Freitag, 26. April 2013

Kings of Black Metal 2013 – 20ter April @ Stadthalle Alsfeld



Wenn man sich im Vorraus ein wenig über diese Veranstaltung schlau machte, hörte man eigentlich fast nur negatives. Veranstalter mies, Preise überteuert, Bands würden nur durchgeschleust werden und so weiter und so fort. Mit Nocturnal Depression, hatte der Abend aber eine Band im Line-Up, welche mir sämtliche Unkenrufe wert war und probieren geht über studieren, ebenso und sowieso.

Mit etwas Verspätung, zum einen fuhren wir etwas später los als ich es mir vorgestellt hatte und zum anderen hatte ich den Verkehr auf der Autobahn ordentlich unterschätzt, traffen wir dann in Alsfeld ein. Parkplätze waren praktisch nicht mehr vorhanden, theoretisch schon – aber dies scheiterte an alternativen Einparkmethoden welche das Kunstwerk vollbrachten aus 10 Parkplätzen nur 6,5 zu machen. Chapeu – wenn das keine Hexerei ist.

Die Halle war kleiner als ich sie mir vorgestellt hatte, die dunkelbraune Holzdecke verlieh dem ganzen etwas leicht beengendes und ich konnte mir schon vorstellen wie das Ganze riechen könnte, wenn sie wirklich prall gefüllt wäre. Die Anzahl der anwesenden Menschen – laut Veranstalter ausverkauft – konnte ich mir aber allein optisch kaum auf einmal hier drin vorstellen.

Los ging es für uns dann mit Sargeist wovor ich nur meinen imaginären Hut ziehen kann. Hat mich musikalisch sehr schnell angesprochen und war auch optisch homogen und in sich geschlossen. Ich kannte die Band bislang noch nicht, schein laut last.fm mal ein Lied von ihnen gehört zu haben, kann mich aber nicht wirklich mehr daran erinnern. Nach dieser Darbietung, bei der mir lediglich der Hall etwas zu extrem aufgedreht war – bei Ansagen oder auch im Gesang oft hörbar und sehr lange in der Dauer, sprich ein sich übereinander schiebender Klang – sollte ich mich ranhalten, daran etwas zu ändern. Ich hatte zwar schon die CD im Merchstand in den Fingern, aber ich versuchte verzweifelt und erfolgreich vernünftig zu bleiben.

Proclamation konnten diese Begeisterungswelle nicht wirklich halten, wir verließen recht rasch die Halle um zum Auto zu gehen und uns mit Drinken und Essen einzudecken. Jetzt wäre der Punkt gekommen um doch etwas zu schießen und Vorurteil 1 absolut zu bestätigten.
Die Preise sind scheiß TEUER!
Die Probierprobe Bier – mehr ist dieses lächerliche 0,2 Liter Plastikgefäß nicht – für schlappe 2€. Das macht hochgerechnet für die Maß 10€!! Das ist teurer als auf dem Oktoberfest, ich glaub es hackt!! Frechheit - ohne Witz und für mich indiskutabel, relativ billige Eintrittspreise hin oder her. Mein Tipp: Folglich in nahe liegenden Lokalen, am Auto oder auf doch recht deiste Art und Weise drinnen trinken.

Ich wollte aber schnell wieder vor die Bühne, denn jetzt kamen Nocturnal Depression! Für mich eine absolute Ausnahmeerscheinung im DSBM, textlich sogar verständlich und mit minimalistischen Mitteln viel Wert auf Atmosphäre gelegt. Nachdem ich damals erfahren hatte, dass die Band auch live spielt – eine Tatsache, welche in diesem Untergenre nicht unbedingt der Regelfall ist – wollte ich sie auch sehen. Das Northern Lights Pagan Festival 2010 war gedanklich schon gebucht, dann war ausgerechnet an diesem Tag die Abizeugnisverleihung inkl. Ball. Der nächste Termin schien nahe, aber im Frühjahr 2011 ekelte die heißgeliebte Antifa in Memmingen mit absurden Vorwürfen erst Minas Morgul aus dem Line-Up und holte schon Luft um gegen den Ersatz, erfreulicherweise Nocturnal Depression zu wettern.


Der Abend schien faktisch noch besser zu werden, da wurde der Gitarrist krank und die Band sagte wieder ab und ich fragte mich. Wäre es soo schwer gewesen die 3 Riffs pro Minute zu lernen? Wie dem auch sei, jetzt war es endlich soweit – mein Platz in der zweiten Reihe nahezu frontal vor dem Sänger war perfekt und obige Frage wurde auch gleich beantwortet. Die ganz langsamen Songs wurden größtenteils daheim gelassen, was aber ob der kurzen Spielzeit absolut verständlich war. Das wahrscheinlich bekannteste Lied – Nostalgia – wurde auch noch gespielt und auch wunderbar inszeniert. Nicht so übertrieben wie im Video, aber dennoch aussagekräftig genug. Kleiner Nebenkonflikt herrschte zwischen dem rechten Gitarissten und dem Publikum – im einvernehmlichen Wechsel wurden Eiswürfel geworfen und Mittelfinger gezeigt. Was auch immer da für ein Film ging, mir war es wurscht. Nocturnal Depression waren geil. Punkt fertig aus…

Von Hades Almighty sahen wir praktisch nur noch den Schlusssong, aber damit dennoch schon ein Viertel des gesamten Auftritts. Hielt ich erst nicht viel davon, als es sich zu ändern schien, war der Spaß aber auch schon vorbei. Hätte ich vielleicht ganz sehen müssen um ein Urteil bilden zu können. Damit bezieh ich mich jetzt auf Vorurteil 2.
Ja – Bands werden „durchgeschleust“ aber auf welchem Festival werden sie dies denn bitte nicht? 45 Minuten Auftritt ist kurz, hätte aber auch noch kürzer sein können. Daher vollkommen legitim und in Ordnung.

Bei Archgoat wollte ich diese Zeit um mich an den Sound zu gewöhnen nicht unbedingt. Sonderlich prickelnd fand ich den Death Metal Einschlag nicht und würde ich mir auch nicht zwingend ins Regal stellen, sofern das nicht wieder über irgendwelche übertriebene Sammlungskäufe geschieht. War okay, muss aber auch nicht…

Richtig frohlockend und mit einer mir irgendwie bekannten, fröhlichen Melodie starten Troll. Allein bei dem Name und eben in Verbindung mit dieser Melodie hatte ich fast auf etwas – im Rahmen eines Black Metal „Festival“ unpassend lustiges gewartet, aber dem war nicht der Fall. Selten ein so dermaßen zusammenhangloses Intro gesehen, welches mit dem Rest des Auftrittes nicht im Geringsten kompatibel war. Gut waren sie trotzdem, das Keyboard fand ich zwar teilweise schwer zu hören, gab dem Ganzen aber doch etwas mehr an Breite.

Am besten fand ich anfangs den Vorhang, welchen Ragnarok hängen hatte. Den überaus bulligen und kräftigen Gitarristen fand fast schon verstörend. Oder anders ausgedrückt. Ich brauchte meine Zeit um einen Zugang zur Musik zu finden und war daher von Nichtigkeiten abgelenkt. Ich ließ meinem Nackenwirbel durchaus des Öfteren freien Lauf, je nach Platzsituation netterweise auch komplett senkrecht stehend, aber zwingend noch mal muss ich die Band nicht sehen.

Bei Horna standen wir wieder ziemlich weit vorne links und zum ersten Mal bedauerte ich es, dass keine nervigen Raucher sich eben nicht an das Rauchverbot hielten. Irgendetwas – keine Ahnung ob Teil der Show oder nicht, wobei ich dies bezweifle – stank abartig. Wie alte, modrige Luft – irgendwas schlecht gewordenes, gekipptes. Ich flüchtete mich je nach Stärke des Geruchs in die Haare meiner Freundin. Die rochen tausendmal besser. Betont geheimnisvoll und mystisch bewegte sich der Sänger bedächtig, gab merkwürdige Fingerzeichen und beschwor die komplette Unterwelt herauf. Das war interessant anzusehen, in meinen Augen aber ein bisschen „too much“. Geschmackssache eben. Musikalisch gingen Horna vollkommen in Ordnung, im Hinterkopf hatte ich aber ein klein wenig mehr erwartet.



Jetzt machten sich langsam erste Ermüdungserscheinungen bereit, aber es standen auch noch zwei Bands auf dem Programm. Tsjuder kannte ich bereits, sind in meinen Augen okay aber nicht zwingend. Sie bretterten gerade alles in Grund und Boden als wir wieder in die Halle schauten, konnten zum Glück aber auch ab und an das Tempo leicht drosseln. Dann fand ich persönlich sie am besten und sogar gelungen. Mit der ganz ausufernden Raserei konnte ich wenig anfangen und noch weniger dazu bangen. Ab gewissen Geschwindigkeiten überlass ich das dann doch lieber meiner Waschmaschine.

Carpathian Forest… *räusper* - auf diese Band konnte ich auf dem Ragnarök Festival deswegen gut verzichten, da ich dachte sie heute sehen zu können. Faktisch waren wir ziemlich erledigt, den kompletten Gig hätten wir eh nicht mehr geschaut. Zwei, drei Songs und dann mal schauen wie’s geht, wäre der Kompromiss gewesen.
Konjunktiv deshalb, weil die 20 Minuten offizeller Soundcheck wohl nicht reichten. Auch danach konnte über eine halbe Stunde gewartet werden. Eigentlich wollten wir jetzt laaangsam los, das Auto war ebenfalls nur bis 4 Uhr nachts gebucht, nur wollte die Band auch nicht wirklich anfangen. Als dann doch noch ein Lied gespielt wurde, glomm Hoffnung auf aber direkt danach, wurde noch mal zurück gerudert und noch ein Soundcheck durchgeführt. Und da war es mir dann echt scheißegal, fu! (Stand ja auch so schön ausgeschrieben auf den Bannern)

Der Sound war insgesamt überraschend gut, aber nach Hochglanz klang gar nichts. Dafür sind wir auch im falschen Genre. So einen riesen Häck-Mäck um diese Uhrzeit für scheiß fvcking Black Metal zu machen, halte ich für albern. Klar, womöglich und davon geh ich nach dem einen halb gehörten Song auch aus, war der Auftritt klasse – aber irgendwann kommt der Punkt, da ist es mir das auch nicht mehr wert. Daheim war ich im Übrigen kurz nach 3 Uhr. Viel mehr Spielraum hätte es eh nicht mehr gegeben. Die Band nehm ich daher nur mit Bedenken in meine Seen-Live Liste auf, denn das ist selbst für meine minimalistischen Aufnahmekriterein eigentlich zu wenig gewesen.

Abschließend – ich fand den Abend toll und gelungen. Preislich indiskutabel, den Rest allerdings voll in Ordnung. Vorurteil 3 des schlechten Veranstalters konnte ich direkt auch nicht bestätigt wissen. Die Ordner waren alle vollkommen okay, es gab keinen unnötigen Streß oder sonstiges dergleichen.
Das Publikum war älter was ich im Grunde nicht negativ finde. Keine Crowdsurfer oder zu agressive Drängler, empfand ich als recht angenehm. Wollte auch lobend das fernbleiben eines Moshpits erwähnen, leider gab es gegen Ende irgendwo ein kleineres Gerangel. Musikalisch in meinen Augen absolut unpassend, was aber zum Glück die Mehrzahl so empfand oder zumindest sich so verhielt.

Scheinbar gab es noch ein wenig Stunk auf den Parkplätzen auf denen wir – vielleicht doch zum Glück – nicht standen. Ein paar Sachen wurden geklaut und kindische möchtegern Hitlers mussten scheinbar noch ein Ständchen singen. Hab ich nicht mitbekommen, aber liest man so im Netz. Halt ich für dämlich, aber wie gesagt – war nicht dabei und/oder direkt betroffen.

Fazit: absolut gelungen, je nach Zeit und Geld nächstes Jahr vielleicht wieder. Tolle Sache.


Grüße:
Caro und die Pizzabekanntschaften. Seid mir nicht böse wenn ich mir aus Theressa keinen Namen merken konnte. Aber wenn ihr online zufällig sku11hun7er666, Guschii1 oder Mr.Oizo heißt, dann fühlt euch gegrüßt denn ihr seid gemeint. :p

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