Samstag, 13. Oktober 2012

Billy Talent - European Tour 2012 - 07ter Oktober @ Frankfurt Festhalle


„Gehen wir zu Billy Talent?“ – wollte meine Freundin wissen. Zwar trifft dies nicht zu 100% meinen Geschmack, ist aber sehr annehmbare Musik welche ich ehrlich gesagt auch schon das ein oder andere Male gehört habe und so ging ich natürlich mit.

Nachdem etwaige Horrorszenarien einer überfüllten Festhalle, unkontrollierten Moshpits aggressiver Punks und offene Wellenbrecher überdacht wurden und An- und Abreise geklärt war, gab es kein zurück mehr. Komme was wolle, scheiß drauf. Stiefel waren geschnürt!

Zwar waren wir später dran als geplant – ursprünglich wollten wir eine halbe Stunde vor Einlass dort sein, was zweieinhalb Stunden vor dem ersten Auftritt entspricht(!) – aber die Verspätung war nicht weiter schlimm. Die Halle imposant, das Publikum überraschend spärlich.

Klar bis zum einzigen Wellenbrecher war es mehr oder weniger voll, dahinter aber nahezu ausgestorben, Empore war zudem komplett gesperrt. Vor 3 Jahren soll die Halle bei Billy Talent ausverkauft gewesen sein, dazu fehlten diesmal doch einige tausende Zuschauer.

Alter und Geschlecht war bunt gemischt, größenmäßig zumindest für mich aber übertrieben lässig. Ich bin wahrlich kein Riese und bin es gewohnt auf Metalveranstaltungen nichts zu sehen, aber inkl. 2-3cm Sohlenabsätze nagte ich fast an den 1,80m und konnte damit zu jeder Zeit perfekt auf die Bühne sehen. Zudem hingen links und rechts der Bühne zwei große Leinwände welche das Geschehen, begleitet mit künstlerischen Einblendungen, wiedergaben.

Richtig voll kann ich mir das Ganze schon viel ungemütlicher vorstellen, aber in der Fülle war die Atmosphäre sehr angenehm. Sound passte ebenfalls und wenn man über die gnadenlos überteuerten Ess- und Trinkpreise hinweg sieht, schlug sich die Location doch recht passabel. Ein bisschen mehr Höflichkeit wäre auf der Suche nach vegetarischem Essen angebracht gewesen. Ob das Käsebrötchen jetzt wirklich fleischfrei war lässt sich zudem ärgerlicherweise anzweifeln.

Aber kommen wir jetzt endlich zu den Bands:

Arkells hieß die erste Band, eine kanadische Alternative Rock Band. Und die zog mir definitiv nicht die Wurst vom Semmel. Sie waren bei weitem nicht schlecht oder dergleichen. Der Auftritt war recht sympathisch von ein paar monotonen und zu vielen Anfeuerungsrufen abgesehen, aber viel konnte ich mit dem nicht gerade eingänglichen Geklimper nicht anfangen. Die „Show me your light“ – Aktion war eine lustige Sache wobei man gesellschaftlich gesehen eines feststellen konnte: Es gibt kaum noch romantische Feuerzeuge welche man stimmungsvoll in die Höhe recken kann, dafür gefühlt 5 leuchtende Smartphones pro Person. Sah – ins Publikum gefilmt cool aus, aber hach… Feuerzeuge wären doch echt viel schöner als das sterile Licht gewesen…
Ansonsten bekam der Drummer noch während dem Spiel eine nette Biertränkung und der Auftritt war nach gut 30 Minuten um 20:00 beendet, was heißt, dass der Beginn eine halbe Stunde früher als angekündigt war.

Da die Band aus Pittsburgh schon von der Vorgängerband so schön gegrüßt wurde, kam sie nach kurzer Umbaupause auch schon auf die Bretter. Anti-Flag der werte Name und diese legten ein paar Schippen mehr in den Ofen. Für mich war der Anfang holperig, das erste Lied missfiel mir gleich dermaßen, dass ich naserümpfend erst mal ein paar Vorbehalte hatte, bis ich eines besseren belehrt wurde.


Das Chaos blieb dabei aus, ein sehr, sehr handzahmes Publikum stand fast schon zu stoisch herum. Als irgendwann die Band stolz verkündete, den größten Circel Pit der laufen Tour hier zu sehen musste ich müde lächeln. Die paar Hanseln waren für mich alles andere als ein Superlative. Ansonsten wurde geklatscht, Stimmung gemacht und Deutschland für den Atomausstieg gelobt. Das hatte in der Ansprache – unabhängig von der sehr populistischen, wankelmütigen und unreflektierten Aktion der Politik – dann doch etwas Magisches. Die Band war im positiven Sinne einnehmend und generierte gute Laune ohne an ernsthafter Glaubwürdigkeit zu verlieren. Hat meine sehr tief angesetzten Erwartungen doch um einiges übertroffen.

Und dann kam der Headliner: Billy Talent
Ich bin jetzt nicht wirklich der Die-hard Fan um das ganze songgenau beurteilen zu können, aber vorab aufgeschnappte Vorwürfe, dass diese Live mies wären, konnte ich nicht im Geringsten bestätigen. Meine Freundin meinte es hätte bei einigen Liedern schon Unterschiede zur Studioversion gegeben ohne dies abwertend zu meinen, ich hingegen stellte keinen Unterschied fest. Maß mir aber auch nicht an, dies nach zwei oder dreimaligem Hören beurteilen zu können. Der Sänger gefiel mir am Besten, die Stimme hat etwas sehr individualistisches und so etwas finde ich in der Musik wichtig. Ansonsten erwartete ich musikalisch weniger Power als bei Anti-Flag, was sich wiederum als Trugschluss erwies. Die Halle fing an zu kochen, es wurde geklatscht, gehüpft, gesungen – das Gesamtgefühl war um einiges energiegeladener!
Die Tracklist war recht treffend gewählt, von neuen Stücken aus dem neuem Album bis hin zu alten Klassikern, welche live wunderbar funktionierten. Und spätestens als mir meine Freundin mit glühenden Augen und strahlendem Gesicht freudig erzählte, dass jetzt ihr Lieblingslied gespielt wird und ich sah, dass sie richtig, richtig viel Spaß hatte – verbuchte ich den Abend neben der musikalisch wirklich gelungenen Performance den Abend als vollen, wirklich vollen und vollkommenen Erfolg. Tolles Konzert!

Da die Batschkapp das Ganze veranstaltete wurde danach auch wieder schnell alles rausgekehrt, spottend wetteten wir vorher ab wie viel Uhr alle rausfliegen – mit Ende 23 Uhr ging das Ganze diesmal aber sogar eine Stunde länger. Bitte schließt nächstes Mal aber nicht alle Zwischentüren ab. Klar okay, es war Sonntag – ihr wollt alle gehen, aber wenn ich nicht dauernd Umwege laufen muss um auf’s Klo zu gehen würde sich das auch schneller erledigen.

Fazit wie gesagt: Tolles Konzert, viel Spaß gehabt, musikalisch annehmbar und warum auch nicht mal kein Geknüppel. ;)

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Bülent Ceylan und Metal im Allgemeinen



Erst letzte Woche wieder die Bülent Ceylan Show gesehen, selbsterklärter Metalhead welcher 2010 auf dem Summerbreeze seinen ersten großen Auftritt vor der Massa hatte. Das Ganze war recht unterhaltsam, wenngleich akustisch schwer zu verstehen und nüchtern und mit Abstand betrachtet, nicht halb so lustig wie ursprünglich wahrgenommen.

Angekündigt wurde eine große, tolle und neue Show – welche viel anders wäre als das, was man von der seichten deutschen Unterhaltungsbranche kennt. Es folgte ein Auftritt bei Wacken 2011 und eine zunehmend stärkere Präsenz auf dem „Qualitätssender“ RTL.

Sprich genau dem Ort der öffentlichen Wahrnehmung, wo ich den lieben Metal am liebsten möglichst gar nicht sehen möchte. Die Show selber hat ihre Stärken und Schwächen - dabei durchaus ein paar kleine Alleinstellungsmerkmale - hält aber trotzdem bei Weitem nicht was man sich nach den euphorischen Ankündigungen erhoffen konnte.

Klar bekennt er sich offen zum Metal und unterstreicht dies immer wieder durch Musikgäste, Spieleinlagen oder sonstige Gimmicks. Mein Problem dabei ist nicht, dass ich ihm das nicht abkaufe. Soweit glaub ich ihm seine Aussagen voll und ganz, ich unterstelle ihm nicht einmal Absicht oder dergleichen – aber! Das suggerierte Bild dieser Musikszene harmoniert leider 1A mit den unreflektierten und oberflächlichen Wacken Berichten und sonstigem Pseudojournalismus.

Das ultra weite Feld der ganzen Bewegung wird auf wenige, aber sehr bekannte, kommerzielle Bands runtergebrochen, garniert mit „authentischen“ Festivalberichten indem sich selbstverliebte Hampelmänner schreiend, saufend und grölend ins Abseits präsentieren. Pro7 schießt den Vogel mit Trends und Modeberichten ab und hier war es, welch eine Überraschung ein Headbangwettbewerb.

Unter vielen Bewerbungsvideos wurden die besten Banger ausgewählt, welche nun mit auf der Stirn festgenageltem Schrittmesser um die Wette wedelten. Im Durchschnitt war das Feld lächerlich schwach und ungeschickt, die auftretende Band „Kissin’ Dynamite“ zwar im Grunde sympathisch, für einen Wettbewerb dieser Art aber mit ihrem lauen Heavy Metal und Hardrock Song aber gänzlich ungeeignet.

Unter einem ernstzunehmenden Aspekt hätte auf der Bühne eine Abrissbirne vor dem Herrn den Takt vorgeben müssen, was natürlich welch Überraschung – dem Mainstream Publikum sicherlich nicht geschmeckt hätte.

Und genau das ist das Problem. Dass das schwarze Volk eigentlich total lieb und nett ist und nur böse schaut, wurde jetzt schon oft genug gesagt – aber mehr als schön geschliffene und weich gezeichnete Berichterstattungen und Shows gibt es darüber eh nicht. Kann der Laie natürlich nicht wissen, immerhin wird dauernd von „HEAVY!!!“ Metal geredet und „hart gerockt“ was ja schon recht extrem sein muss, wenn dies so oft behauptet wird. Aber wer das ernsthaft glaubt, kauft auch nur Fun-Artikel bei EMP und gruselt sich vor den Postern während er sich als Insider wähnt.

Meine Welt beschreibt es in der Regel nicht und war ich anfangs noch naiv begeistert, nervt mich die Erwähnung „Metal“ im Fernseher nur noch. Ein Versuch war’s wert, aber dabei ist es dann wohl geblieben. Ein Versuch – keine wirklich authentische Realität…

Samstag, 6. Oktober 2012

Media Control Single Charts – KW 40, Nr.#2: Lena – Stardust



Ja die Lena – jetzt mit ihrem ersten, richtigen eigenen Album. Und wer kennt sie nicht? Wer die letzten zwei Jahre zufällig in Deutschland lebte, konnte der penetranten Lenemanie nahezu unmöglich aus dem Weg gehen. Lena hier, Lena da, Lena dort – die mediale Präsenz war störend überladen.

Umstritten schon immer, wegen ihrem englischen Akzent, ihrer nicht vorhandenen Gesangsausbildung, ihrer unkonventionellen Art, frei und direkt heraus – die nette von nebenan und irgendwie Everybodys Darling.

Warum diese ungewohnte Einleitung wichtig ist? Weil ich auf die werte Dame nicht sonderlich gut zu sprechen bin. Konnte sie hin und wieder schnodderig sein, was wohlwollend als schlagfertig und authentisch ausgelegt wurde – bot sich in der Fernsehserie „Durch die Nacht mit Lena und Casper“ ein katastrophales Bild fehlender Reife und Höflichkeit. Für mich ein bemerkenswerter Blick hinter ihr selbst, welcher alles andere als ein Vorteil für sie selbst ist.

Das nette und höfliche Image des unbedarften Mädchens oder jetzt der gereiften Frau zieht bei mir daher nicht mal ansatzweise, genauso wenig bin Begeisterungsgeblendet und eingelullt durch ESC-Sieg-Rauchschwaden.

Da endloses Nachtreten aber nicht mein Stil ist, spring ich erst einmal schützend in die Bresche. Die blödsinnigen Vorwürfe, ihr Video und sie selbst sei eine Kopie von Lana Del Rey sind an den Haaren herbeigezogen. Das ist weder bei der Liedstimmung, noch beim Gesang oder dem Video der Fall. Da sind auch infantile, besserwisserische Kommentare wie „Schaut doch mal ‚Summertime Sadness’ an“ unnütz, da ich Lana’s Videos alle schon kenn und mehrmals gesehen habe.

Weder Optik noch Schnitt sind explizit kopiert. Das Retrospiel ist minimal vorhanden und sicherlich keine del Rey’sche Erfindung noch Patent. Musikalisch ein ruhiges, recht harmloses Popliedchen, welches zum Glück nicht so aufdrängend wie ihre vorherigen, bekannten Stücke sind. Allerdings auch zu keinem Zeitpunkt zwingend, sondern austauschbar. Jetzt sicher nicht der große Überwurf. Video hätte mehr Potential nach oben, sprich 3 Sterne – aber hier bin ich dann mal ausnahmsweise befangen. Denn diese möchte ich ihr nicht geben, was ich aber hoffentlich objektiv genug erklärt habe. ;)


Das Lied bekommt von mir: 2 Sterne
Das Video bekommt von mir: 2 Sterne



Musikvideo Link: