow
the Sun sind.
Aber danach wurde an den richtigen Reglern gedreht, der
Sound war gut und alles wand sich zum Positiven. Der Kontrast hätte bei diesen
Vorgängerbands auch kaum größer sein können. Plötzlich war da richtig viel
Dynamik, Power, Energie, Metal – ja endlich mal richtig schön Metal. Der
Auftritt war intensiv, kam auf den Punkt und hatte irre Spaß gemacht. Wehrmutstropfen,
kein „New Moon“ gespielt, aber genug ältere sowie neue Stücke um dies zu
kompensieren und clean wurde an dem Abend eh schon genug gesungen. Die
Darbietung war mitreißend, der Bass schön drückend – Growls diesmal mit Saft,
die Black Metal Screams sitzen eigentlich immer. Ein gutes Gesamtkonzept mit
tiefgehenden und packenden Melodien und es hat mich echt gefreut, dass meiner
Schwarzmalerei Lügen geschallt wurden.
So will ich die Band vor mir stehen haben, alles richtig
gemacht. Jetzt habe ich nur Bedenken, dass wenn ich sie ein weiteres mal live
sehe – was ich ohne Zweifel irgendwann noch werde, da bin ich mir sicher -
wieder mal ein nicht so guten Auftritt, dem Gleichgewicht halber erwischen
müsste. Das wäre schade, denn wenn alles sitzt ist die Band spitze.
Da sie dies aber war, konnte ich nicht meckern und zufrieden am Abend
auch einschlafen und den Haken auf der richtigen Seite setzen. Ich grüße an
dieser Stelle Sabine und Micha, danke für die Heimfahrt und die interessanten
Diskussionen und teils auch ungewöhnlichen Analysen der Bands. Hat Spaß gemacht
und war sehr erfreulich.