Mittwoch, 4. Dezember 2013

Silent Overdrive – Wake Up Call (2009)


Frontcover

Die Sinsheimer um Silent Overdrive dürften wieder deutlich weniger Menschen kennen und auch bei mir ist es reiner Zufall, dass die kurze EP mit einer Spielzeit von gerade mal 25 Minuten den Weg zu mir fand. Ein typischer Fall von Beifang beim Abgrasen von ganzen Sammlungen für wenig Geld. Sonderlich ansprechend wirken sie rein optisch auf dem ersten Blick nämlich nicht. Ob ehrliches Understatement oder nicht, die Musik wird es zeigen…

„Reality Bites“ so der erste sozialkritische Titel welcher mit anschwellenden Gitarren aus den Startlöchern gekrochen kommt. Zusammen mit den Drums gewinnt er schön an Fahrt bis die Vocals einsetzen und sich eine Mixtur diverser Stilrichtungen abbildet. Neben der überwiegend thrashischen Schlagseite funkelt da hin und wieder ein klein wenig Hardcore durch den Refrain. Das Lied ist recht melodiös gehalten, griffig und direkt und erfüllt seinen Soll ohne aber gleich Häuser abzureißen. 6,5 Punkte
 
Vielleicht wird es ja mit dem „Wake Up Call“ besser und man legt noch eine Schippe drauf? Der direkte Einstieg lässt dies auf jeden Fall vermuten, die Geschwindigkeit wird leicht angezogen ohne allerdings Schallmauern zu durchbrechen. Man findet sich im flotten Midtempo wieder und spielt munter so vor sich hin. Der Refrain ist etwas ruhiger gehalten und hie und da wird auch versucht dem Ganzen stimmlich etwas Variabilität zu geben. Richtig clean wird dabei nichts, höchstens in Nuancen „klarer“ beziehungsweise „tiefer“ gegrowlt oder geshoutet. Der Gesang ist insgesamt leicht rau, was nicht schlecht aber auch nicht sonderlich hervorstechend ist. Aber immerhin wird hier ein wenig versucht zumindest ein weiteres Spektrum zu erzeugen. Das gelingt nicht ganz, aber beim zweiten Song hat man noch Geduld. 6,5 Punkte

Erschienen bei: MDD Records
EAN-Nr.: nicht vorhanden
Katalog-Nr.: MDD36CD

„My Decision“ werde ich nach diesem Hörgang sicherlich auch treffen müssen, im speziellen fällt mir hier aber schon nicht sonderlich viel anderes mehr ein. Auch dieser Song ist fraglos flott nach vorne gespielt und besitzt seinen Groove, ließe sich live sicherlich hervorragend spielen und zum mitbangen animieren; aber ich käme nie auf die Idee zu sagen – „Hey, ich höre mir jetzt mal My Decision an weil…?“  - weil es dafür weder Gründe für und wieder gäbe. Nicht schlecht, aber beliebig. 6 Punkte

Es scheint mir fast, als wäre die Tracklist meiner Meinung angepasst? „Ready To Fall“ schimpft sich der nächste Song und selbiges passiert auch mit dem Hörgenuss. Das Lied ist nicht schlechter als die vorherigen und könnte auch beliebig in der Tracklist verschoben werden, aber so mittig auf der EP platziert erwarte ich langsam irgendwie einen Knackpunkt oder einen Schuss Abwechslung. Die paar Sirenen in der Mitte reichen da bei weitem nicht aus. Klar ein netter Gimmick, passend auch zu Cover und Stimmung, musikalisch trägt dies aber kaum etwas bei. So sind meine Liedbewertungen auch immer auf das Gesamtalbum zu beziehen, der aktuellen Entwicklung und Stimmung. Wichtig ist es nämlich nicht nur gute Songs zu schreiben, sondern sie auch zu platzieren um sie ihre Wirkung entfalten zu lassen – denn auch dort kann man einiges schief machen. Wenn ebenbürtige Lieder gefühlt wahllos verteilt sind, beziehungsweise sie sich nicht gegenseitig zu stützen oder zu ergänzen wissen, oder aber auch ihre Verteilung sowieso egal ist – wird es immer wieder Lieder geben, welche dafür im Vergleich mehr leiden als die Anfangsstücke, denen noch eine Euphorie oder Unbefangenheit gegenüber steht. Das ist auch hier so ziemlich der einzige Grund, warum es diesmal nur noch 5,5 Punkte sind.


Die Booklet Gestaltung ist schon um ein
vielfaches spannender gestaltet als der Rest.
Schade, denn von außen finde ich,
macht die CD nicht wirklich was her...


Drei Songs stehen noch aus, „Never Safe“ ist die nächste Chance noch was zu retten – denn selbiges ist man vor meinem Urteil nie. Die kurze und potentiell prägnante Gitarrenmelodie weckt zarte Hoffnungen, aber das dann startende Geschrubbel erzählt mir nicht mehr oder weniger als die Songs davor. Nahezu null Variation in Geschwindigkeit oder Gesang und auch wenn es sich nicht anhört, als hätte ich dies Lied gerade schon gehört, hört sich aber auch nichts wirklich neu an. 5 Punkte

Wieder ein unfreiwillig schön für sich selbstsprechender Titel: „Need To Be“. Ja es needed wirklich dringend. Ich gebe jetzt schon mal 5 Punkte, tiefer kann ich unmöglich gehen, denn die Musik ist wirklich nicht schlecht, noch sind die Songs an und für sich langweilig. Aber auch auf einer kurzen EP kann man doch nicht permanent gleich klingen?! Gibt es da keine Ambitionen oder dergleichen?
Weil mir sonst nichts Besseres einfällt: ich bin froh, dass die Lyrics nicht so deutlich gesungen oder betont sind. Diese sind zwar nicht vordergründig wertungsrelevant, da müssten schon gröbere Böcke geschossen werden – aber was alle sieben Stücke gemein haben, außer dem gleich klingenden Tenor, (was konzeptionell gut, musikalisch bedingt gut ist) sind diese Reimzwänge. Und sauber und/oder schön ist das nicht immer. Zum Glück gesanglich schön umfahren, denn das hätte man durchaus noch betonen können – aber dies wäre in meinen Augen ein Desaster gewesen. Diese Zwischennotiz und Meinung sei erlaubt.
Backcover und Tracklist + Zusatzinfos
welche im Booklet nicht stehen.

So Schlussspurt: „Babylon Nation“ ist der letzte und kürzeste Track. Der hat zwar nicht wirklich einen großartigen Nachhall, aber es wird gefühlt deutlich melodiöser geshoutet und auch das wirklich kurze Gitarrensolo wird mal besser ins Rampenlicht gestellt. Warum nicht gleich so? Aber bevor man sich zu sehr freut ist der letzte Klang auch schon ausgefaded. Ob das ein Appetizer für zukünftige Veröffentlichungen sein soll? Fraglich ob dies Absicht gewesen sein soll, zumal mir der Sinn nicht ersichtlich ist – direkt am Ende aufblitzen zu lassen, sich eventuell doch noch ein wenig ändern zu können. Wie auch immer: 5,5 Punkte.


Cover:

Es ist ja wirklich nicht detailarm noch eine schlechte Idee ein Art Schattenzeichnung auf das Cover zu werfen, ich finde es nur leider extrem öde und nicht ansprechend. Würde ich durch eine beliebige Kiste unbekannter CDs wühlen, würde ich diese CD niemals anfassen, mir nicht mal die Mühe machen nach Details auf der Zeichnung zu suchen. Die CD selber sieht besser aus, ebenso die Booklet Gestaltung – aber so weit würde ich gar nicht erst kommen. Die Rückseite wirkt auf mich wie eine beliebige Hardcore Band, nein die Außeneindrücke sind echt sehr bescheiden.

 

Fazit:

Schwer zu fällen und vor allem schade. Technisch gibt sich die Band wirklich keine Blöße, auch der Sound ist ordentlich produziert und klar. Das stimmt soweit alles und auch musikalisch gefällt die Band mit ihrem modernen Thrash Metal der Einflüsse von Death Metal und Hardcore vorzuweisen hat, aber sie setzt absolut Null Akzente. Ich würde nicht mal behaupten, dass sie wie eine Allerweltsband klingt – aber sie sticht in keiner Weise hervor, steht paradoxer Weise sogar in ihrem eigenen Schatten. Ich habe nicht das Gefühl etwas Belangloses gehört zu haben, aber etwas Gesichtsloses an was ich mich aus dem Stehgreif nicht wirklich erinnern kann. Es ist und bleibt lediglich nett und die Bezeichnung „Durchschnitt“ kommt mir selbst wie eine Höchststrafe vor da doch mehr möglich wäre, aber für mehr reicht es so leider nicht. Wer Gurd und Konsarten mag, könnte mal vorsichtig vorbei schauen – lange dauert es ja sowieso nicht.


Gesamtergebnis: 5,25

Gesamtspielzeit: 25:13
Durchschnittsdauer: 3:36

Liedqualität: 5,71 (3x)
( 6,5 + 6,5 + 6 + 5,5 + 5 + 5 + 5,5 ) / 7 = 5,71
Cover: 5,63 (1x)
Cover: 3,5
Lyrics: 7/7 = 10
Aufmachung: 5,5

Abwechslung: 3,5 (1x)

Montag, 2. Dezember 2013

Slaughterfest Tour 2013 – 15ter Oktober 2013 @ Steinbruch Theater Mühltal



Ich kann zugeben unmöglich pünktlich zum offiziellem Beginn da gewesen zu sein, der Bus hielt erst vier Minuten nach Start, zuzüglich von einem Laufweg von zwei, drei Minuten war ich also mehr als nur großzügig gerundet fast, zehn Minuten zu spät was ich jetzt nicht als sonderlich tragisch erachtete. Wäre es aber gewesen, wäre ich primär für Tantara gekommen – jenen Norwegern welche für die abgesagten Exhumer einsprangen und zuletzt im im Mai im Bruch gastierten. Denn mehr als anderthalb Songs waren nicht mehr drin, was wirklich ultra kurz ist. Maximal 20 Minuten Bühnen Zeit, sofern man den propagierten Zeiten glauben kann. Das ist etwas arg kurz und finde ich auch irgendwie schwach, sind immerhin nicht irgendwelche Localheroes mit einem Anreiseweg von drei Schritten. Musikalisch kann ich daher nicht sonderlich viel dazu sagen, wobei ich trotzdem fast die Hälfte gesehen haben durfte – aber es war eben krass wenig. Daher halte man sich einfach an das obig verlinkte Review. Das könnte den Kern so ungefähr auch wieder treffen…

Nicht wirklich viel länger war dann der Auftritt von M-Pire of Evil. Das war durchaus schade, denn das von ehemaligen Venom Musikern durchwachsene Ensemble bot eine ausdrucksstarke, knorrig kratzige Show im Stile vergangener Zeiten. Von Heavy Metal ganz grob ähnlich wie z.B. Motörhead – im Sinne von dreckig, ungeschliffen bis hin zu rockigen, thrashigen, schnellen in den Speed Metal gehenden oder leicht schwarz angehauchten Passagen war eigentlich alles dabei. Die Band präsentierte sich sympathisch, musste aber wie eingangs erwähnt auch schnell wieder der nächsten Band weichen.

Die hieß Master und zockte schlichten Old-School Death Metal ohne viel Geschnörkel, dafür mit ordentlichen Gitarrensolos. Der Sound war nicht glatt poliert oder übertrieben druckvoll, kam trotzdem aber ordentlich aus den Boxen. Ich lief persönlich nicht sofort warm, dafür dann aber im Verlauf umso ärger. Die Musik war nicht sonderlich innovativ oder außergewöhnlich, aber doch recht gefällig. Eingerahmt vom netten Auftreten erspielte sich die Band viel Zuspruch und wurde hie und als heimlicher Headliner gefeiert, was sie meiner Ansicht nach auch waren. Definitiv bester Auftritt des Abends.

Da konnte Onslaught noch so stilecht mit Sirenen das Intro einläuten, drauf setzen konnten sie nach meinem Geschmack nichts mehr und der Fluss war irgendwie dahin. Kann daran liegen, dass es jetzt wieder thrashiger zur Sache ging oder aber ich die Band nicht so toll fand – ich fand nunmehr schwer den Zugang und war auch vom Energielevel her an einem Sättigungspunkt angelangt. Soweit so nett, aber hinter dem Ofen lockt mich das nicht raus.

Mir persönlich sagten an dem Abend Master und M-Pire of Evil am meisten zu, Tantara wäre sicherlich auch nicht verkehrt gewesen – aber die Spielzeiten waren heuer etwas merkwürdig kurz. Doch der Abend war ganz nett, kein Überbringer aber okay.

Sonntag, 1. Dezember 2013

[HATE]-talusicore – die Abrechnung: Permamosher oder Agrospasten mit Verhaltensstörungen



Sperrt die Schwiegereltern weg und dreht euch sicherheitshalber noch einmal um, denn jetzt werden die Klingen gewetzt und die einst mal „beste“ Szene der Welt fachgerecht zerlegt. Nach jahrelanger Erfahrung bleibt der ernüchternde Ausblick, dass die jugendliche Naivität vollkommen fehl am Platz war. Auch bei uns gibt es Schlampen, Idioten und asoziale Arschlöcher und darüber hinaus noch ganz andere Sachen. It’s HATE-Time!

Okay das ist jetzt so ein blödes Differenzierungsthema: Grundsätzlich halte ich das Gemoshe und die ganzen Auswüchse wie Circle Pit, Wall of Death für unrühmliche Auswüchse der Punk, Hard-, Metal- und schieß mich tot Core Bewegung, mir gleich wenn da auch die ein oder andere Thrash Metal Band quer schoss – aber allgemein gesehen ist das Ganze nicht wirklich Metal und hatte dort auch nicht seinen Ursprung, trotzdem bürgert es sich vermehrt ein und das ist nicht cool.

Ja moshen kann Spaß machen, den hatte ich in meinen jungen Jahren auch – aber es gab so etwas wie ein paar Regeln: a) ich will niemanden tot treten b) ich pass mich der Musik an c) ich nehme trotzdem Rücksicht auf andere usw. – heißt de facto, damals ging wirklich NIEMAND zu Boden, weil er auf dem Weg dorthin schon von drölf Dutzend Händen aufgefangen wurde und derjenige auch nicht vorsätzlich einen direkt auf die Zwölf zentriert bekommen hat.

Inzwischen springt da jeder Volltrottel mit Minderwertigkeitskomplexen rein und meint sich den Frust von der Seele prügeln zu können, immerhin hat die Band womöglich dazu angefeuert, Metal und so – oder man ist eben so was von gar nicht Metal und fängt bei Stilrichtungen zu Moshen an, wo es eigentlich allein schon bei der Überlegung es tun zu können, ordentlich scheppern sollte. Doom Metal? Black Metal? Power Metal? Ich mein was zur Hölle wollt ihr da moshen? Bei Katatonia? Spinnt ihr, verpisst euch – ich will meine Band genießen können!

Ich gehe primär auf Konzerte, allgemein als eine musikalische Veranstaltung bekannt – um möglichst viel Musikalisches mit zu bekommen und nicht um meine Krankenakte um ein paar gebrochene Knochen zu erweitern. Wer das will oder sonstige psychische Probleme hat, darf sich gerne einen Psychiater anlachen oder wahlweise ein paar Mal mit Schmackes gegen die eigene Hauswand rennen. Nicht aber behaupten, wenn ich keine Knochenbrüche will, soll ich halt daheim bleiben. Ist irgendwie ein merkwürdig verdrehtes Verursacherprinzip und „das ist Metal und kein Ponyhof“ zieht auch nicht so ganz. Ist ja mehr Punk und Hardcore, nuff said.

Es ist ja nicht so das ich per se eine Spaßbremse wäre. Wenn ein, zwei Lieder gemosht wird okay bin ich dabei – aber es gibt diese elendigen 24/7 Mosher und irgendwann hat der Spaß auch mal ein Loch. Zur Abwechslung einfach mal die Beine stillen halten und die Arme an den Körper anlegen? Windmühlen, yeah – mag ehrlich gesagt kein Mensch, raus aus der Menge und rauf auf’s Getreidefeld, möglichst weit weg von Menschenmengen.

Die Krone schießen dann noch die Violent Dancer ab – von Tänzer kann nicht wirklich die Rede sein, wenn Kampfsport gelernt wird um andere Besucher mit gezielten Kampftritten zu attackieren. Versenkt euch doch bitte wieder in den Sumpf wo ihr herkommt und hört verdammt noch mal auf alles mit „weil Metal“ zu rechtfertigen. Das ist Unsinn, FUCK YOU – Mäßigung oder Volltrottel? The coice is up to you…