Mittwoch, 3. April 2013

Daydreamers Nightmare Tour 2013 – 29ter März @ Elfer Music Club Frankfurt



Weiter geht’s – nur keine Müdigkeit vortäuschen! Der Elfer war mir bislang schon recht gut bekannt, als Auffangbecken für verstoßene Batschkappbesucher welche noch kurz ausruhen, auf’s Klo gehen oder noch etwas trinken wollten. Mehr kannte ich bislang aber noch nicht.

Das sollte sich heuer ändern, zumal das Konzert von Metalgigs.de präsentiert wurde. Davon konnte ich mir zwar keinen Apfel kaufen, aber mir einen weiteren Anreiz generieren. Je nach Quelle sollte der Spaß zwischen 19 und 21 Uhr anfangen und traf die Realität irgendwo in der Mitte. Der Ersteindruck des „Konzertraums“ hinten im Keller:
Überraschend klein und eng und leider verdammt muffig. Der Charme schwankte zwischen heruntergekommenem Proberaum und miefiger Sportumkleidekabine pubertierender Schüler. Folglich ein sehr einladendes Gschmäckle.

Zusätzliches Gimmick: Die Jubiläumsfeier der Kreuzigung eines israelischen Zimmermanns vor über 2000 Jahren. Würde im Regelfall niemanden interessieren und nichts mit diesem Konzert zu tun haben, aber aufgrund religiösen Verflechtungen bis hin zur Gegenwart – ward nicht nur der Mehrheit der Bevölkerung frei gegeben, sondern allen verboten deshalb aufkeimende Freude in Form ausgelassener Bewegungen (umgangssprachlich: Tanz genannt) auszuleben. Heißt der Abend hatte nicht nur einen sehr muffigen Grundtenor, sondern zudem noch einen sehr zwanghaft, drögen Touch kombiniert mit einer penibel trockenen Kehle meinerseits. Ironische Jubelschreie mögen hier nur gedacht werden.

Meet my Fist holten dabei aber noch ordentlich die Kohle aus dem Feuer. Irgendwo im Nu Metal angesiedelt boten sie einen guten Einstieg. Zwar nicht durch die Bank perfekt, aber ob gesungen oder gerappt – es passte gut zusammen und war in sich stimmig. Die Band wirkte sympathisch und bodenständig und vor allem die Performance und Präsenz der Sängerin fand ich beeindruckend und ausdrucksstark.

Mit Miaplacidus betraten ebenfalls sehr freundliche Menschen die Bühne, einen Tick weniger offensiv sondern eine Spur schüchterner. Sieht man von anfänglichen Abstimmungsproblemen des Sounds ab – die zierliche Sängerin wurde anfangs knallhart von allen Seiten mit lautem Gitarrensound erdrückt, boten sie durchaus hörbaren Alternative Rock. War mir dennoch einen Tick zu soft, was die Band leider selbst viel zu oft betonte – und leider einen Hauch zu beliebig. Klar wurde in Solieinlagen durchaus offensichtlich, was handwerklich vorhanden war, aber das reichte nicht um wirklich zu zünden.

Als komplette Fehlzündung erwiesen sich für mich Die Traktor, Deutschrock mit einer sehr punkigen Attitüde. Lag mir überhaupt nicht, reizte mich null und wurde gekonnt mit Flucht nach oben umgangen um einen Hauch Frischluft zu erhaschen.

Dort wurde auch schon gesungen bzw. geprobt und zwar für Siock Sico. Deren Sänger fiel gestern Abend erst aufgrund gesundheitlicher Probleme aus und deren Ersatzsänger war fleißig am üben. Nachdem Soundcheck verschwand die Band auch gleich wieder um sich zu maskieren. Dabei wurden Tonnen an Haarspray verpulvert und skurrile Kostüme angezogen, so das sich ein absolut durch geknalltes Bild bot. Und einen solchen Auftritt bot die Band auch, deren Musikrichtung ein krudes Chaos aus Alternative Metal, Nu Metal und diversen Metalcore Anleihen bot.

Der Sound ging klar und steil vorne raus, war abwechslungsreich und unterhaltsam – was unfreiwillig dadurch vertieft wurde, dass der Ersatzsänger teilweise den Text noch so gut wie gar nicht konnte, beziehungsweise nicht wusste auf welchem, kaum leserlichen Script er gerade stand. Ansagen wie „Ihr könnt gerne auch mitsingen, ihr seid ungefähr genauso weit wie ich“ sorgten für Lacher und entschuldigten zu recht auch den ein oder anderen vielleicht etwas schiefen Ton oder verpassten Einsatz.

Leider konnte ich die Band aber nicht ganz zu Ende sehen, geschweige denn irgendetwas von der letzten Band Strapped Illa, da meine letzte Bahn welche mich noch zu vernünftigen Uhrzeiten heimbrachte, fuhr. Das ich am nächsten Tag wieder arbeiten musste, lässt Diskussionen um vertretbare Uhrzeiten somit auch schon im Keim ersticken. Hätte wäre wenn, alles früher angefangen, hätte ich auch mehr sehen können – was mich aber auch nicht mehr so sehr störte. Dafür war der Abend nicht direkt zu schlecht, aber wie eingangs erwähnt aufgrund Räumlichkeit und gesetzlicher Regelung muffig und dröge, musikalisch nur bedingt überzeugend und einfach nicht so wirklich auf mich zugeschnitten. War insgesamt noch okay, aufgrund der langen Pendelzeit wäre aber eine identische Wiederholung meinerseits sehr zweifelhaft.

Montag, 1. April 2013

Bloodwork – 22ter März 2013 @ Goldene Krone Darmstadt



Wieder mal ein Abend in der Krone, wieder einmal Konfusionen über die Startzeit. Fünf Bands standen auf dem Programm und zur Wahl stand praktisch alles zwischen 20 und 21 Uhr. Nachdem erfahrungsgemäß die Homepageangaben (21 Uhr) oft nicht stimmten, im Gegensatz zur Facebookangabe (20:30 Uhr) – verließ ich mich auf letzteres, um a) keine Band zu verpassen und b) … ach ich saß mal wieder auf dem falschen Pferd. Diesmal war die erste Angabe die richtige.

Ebenso unsicher ist es, vorherzusagen wie voll oder leer die Krone ist. Das kleine und kümmerliche Häuflein welches den Opener Broken Circle erwartete, ließ übles erahnen. Dabei hatte die sympathische Truppe des leicht melodischen Death Metals durchaus mehr Publikum verdient gehabt. Zwar rissen sie nicht gerade Bäume aus, für den Auftakt waren sie aber durchaus brauchbar. Nur zum Anheizen gab es leider noch kaum etwas. Highlight – zumindest für mich als ewiger Plattenjäger, war die kostenlose „Verwerfung“ der aktuellen Demo. Zwar bin ich absolut nicht käuflich was meine Urteilsfindung angeht, aber sollte ich solche tolle Sachen geschenkt bekommen, könnte es durchaus sein, dass besagte Band – BROKEN CIRCLE, eventuell ganz zufällig ein paar mal besonders hervorgehoben wird. Eine allzu lange Spielzeit hatten BROKEN CIRCLE nicht, dennoch ganz nett anzuschauen.

Nach BROKEN CIRCLE  folgten Platonic Solids aus Karl-Marx-Stadt, wie der Sänger selbst preis gab. Auch hier hätten es durchaus mehr Zuschauer sein können, der fehlende Elan wurde zurecht anfangs mokiert – steigerte sich dann aber auch leicht. Musikalisch boten sie einen eingängigen Mix aus Heavy Metal und Hardrock, welcher zeitweise sehr gut funktionierte und in sich stimmig war, mich allerdings nicht unentwegt mitnahm. Ließ sich zeitweise gut feiern, aber eben nicht immer. Die Phrase „kalt lassen“ wäre dann doch etwas zu hart formuliert.

Imposant war der Soundcheck von Jamie’s Backyard, welcher gleich offenbarte was für einen kolossalen Stimmumfang der Sänger hat. Auch sonst war die Stimme sehr kraft- und druckvoll, obig angedeuteten Fähigkeiten kamen aber leider nicht voll zum Einsatz. Keine tiefen Deathgrowls und hohen Geräusche sondern „nur“ Cleangesang. Der war, ohne Zweifel vollkommen in Ordnung, in Erwartung von so viel mehr, dann aber doch leicht enttäuschend. Und während die Musik in ruhigeren Gefielden gondelte, strömten langsam vermehrt Zuschauer in den Saal. Ich habe ehrlich gesagt etwas Zeit gebraucht, bis ich den Ist-Zustand akzeptiert hatte und Zugang zur Musik fand, die unterm Strich doch ziemlich okay war.

Jetzt kamen All Will Know, welche scheinbar das Ganze hier mitorganisiert hatten. Die Band hatte ich vor gut einem Jahr schon mal in der Krone gesehen, auch die Uhrzeit war ungefähr die gleiche. Der große Unterschied nur: Damals waren anfangs viele Besucher da und gegen Ende keiner mehr, diesmal war am Anfang niemand da und inzwischen trotz fortgeschrittener Stunde die Bude voll. Wieder mal gegen allen Erwartungen und Erfahrungen!
Vorab hatte ich mir schnell noch ein paar Liedern von ihnen angehört, die CD hatte ich damals selbstverständlich gekauft, so dass ich mit einem Ohrwurm erst zur Krone steppte.
Es müssen einige neuere Songs dabei gewesen sein, oder eben ältere – einige waren mir auf jeden Fall neu und/oder wieder unbekannt. Die Performance hingegen ließ keine Wünsche offen, die Melange aus Melodeath und Core – angereichert mit butterzarten Cleanvocals welche schon teilweise einen poppigen Einschlag haben ging auf. Mit einigen Liedern tat ich mir schwer, aber überwiegend lief es mir sehr gut rein. Stimmung war auch super.

Getoppt wurde das nur noch von Bloodwork. Hatte ich mich bislang im Stillen selbst gelobt, so vernünftig, weit- und umsichtig gewesen zu sein, das mein Nacken noch nahezu schmerzfrei war, wurde jetzt das Pulver bis zum letzten Korn verschossen. Der Sound drückte ordentlich nach vorne und auch wenn es schon um/oder nach 2 Uhr Nachts war, keiner wollte aufhören. Weder Band noch Publikum. Mit den letzten Kraftreserven wurde die Zugabe eingefordert, die Zähne tapfer zusammengepresst und gleichzeitig auch irgendwie ein Ende gewunschen. Es war absolut ambivalent, eigentlich war ich komplett erledigt und wollte nur noch heim gehen, was ich nach dem letzten Song auch sofort tat – andererseits, nur noch ein Song, ein Song geht noch.

Ein wirklich toller Abend, ohne Ausfälle und mit viel Spaß. Einem ungewöhnlichen Zuschauerzuwachs statt Schwund zur fortgeschrittener Stunde und ja… eigentlich hat soweit alles gepasst. Die Schmerzen am nächsten Tag waren erfreulich minimal. Es sieht ganz so aus als wäre ich langsam wieder gestählt und stocknüchtern kann ich inzwischen auch ordentlich bangen. Zwar anfangs schüchtern, dafür später umso vehementer.

Fotografen waren auch anwesend, ich verlinke einfach mal – auf 2 wunderschönen Bildern bin ich auch zu sehen. https://www.rockyou.fm/gallery/14-die-krone-rockt/all

Jetzt noch das mit den Anfangszeiten irgendwie in den Griff bekommen, die Besucherzahlen konstant halten und dann kann ich auch wieder reines Gewissens meine Freundin wieder überreden mitzukommen. Der bot sich nämlich jedes mal das Paradenegativbeispiel. Diemal war aber alles super. J

Freitag, 22. März 2013

Climates – 14ter März 2013 @ Cat Ulm



Die Gelegenheit beim Schopf gepackt und bei der erstbesten Möglichkeit die Chance genutzt, meine alte Stammlocation von vor 4 bis vor 2 Jahren zu besuchen. Damals war es vollkommen egal was geboten war, wenn ich Zeit hatte und es kein starkes Konkurrenzprogramm gab, war ich vor Ort. Und 28 Besuche in gut 2 Jahren sprechen für sich. Die Atmosphäre, die Preise, das Publikum – alles hatte stets gepasst.

An ein Hardcorekonzert kann ich mich zwar bislang nicht erinnern, aber durchaus möglich, dass es dies vor meiner Zeit gab oder jetzt eben nach meiner Zeit (wieder) gibt. Da ich noch eine komplizierte Festivalbändchenamputation direkt davor hatte, traf ich leider auch schon vollkommen verspätet ein. (Ja ich bin jetzt so ein vntrver Socken der aussieht, als wäre er noch NIE auf einem Festival gewesen)

Da das Konzert mitten unter der Woche statt fand, hatte ich somit auch schon die erste Band, I Saw Daylight verpasst. Damit nicht genug, bis auf zwei Personen auf die ich nicht wirklich Lust hatte, kannte ich überhaupt niemanden mehr!! Klar das Zielpublikum war womöglich anders, hätte praktisch auch im Schilli sein können. Aber wirklich sonst gar niemand - meine Güte noch mal zum mitschreiben: NIEMAND! Schon ein kleiner Schock und ein Zeichen dafür, dass ich einfach alt werde und sich lokale Szenen rasend schnell verändern und vor allem einen selbst noch schneller vergessen.

Die Euphorie bekam also schon einen ordentlichen Dämpfer ab und wurde nur durch die nach wie vor erfreulichen Getränkepreise abgefedert. Nicht das ich seinesgleichen in letzter Zeit überhaupt oder in großer Menge verzehrt hätte, aber Bier zu 2€ halte ich im Gegensatz zu meinen sonstigen Erfahrungen der letzten Zeit doch für recht vernünftig.

Hardcore ist nun nicht mein großes Metier, es wird in friedlicher Koexistenz geduldet und ab und zu sporadisch gehört. Da der Eintritt jetzt aber schon gelöhnt war und alles andere keinen Sinn ergeben würde, blieb ich wie anno dazumal als Neuling still, verschlossen und grimmig in der Ecke stehen. True Black Metal Shit…

Nachdem nun schon 5 Absätze um den heißen Brei geredet wurde, kommen wir nun zum Kernproblem. Es gibt nicht sonderlich viel über Climates zu berichten. Sympathische Engländer welche ziemlich durchschnittlichen Hardcore spielen. Es gab recht ansehliche, melodische und auch tiefgängige Parts, aber genauso etliche austauschbare straight nach vorne preschende Prügelorgien. Atmosphäre und Feeling in der Location war natürlich toll und vertraut, wenngleich doch fremder als erwartet. Das war nichts Ganzes und nichts Halbes. Nicht schlecht aber irgendwie ernüchternd. Schade, ein triumphales Wiedersehen oder ein plötzliches, geheimnisvolles Auftauchen hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Hat im Endeffekt nämlich niemand gejuckt. Genauso wenig mich aber im Nachhinein dieses Konzert.