Freitag, 4. Oktober 2013

Avantasia – Lost in Space Part 2 (2007)


Frontcover

Avantasia ist das Nebenprojekt des Edguy Sängers Tobias Sammet und da ich letztere circa ein Jahr zuvor für mich entdeckt hatte und als gut empfand und diverse metallische Printmedien mehr oder minder einen kleinen Hype generierten und ich damals dafür noch latent anfällig war, stieß ich unweigerlich auf Avantasia. In der CD Auslage einer Drogeriekette meines Vertrauens, lächelte mich auch kurz danach diese Scheibe an und köderte mit einem Schnäppchenpreis von gerade einmal 5,99€. Das ließ meinen Geldbeutel erleichtert aufseufzen und zudem stand dort auch noch was von sinngemäß – „ein halbes Album zum Preis von nur einer EP!“. Wenn das kein Argument ist… !!!

Im Nachhinein natürlich absolut nicht! 6 Songs von denen eines doppelt ist, ist auch nicht viel mehr als eine Single und mit Part 1 – um eben das „halbe Album“ zu vervollständigen lande ich laut Adam Riese bei 11,98€ und schon ist es eben nicht mehr so superduber preiswert. Das ändert zwar nichts an der Musik, inzwischen ärgert mich aber diese Vermarktungsstrategie und aus heutiger Sicht, hätte ich diese EP nie gekauft und wäre wenn, dann gleich auf ein komplettes Album um- bzw. erst eingestiegen.

Der langen Worte sollen Taten folgen, wir starten mit Track Nr. 1 namens „Lost In Space“.
Dieses startet sehr harmonisch mit Klavier- bzw. Keyboardklängen und kurz angeschlagenen Gitarrensound welcher allein schon vorwärts treibt, dann aber noch zusätzlich vom Schlagzeug unterstützt wird um gleich in einer Art Finale, bzw. eben den Refrain umschlägt. Das ganze wirkt einfach groß, deutet dezent Streicher und dergleichen an – kommt opulent, nicht aber erschlagend daher. Stimmlich überzeugt Sammet von Anfang an, die Nummer ist in meinen Augen aber doch sehr soft und könnte genauso gut das Label Rock denn Metal tragen. Radiotauglich? Bedingt, aber dazu gibt’s später andere Tracks welche eher hierzu heran gezogen werden könnten. Das Lied hat definitiv Ohrwurmqualitäten, setzt sich fest und ist auch angenehm zu hören, mir aber ein Ticken zu gefällig. Da wäre die Chance für wesentlich mehr Drama und Epik drin gewesen. 7 Punkte

Erschienen bei: Nuclear Blast GmbH
EAN-Nr.: 727361199128
Katalog-Nr.: NB 1991-2
Es folgt „Promised Land“ welches im Kontrast dazu gleich wesentlich flotter einsteigt und gerade vorne raus geht. Das Schlagzeug ist dezent treibend, die Gitarren ein wenig verspielter ohne aber gleich progressiv zu sein. Der Refrain ist wieder sehr harmonisch und eingängig. Der Wechsel in ruhigere Gefilde kurz vor der Hälfte tut dem Lied gut, gibt Sammet die Gelegenheit seine Gesangskunst zur Schau zur stellen und verhindert, dass das Lied sich vor dem Ende schon ausgespielt hat. Passend dazu die platzierten Gitarrensolos welche dem Lied eine weitere Schattierung geben, bevor das Stück wieder in die Ausgangsthematik findet. Das ist doch recht nett gemacht. 7 Punkte

„Dancing With Tears In My Eyes” kommt einem dann doch irgendwie bekannt vor. Richtig, das ist ein Cover von Ultravox. Ob man die kennt ist egal, das Lied wird man im Original aber sicher schon mal gehört haben. Mein Problem dabei, es ist gut gecovert – keine Frage und passt von der klanglichen Umsetzung durchaus in die Tracklist. Dennoch finde ich, dass die vorangegangene Dynamik eine andere war und dass wirkt somit auf mich unweigerlich etwas uneigenständig. Die Umsetzung ist nicht unauthentisch und wäre wahrscheinlich „ähnlich“ selbst komponiert worden, kommt der Urversion aber in meinen Augen viel zu nah. Das muss in der Regel nicht zwangsläufig schlecht sein, aber in so einer „Schnupper-EP“ will ich doch möglichst den Künstler kennen lernen und nicht Künstler, welche der Künstler kennt und gerne nachspielt.

Booklet soweit okay, wie man aber
recht sieht bzgl. Infos von Coversongs
recht spärlich...
Die Königsklasse ist es für mich, ein Lied zu covern und so zu verändern, dass man den Ursprung noch kennt aber es auch so wirkt, als hätte es der betreffende Künstler genau so auch geschrieben, wäre es seine eigene Kreation gewesen. Dann habe ich zumindest das Gefühl, dass hier nicht nur nachgespielt wird, sondern auch bewusst damit auseinander gesetzt wurde und evtl. nacharrangiert wurde. Das kann in die Hose gehen, im Erfolgsfall aber ein bestehendes Lied noch um ein vielfaches erweitern. Ich will hier auch gar nicht unterstellen, dass diese Arbeit nicht erfolgte – für mich persönlich kommt davon aber zu wenig rüber und kombiniert mit keinem super, dennoch einem durchaus brauchbaren Lied finde ich 5 Punkte fair und auch angemessen. Aber das zum Beispiel, könnte ebenfalls prima 1A im Radio laufen.

„Scary Eyes“ ist dann wieder eine Eigenkreation und erinnert mich gleich stark an Edguy was jetzt sicherlich nicht sooo verwunderlich sein dürfte. Allerdings nicht gerade in bester Manier. Ein simples Midtempo Stück welches zwar kein Reinfall ist, aber dennoch nicht wirklich was im Vergleich zu anderen Power/Heavy Metal Stücken reißen dürfte. Dafür ist der Aufbau des Songs zu gewöhnlich, zu ordinär. Eher nett, mehr aber auch nicht. 5,5 Punkte

Und nein wir sind in keiner Karaokebar, aber „In My Defense“ ist schon wieder ein Cover. Diesmal ganz ruhig und episch gehalten und hier merkt man die Individualität ganz klar an der Stimme. Diese steht hier nämlich an vorderster Front und wird nur von Klavierklängen und leisen Drums begleitet, eingerahmt in einem kleinen „Orchester“. Und von Freddie Mercury unterscheidet sich Sammet dann doch um mehr als nur Nuancen. Das ist nicht zwingend negativ gemeint, höchstens Puristen könnten etwas zu meckern haben. Wenn sie aber ehrlich sind, müssten sie sich eingestehen, dass dieses Cover standhält. Frevel hin oder her, mehr als 6,5 Punkte gibt’s von mir aber dennoch nicht.

Backcover und Tracklist
Und der sechste und letzte Song ist, hoppla – kommt mir etwas bekannt vor: „Lost In Space [Alive At Gatestudio]“. Das Unterscheidet sich vom ersten Lied nicht wesentlich außer dass vielleicht die Drums komplett fehlen, klingt aber durch einen leichten Hall irgendwie wärmer, direkter und dennoch tiefer und epischer, nicht ganz so glatt gebügelt und in Hochglanzsound verpackt. Auch das Duett geht viel besser auf und schafft einen leicht mystischen Zauber. Zudem dauert es gut 40 Sekunden länger, klingt langsamer aus und in der Stille hinaus wird noch irgendwas geredet was noch ein paar Mal hallt. Das bringt zwar dem Lied nichts mehr, schließt aber so mehr oder weniger symbolisch die EP – darf also berechtigt so sein. Da mir diese Version sogar besser gefällt, wäre es unfair und/oder gar unlogisch hier Punkte zwecks Wiederholung abziehen, aber vorsorglich habe ich dafür ja noch eine andere Rubrik. Daher mal noch 8 Punkte zum Abschluss.


Cover:

Nicht dass das Wort langsam inflationär verbraucht wird, aber auch dieses finde ich äußerst unspektakulär und nichtssagend. Die Farbe ist vielleicht ganz nett, ansonsten erinnert mich das Muster an irgendwelche altbackene Tapeten oder soll das klassisch wirken? In dem Stil ist auch das komplette Booklet aufgemacht, was sicherlich homogen und in sich stimmig ist, Fotos sind soweit auch ganz nett und okay – aber ganz großes Kino, dafür soll Avantasia laut Hörensagen u.a. stehen – ist das aber nicht. Vollkommen ausreichend, mehr nicht.

Lyrics sind zum Teil vorhanden, von den Coversongs aber leider nicht. Auch die Infos diesbezüglich finde ich etwas spärlich. Die Namen sehen mir mehr nach Rechtinhaber, denn nach Bandnamen aus. Gut ist vielleicht kleinlich, fällt mir aber unter anderem auf. Von 6 Liedern, bei denen sich 5 vom Text unterscheiden (1 & 6 wie gesagt der selbe Song) sind also 3 Texte dabei.

Als Entschädigung gibt es da aber dann immer noch einen Bonus/Multimedia Part auf der CD. Zuletzt schlugen sich hier die Scorpions mit „Humanity – Hour I“ recht schlecht, wie sieht es hier aus? Hier wird mir ein Media-Player, „The Road to Avantasia“ Studio Report und eine Slide Show / Wallpaper versprochen.

Definitiv besser, wenngleich nicht unkomplizierter! Starte ich die CD öffnet sich auf Anfrage (Autostart habe ich bewusst deaktiviert) der Avantasia Player CD Startup. Dieser ist automatisch minimiert, lässt sich nicht vergrößern oder verschieben und ist halb so breit und hoch wie der Monitor und platziert sich automatisch zentral. Er gibt mir zur Auswahl die „Audio CD“ abzuspielen oder das „Video“. Das Video ist ein Bonusvideo zum Song „Lost in Space“ und hat mit dem Studio Report absolut nichts zu tun. Eigentlich noch ein weiteres, hier nicht extra angekündigtes Bonusvideo. So lässt man sich natürlich gerne überraschen. Nur vergrößern lässt es sich partout nicht, kann also nur über den halben Bildschirm gesehen. So sieht die Auflösung aber auf jeden Fall relativ gut aus, zumal ich keinen riesengroßen Bildschirm habe. Da ich es nur halb sehe, gibt’s aber auch nur die Hälfte der Punkte. Die Lieder am PC über einen extra Player zu hören ist aber witz- und/oder sinnlos, dafür gibt’s nix zumal er mir nur den Windows Media Player öffnet um dann nichts abzuspielen?! Den Avantasia Mediaplayer wollte ich nicht installieren, hätte zwar testen können inwiefern man den auch wieder ohne Rückstände löschen kann, aber dazu hatte ich nicht wirklich einen Nerv für. Dazu hätte ich mich auch zudem noch registrieren müssen, ganz koscher schien mir das nicht. Gibt halt auch noch mal einen halben Punkt dazu, mehr aber auch nicht.

Hier die "Komplett-Lösung"
Das kann man zwar aufgrund logischer
Schlussfolgerungen finden - aber toll ist
dieser "Aufbau" auch nicht wirklich...
Aber wo ist jetzt der Rest? Wunderbar versteckt diese Viewer.exe Datei in einem extrem unübersichtlichen und verschachtelten Ordner-Labyrinth. Ich habe es zwar relativ schnell gefunden, aber gehen wir von einem absoluten Laien aus – wirklich katastrophal versteckt. Punktabzug!

Dann öffnet sich ein weiterer Player, der Avantasia Player und dieser wartet mit einigen weiteren Extras auf und kann zudem maximiert werden! Zum einem eine Biographie (About) auf Deutsch ;p – vier Bildern als Hintergrund Menü, 3 Wallpappern in 3 verschiedenen Auflösungen 1024x768, 1280x1024 und 1600x1200 – den 7 minütigen Studioreport und eine ungefähr 4 Minuten dauernde Slideshow. Dazu gibt es Weblinks zur Bandhomepage und zu Nuclearblast, lustigerweise sogar eine FAQ mit Anleitung wie man verschiednes bedient. Updaten auf neuere Bilder und dergleichen soll man dies auch können ABER – „Du musst den Player erst von der CD auf deiner Festplatte installieren, um die ausgeblendeten Optionen einstellen zu können“ – sprich Screensaver funktioniert ohne Registrierung und Installation nicht, Update auch nicht? Zumindest finde ich sonst nichts, was von alleine funktionieren würde und die FAQ hat mich da hingeleitet. Irritierend auch hier der Player der offensichtlich ebenso Songs abspielen sollte, mir aber immer meldet „Keine CD eingelegt“ – aber worüber sonst habe ich das hier gestartet?

Es gibt viele gute Ansätze, manches ist auch gelungen und durchdacht – aber so ganz zuverlässig und unkompliziert funktioniert das auch wieder nicht.


Fazit:

Musikalisch geht die CD durchaus in Ordnung, nichts umwerfendes aber auch nicht schlechtes – nur die schon erwähnte Vermarktung geht mir auf die Nerven. Was einem hier groß als billiges Halb-Album verkauft wird, ist im Endeffekt nichts anderes als eine Single-Auskopplung. Dreimal darf geraten werden, was nämlich im nächsten Album „The Scarecrow“ in der Tracklist ebenfalls vertreten war? Richtig, das Lied „Lost in Space“ welches hier zwei Mal vertreten war, dazu noch 2 Coversongs – ergo ganze zwei (2!!!) neue Songs auf einem Halbalbum? Auf der Lost in Space Part 1 ebenso vertreten – Überraschung: „Lost in Space“. Warum also bitte nicht ein Lied auf ein Album und zwei EP’s verteilen? *Ironie off*

Der Bonuspart ist ansehnlich, ich würde ihm auch nicht mal vorwerfen lieblos zu sein, dafür steckt doch zu viel dahinter. Aber schlampig ausgearbeitet und soweit ich weiß auf Part 1 ebenso enthalten. Dort gibt es auch noch 2 Coverversionen, mehr oder minder ein Interlude und somit auch nur zwei neue Songs. Ich finde das ehrlich gesagt nicht gerade fanfreundlich und auch nicht nachahmenswert. Meine ganz subjektive Meinung. Musik okay, Rest und das Umfeld definitiv nicht!

PS: Ich schieb das jetzt auch einfach in die Sparte „Rock“.


Gesamtergebnis: 5,68

Gesamtspielzeit: 24:45
Durchschnittsdauer: 4:08

Liedqualität: 6,50 (3x)
(7 + 7 + 5 + 5,5 + 6,5 + 8) / 6 = 6,50
Cover: 5,42 (1x)
Cover: 4,5
Lyrics: 4/6 = 6,67
Aufmachung: 4
+ Bonusvideo 1
- nur minimierte Ansicht 0,5
+ Media Player 0,5
- Registrierung notwendig 0,5
+ Studioreport 1
+ Slideshow 1
+ Wallpaper 1
+ Anleitung 1
- schwer zu finden 2
- nicht ganz fehlerfrei 0,5 = 6

Abwechslung: 4,5 (1x)
- störende mehrfache Wiederverwertung! 1 = 3,5*

Samstag, 28. September 2013

[HATE]-talusicore – die Abrechnung: Crowdsurfer oder … kommt vor dem Fall!



Sperrt die Schwiegereltern weg und dreht euch sicherheitshalber noch einmal um, denn jetzt werden die Klingen gewetzt und die einst mal „beste“ Szene der Welt fachgerecht zerlegt. Nach jahrelanger Erfahrung bleibt der ernüchternde Ausblick, dass die jugendliche Naivität vollkommen fehl am Platz war. Auch bei uns gibt es Schlampen, Idioten und asoziale Arschlöcher und darüber hinaus noch ganz andere Sachen. It’s HATE-Time!

Crowdsurfing macht Spaß, ist toll und will vielleicht jeder schon mal erlebt haben und habe ich auch schon einmal gemacht, allerdings nicht aus Spaß sondern weil es keinen schnelleren Weg Richtung Sani Zelt gab, nachdem ich bei Amon Amarth mehrfach niedergetrampelt wurde…

ABER! Es geht tierisch auf die Nüsse, wenn permanent einem dreckige Stiefel in den Nacken klatschen. Man kann sich 0, aber auch wirklich Null auf die Musik einlassen wenn gefühlt alle 20 Sekunden der nächste Surfer ankommt und erwartet, dass ich diesen jetzt hebe und achtsam weiterreiche, nachdem ich schon gefühlt einen blauen Kopf habe von den achtsamen Stahlkappenküssen.

Differenziert betrachtet – es wäre ja okay, wenn jeder einmal surft – wobei nein jeder wäre nicht okay. In der Regel lassen sich mit Vorliebe die fettesten und schwersten Typen tragen. Klar die wollen auch Spaß, aber ich auch und den habe ich nicht wenn andauernd ein Vierfaches meines Körpergewichts sich über meinem Kopf walzt. Noch sympathischer wird es, kombiniert mit verschwitzt und Trommelwirbel – Oberkörperfrei. Das ist ekelhaft und will ich nicht anfassen müssen, noch will ich, dass es mich unweigerlich berührt. Das ist nicht Etepetete, das ist Fakt und kumuliert mit der Maße an Hobbynudisten ist die Bezeichnung „nervend“ mehr als nur beschönigende Blümchensprache.

Und Maß nehmen kann man derweil auch nicht. Einmal und gut ist, man war dabei? Neeeein, der stinkende, verschwitzte und stellvertretende Fettsack muss ja gleich – nein wir fangen doch nicht bei zwei oder drei Mal an – er muss 10, 15, 20 mal Crowdsurfen, immerhin will er den anderen ja ausdrücklich die Laune vermiesen. Und „Spielverderber“, „Gehört auf einem Festival halt dazu“, „Wir sind auf keinem Ponyhof“ Sackratten können mir mal einen nuckeln! a) ist das eine von vielen Punk „Innovationen“ und nicht Trve Metal (auf ordentlichen Black Metal Konzerten wird man dafür hoffentlich standesgemäß gepfählt) – b) was soll der Scheiß? Ich will ein Konzert sehen und nicht eure ungewaschene Stiefel.
Ich habe keine Lust dauernd nach hinten schauen zu müssen um nicht vom nächsten Schlag überrascht zu werden, ich habe keine Lust mich dauernd wegzuducken, weil ich noch weniger Lust hab euch zu tragen. Ich hab keine Lust dass permanent meine Shirts kaputt oder zumindest dreckig wegen so einem Unsinn werden, ich hasse euch alle einfach FUCK YOU!

Als Frau würde ich mir das Crowdsurfing je nach Publikum auch zweimal überlegen – mehrfach beobachtet wie diese zufällig umgedreht/geworfen wurden und dann war die Brust wohl lange Zeit Jungfrau gewesen… primitiv erbärmliches Pack!

Und wäre es nicht ganz so gefährlich und asozial, ich würde 90% der Surfer am liebsten fallen lassen. Zumindest kann man sich mit Schlägen noch oben für Stiefeltritte revanchieren oder zufällig die Surfer nach unten zerren welche dann pisst sind, aber das ist mir scheiß egal – euch war es ja auch scheißegal und weil’s so schön ist und nach Platz da. Noch mal: FUCK YOU!

Mittwoch, 4. September 2013

Marilyn Manson – Born Villain (2012)


Frontcover

Marilyn Manson – wenn er nicht gerade Beziehungskrisen durchlebt und sich mit Sido zofft, macht er auch noch Musik. In mein Bewusstsein kam er schon sehr früh, war er doch auf dieser ominösen Festplatte welche wesentlich meinen Musikgeschmack prägte auch vertreten. Neben „Disposable Teens“, „Tainted Love“ und „The Nobodies“ hatte es mir vor allem das brandneue „This is the New Shit“ angetan. Das hatte einen aggressiven Smooth und war mit in meinem jungen Alter schon beschämend frech - „Sex Sex Sex“ – huch war das pöse. Danach verlor ich ihn komplett vom Schirm, ein paar bekanntere Songs schnappte man hier und dort natürlich auf, aber es interessierte mich nicht weiters und war auch nicht musikalisch unbedingt überschneidend. Bis eben meine Freundin plötzlich vermehrt Manson hörte und mich das neueste Album Anfang des Jahres unverschämt billig vom CD Regal aus anlachte. Wer kann denn so herzlos sein und da vorbei laufen?

„Hey, Cruel World...“ fängt mit einem undefinierbarem, ratternd-rollendem Geräusch an. Der Song baut sich langsam auf, gemütliche Hi-Hat und Crash-Becken(?) Schläge setzen ein, ebenso der Gesang. Hier hätte ich mir schon mehr Stimmung oder Verzweiflung gewünscht. Das Lied gewinnt an Fahrt und hat auch ansatzweise so etwas wie ein Wiedererkennungseffekt, wirkt auf mich aber ein wenig zu schal und zu wenig ansprechend und mitziehend, vor allem wenn man bedenkt, dass dies der Opener sein soll. Eigentlich ist nach der Hälfte alles durch und keine Luft mehr nach hinten. Finde ich nicht so glücklich. 5 Punkte

Eschienen bei: Hell, Ect. / Cooking Vinyl Ltd /
Universal Music Domestic Rock/Urban
EAN-Nr.: 0602537005994
Katalog-Nr.: 0602537005994
„No Reflection“ lässt sich Zeit und „geräuscht“ ein wenig im Hintergrund, kommt dann aber sofort mit einem extrem eingängigen und coolen Beat daher, welcher eigentlich komplett vom Schlagzeug dominiert wird. Das groovt und darauf kann man auch wunderbar tanzen, feiern oder was auch immer man möchte. Im Mittelteil tritt die Stimme ein wenig nach vorne, es wirkt prägnanter und betonter und wird perfekt von eben genau dem Beat darin unterstützt. Das gefällt schon viel mehr und hätte eigentlich Mindeststandard für eine Eröffnung ins Album sein sollen. Wiederholt sich zwar recht viel, kann sich Qualitativ in der Länge noch gut tragen. 7,5 Punkte

Es scheint wohl Gang und Gebe zu sein, die ersten Sekunden – hier fast eine geschlagene Minute lang – eines jeden Liedes mit komischen Geräuschen zu starten, raubt dem ganzen Album aber in meinen Augen irgendwie den Fluss und finde ich schon ab dem dritten Lied als leicht störend. „Pistol Whipped“ fängt dann recht ruhig an, das nachwispern hat einen leicht gestörten Geschmack – ansatzweise stark wird das Lied meiner Meinung nach aber lediglich im Refrain. Da tritt Manson mit Macht aus dem Schatten, die Stimme klingt lauter und kräftiger – das ganze Lied wirkt harmonischer und runder. Ansonsten klopft es nur harmlos vor sich hin, Highlight ist noch maximal die verzerrte Gitarre die mal wirklich plötzlich vor dem Refrain ertönt. Sonst ist alles leider alles recht vorhersehbar. 6 Punkte

Im vierten Track „Overneath The Path Of Misery“ geht mir die „Stille“ dann schon langsam arg auf die Nerven, wenn ich meine Anlage nicht gerade voll aufdrehe höre ich die ersten 13 Sekunden praktisch nichts und da das irgendwie eine Art „Konzept“ zu sein scheint und kein klassischer Ausrutscher ist – gibt’s hier erstmals 3 Strafsekunden! Danach „spricht“ er irgendwas flüsternd, wispernd – damit nach gut einer Minute Gitarre und Schlagzeug einsetzen. Das Lied klingt ziemlich harmlos und irgendwie fehlt mir einfach der Biss. Eventuell ist dieser in den Lyrics beinhaltet, aber dazu gibt es später noch was zu sagen. Belanglose 5 Punkte

Erfreulicherweise startet „Slo-Mo-Tion“ direkt. Als wäre das nicht genug Grund zur Freude reißt der Beat schon ein wenig mehr, während ich mich weiterhin verzweifelt frage, in welche musikalische Schiene ich das Ganze überhaupt stecken soll. Elektronische Beats und Spielereien hier, vereinzelte aber harmlose Gitarren dort. Die Melodie ist harmonisch, der Gesang aber irgendwie auch. Ansatzweise schräg, aber nicht verzweifelt oder durchgedreht genug. Wäre die Stimme nicht doch so prägnant in der Klangfarbe, sondern ein klein weniger glattgebügelter und der Sound ebenso, könnte dies problemlos im Radio laufen. Da es, wenngleich eine minimale, dennoch eine leichte Steigerung ist. 5,5 Punkte
Booklet....
Ne, irgendwie doch nicht und das finde ich
ehrlich gesagt vor allem bei einer
limitierten Ausgabe ganz schön frech... !!

„The Gardener“ hat mal wieder ein Flüsterintro und einen simplen Snare-Tom-Snare-Tom Beat, klingt zumindest so. Dazu wird eine Art Geschichte erzählt und zwischendrin gesungen. Es ist zu gefällig, könnte vorsichtig in die Gothic Rock Ecke gehen, in der Art der Umsetzung aber nicht wirklich das, was ich erwarte wenn ich mir Manson anhören will. 5 Punkte

Nach der allseits beliebten Stille rauscht „The Flowers Of Evil“ wieder lange vor sich hin und lässt sich auch viel Zeit im Aufbau. Nicht dass dies von Nöten wäre, es ist einfach so. Auch hier ist wieder alles sehr minimalistisch gehalten, der gedämpfte Gesang bockt kein bisschen, zumal die Gelegenheit eines plötzlichen Dynamikwechsels, einem richtigen „Ausbruch“ vollkommen ignoriert wird. Auch zwischendrin wie gewohnt keine Überraschungen oder große Progressivität. Wenn irgendetwas kurz anders quäkt, ist das Maximum schon erlebt. Und auch von der Geschwindigkeit ungewohnt langsam. Die Aufmerksamkeit geht langsam echt weg… 4,5 Punkte

Wahrlich verschachtelt wirkt da im Vergleich schon das drauf folgende „Children Of Cain“. Ein paar Zwischentöne mehr durfte der Beat haben. Gut ist hier schon die aufkommende Stimmung, hier schwingt etwas Bedrohung mit und reißt mich sofort aus dem Halbschlaf. Manson klingt endlich mal wieder verzweifelt, so sadistisch sich diese Forderung und Wunsch anhören mag. Aber endlich mal wieder ein Hauch Spannung welche sie sogar leicht zum Bogen biegen lässt. Der Aufbau mit Vollendung in der höheren Stimmlage ist doch schon etwas. Hätte ich mir extremer zwar noch  besser vorgestellt, aber ich bin ja froh, wenigstens einen Finger gereicht zu bekommen. 7,5 Punkte

Jetzt wird nicht geflüstert, sondern mehr gehaucht – willkommen bei „Disengaged“. Es ist ´ja schön, dass jeder Song irgendwie wieder bei Null anfängt und somit „neu“ klingt. Aber ich hätte mir eine Verbindung zum vorherigen durchaus gewünscht um nicht wieder in den gleichen Trott zu fallen. Der Refrain ist zwar relativ stumpf, blitzt aber immerhin zaghaft mit Dynamik auf. Nur dieses Ha-ha-ha-ha geht auf Dauer nicht. 5,5 Punkte

Gitarren schön - „Lay Down Your Goddamn Arms” fängt mal wieder besser an. Und hier reißt endlich der Refrain mal wieder etwas mehr. Die Melodie geht gut ins Ohr und hat etwas von diesem, traurig, schleppend, schwelgendem was ich eigentlich sehr mag. Zumindest ansatzweise wenn auch nicht voll ausgefahren was das Potential anbelangt. Der Rest des Songs wiederholt sich ziemlich oft mit immergleichen Worten, bildet damit aber einen leichten Kontrast den man wohlwollend als gewollt bezeichnen kann. Ach ich bin heut einfach mal wohlwollend. 6,5 Punkte

Noch tiefere Gitarren, sogar relativ flott wirbelnde Drums. Hoppla „Murderers Are Getting Prettier Every Day” man wagt es kaum zu sagen, wirkt aggressiv. Und das ist mehr als wohltuend. Keine oder nur kaum Elektrogesülze, dafür mal ein schön nach vorne preschender Song. Zwar lässt die Ausdauer zwischendurch leicht nach, aber dafür gibt es zur Entschädigung noch richtig flotte Gitarrensolos. Das ist fast schon richtig gut. 7,5 Punkte
Backcover und Tracklist
Von vorne und hinten wie gesagt sehr schick,
innen auch aber irgendwie sehr kahl...

Das Namengebende „Born Villain“ ist wieder deutlich ruhiger und entspricht dem Grundschema bereits gehörter Songs. Würde er nicht dauernd so gräuliche Zeilen singen und am besten Schweigen, die Drums weniger Wucht haben – könnte ich mir das Grundthema gut als Loungemusik vorstellen um mal wieder repräsentativ ein Grundproblem des Albums anzuschneiden. Da diese nicht ganz unterirdisch klingen würde, halte ich 6 Punkte für angemessen.

„Breaking The Same Old Ground“ ist der letzte reguläre Track, diesmal wird eine Spieluhr aufgezogen und das klingt schon gleich gruseliger als der ganze Rest des Albums. Das Lied ist ziemlich langsam und ruhig, hat aber im Refrain eine gewisse Tiefe und trifft bei mir den richtigen Nerv. Das klingt wieder etwas verzweifelter, von der Realität entrückt und auch das Geflüster wirkt diesmal wohl platziert denn zufällig. Der „I am“ Schrei gegen Ende sitzt, hier läuft einfach wieder mehr zusammen, mit leichtem Vorsprung stärkster Song des Albums. 8 Punkte

Als Bonus gibt es „You're So Vain“ zusammen mit Johnny Depp, welchen man aber vergeblich stimmlich hören wird. Dieser steht lediglich an der Gitarre. In meinen Augen gehört der ebenso auf die reguläre Version um diese aufzupeppen, denn der Song hat ordentlich Groove, einen eingängigen Refrain mit Ohrwurmcharakter, ausreichend Schlagzeug und Gitarre und ist ein mehr als nur versöhnlicher Ausklang. Der Beat ist zwar simpel, geht aber recht gut auf und versöhnt ebenfalls noch mit 8 Punkten.


Cover:

Unspektakulär, fast schon enttäuschend harmlos wenn man bedenkt, was Manson schon für provokante Bilder präsentiert hatte, wenngleich man diese wohl kaum mehr erwarten kann und sollte? Ein Selbstbildnis, halb im Schatten in leicht Türkisfarben gehalten. Das geht so, mehr aber nicht.

Die Aufmachung, sieht in der Tat schick aus – von vorne und hinten gibt es absolut nichts zu meckern, das sieht hochwertig aus – aber der schein trügt! Innen ist bis auf ein weiteres belangloses Bild alles einfach schwarz kartoniert. Booklet? Fehlanzeige, dafür netterweise einen Hinweis auf eine Homepage wo es die Lyrics alle geben würde. Das ist nicht mal mehr ausreichend und in der heutigen Zeit doch ganz schön frech. Zur Anmerkung, ich habe hier sogar die limitierte Edition! Natürlich gibt es vom Bonussong online auch nichts und wer kann mir bitte heute noch garantieren, dass morgen das Ganze immer noch online steht, zumal – was wenn ich kein Internet hätte? Ganz miese Aufmachung…


Fazit:
Leider enttäuschend, optisch ein Blender und inhaltlich auch nicht wirklich das, was ich mir unter Manson vorgestellt hatte. Die Aggressivität ist fast gänzlich verschwunden und das Problem ist nicht, dass das jetzt soft klingen würde – sondern schlicht und ergreifend nur noch banal. Mag manch eine Spitze im Text stecken, kann ich sie nicht ohne weiteres nachlesen aber selbst da kenne ich besseres von ihm. Auch emotional viel zu harmlos, kein Wahnsinn, keine Gefühlspassagen nur zaghafte und viel zu schwache Lautmeldungen. Einfach kein Drama mehr. Da reißen die paar wenigen brauchbaren Songs kaum was mehr aus. Das Album klingt auch nur ungewollt wie aus einem Guss, die vielen Pausen und mühsamen Neustarts nach fast jedem Song verhindern erfolgreich das Gefühl einer Homogenität – viel mehr wirkt es so dadurch, dass es kollektiv öde ist. Um nicht falsch verstanden zu werden, es ist kein Totalausfall und ich höre mir das Ganze auch gerne an, aber mehr so beim Heimfahren im Zug nach Feierabend, als Nebenher und selten wirklich überzeugt weil es mich jetzt total vom Hocker reißen würde. Vielleicht hätte ich dem Album mehr Zeit geben sollen, aber nach fast einem dreiviertel Jahr (was ja für mich echt schon erstaunlich schnell ist) und gut einem Dutzend Durchläufe, bezweifle ich leider sehr, dass da noch viel wachsen würde. Ich hatte Manson früher anders kennen gelernt. Da hatte er noch irgendwie Eier und diese dürfte er auf diesem Album vergeblich suchen.


Gesamtergebnis: 5,75

Gesamtspielzeit: 63:25
Durchschnittsdauer: 4:32
= doppelte Wertung für Song 4

Liedqualität: 6,25 (3x)
(5 + 7,5 + 6 + 4,95* + 5,5 + 5 + 4,5 + 7,5 + 5,5 + 6,5 + 7,5 + 6 + 8 + 8) / 14 = 6,25
Cover: 4,00 (1x)
Cover: 6
Lyrics: 0/14 = 0
Aufmachung: 3
+ Digipack 1 = 4

Abwechslung: 6,0 (1x)


*Strafe für zu lange Pausen bei Song 4:
3sec werden im Verhältnis mit 0 Pkt. bewertet, restlichen 316sec mit 5 Pkt.
Ergibt eine Gesamtpunktzahl von 4,95