Dienstag, 4. Juni 2013

Satyricon – Now, Diabolical (2006)



Frontcover
Heuer begrüßen uns Satyricon aus Norwegen, neben Schweden das Mutterland des Black Metals. Damals kannte ich von dem Duo eigentlich nur das bekannte „Mother North“ und wurde von dem auf diesem Album enthaltenem „K.I.N.G.“ angefixt. Das hat mit dem klassischen Black Metal nicht mehr viel gemein, aber der Reihe nach.

Der Opener hört nämlich wie das Album selbst auf den unheilschwangeren Namen „Now, Diabolical“. Schwere Gitarren und gemäßigte Drums setzen ein um dann ein wenig an Tempo zu gewinnen und dieses größtenteils gleich zu behalten. Große Dynamik wird hauptsächlich über den Gesang erzeugt der sich im Regelfall durch rhythmisch ausgespiene Halbsätze auszeichnet. Als hundert Prozent Clean würde ich die Vocals nicht einordnen, dennoch sind sie überraschend gut zu verstehen und fern von typischen Black Metal Screams oder herben Growls. Am stärksten finde ich den sehr gelungenen Refrain, welcher sich schön aufschaukelt und bei Namensgebender Textzeile in langgezogenen Gitarrenklängen löst. Der Song ist insgesamt gesehen sicher nicht einfach, mitunter sperrig aber in den entscheidenden Stellen eingängig. Sei es durch den leicht wieder erkennbaren Refrain oder die aggressive Intonierung, welche mehr boshaft denn kopflos rasend daher kom
mt. 7,5 Punkte

CD-Oberfläche mit einer Gold-gelben Farbe beschichtet,
ansonsten ein sehr farbenfrohes Bild in der Mitte

Erschienen bei: Roadrunner Records
EAN-Nr.: 016861806224
Katalog-Nr.: RR 8062-2
„K.I.N.G.“ startet mit diesem wunderbar surrenden Gitarrenspiel und der klopfenden Snare, welche ihr Tempo ebenfalls straigt eine Minute durchhält, während das Drumherum geradezu anschwillt. Und spätestens jetzt sollte man sich von dunklen, mittelalterlichen Zeiten und Co. verabschiedet haben. Keine Ahnung ob der Begriff „Black’n’Roll“ schon inflationär verwendet wurde, bei einem gut 7 Jahre zurückliegendem Album kann dem gut der Fall sein – aber allein dieser Song ist wunderbar stellvertretend dafür um zu sehen wohin die Reise geht. Der Song ist kurz und knapp gehalten und kommt gleich auf den Punkt was wieder allein durch die Lyrics unterstrichen wird. Wie plakative Schlagwörter werden sie abgehackt auf den Tisch geschmettert. 8,5 Punkte

Wenig innovativ der Titel des nächsten Songs „The Pentagram Burns“ der kompakter aus den Löchern kommt. Der Sound ist homogener, breitflächiger – nicht im Sinne von schwebend, aber nicht so diffizil ausgebreitet oder ein Instrument gegenüber dem anderen hervorgehoben. Die Saitenfraktion konkurriert nicht mit dem Schlagwerk, sie bereiten gemeinsam den Weg aus, welchen Satyr ungemein ernst und spaßbefreit nutzt. Viel mehr als drei bis fünf Silben spuckt er auf einmal kaum aus, Pause, nächster Brocken. Ich weiß nicht ob ich dies zwangsläufig als böse bezeichnen würde, auf jeden Fall aber als kalt mit einem Hauch Verachtung. 8 Punkte

Geschmackssache: Der ganze Text steht zusammenge-
quetscht am unteren Rand, der Refrain bzw.
prägende Stelle nochmal in Groß in der Mitte
Das sich diese legen könnte, verneint schon allein der Titel: „A New Enemy“. Im Hintergrund anfangs fast schon gesungene Passagen und Gemurmel, währenddessen trommelt Frost stur geradeaus. Das vermittelt wunderbar dieses Gefühl der stetigen Steigerung, welche natürlich auch nach kurzer Zeit hervorbricht. Das funktioniert so gut, dass man sich dieses Effektes auch ein zweites Mal bedienen kann, indem man wieder zur Ausgangsstimmung zurückkehrt und dabei vermehrt Atmosphäre erzeugt. Der Song bietet genug Spielraum für weitere Ausflüchte dieser Art und auch ein kurzfristiger Stopp mit sofortigem Wiedereinsatz tut dem keinen Abbruch. 8 Punkte


The Rite Of Our Cross” tut genau das Richtige. Es startet mit einer gänzlich anderen Stimmungslandschaft, wesentlich ruhiger und mit mehr Einlaufzeit, bevor auch hier die Zügel angezogen werden. Hier gefallen mir leider die beschleunigten Parts nicht so ganz, sie wirken auf mich etwas zu chaotisch, zu ziellos bzw. zu gewollt nach vorne dreschend. Ist sicher Ansichtssache, zumindest aber meine Meinung. Warum der Song dennoch kein wirklicher Reinfall ist? Weil eben besagter Anfang genau zur richtigen Zeit im Album die Abwechslung brachte, die von Nöten war und auch zwischendrin immer mal wieder das Tempo raus nimmt um ein unheimlich, beschwörendes Szenario zu erzeugen was im Ansatz auch funktioniert. 6,5 Punkte

Da werden sich zumindest die Lampenhersteller freuen oder „That Darkness Shall Be Eternal" wie Satyricon meinen. Hier wird wieder indirekt am vorletzten Lied angeknüpft und direkt auf den Punkt gespielt. Die Bezeichnung Soli wäre jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, aber hier bekommen die Gitarren langsamere Zwischenräume und auch mal die Möglichkeit etwas aus dieser dreckig, schweren Stimmung zu machen. Das nimmt dem Ganzen zwar etwas Schub, verleiht aber d7 Punkte
afür mehr Tiefe und Abwechslung.

Backcover und Tracklist
Unmittelbar und ohne Pause stürzen wir ins „Delirium“ das sich auch erst mühsam aus dem Bett wühlen muss. Ohne sonderliche Eile spielt es vor sich hin bis auch die Vocals einsatzbereit sind. Zwar erhöht sich damit auch die Schlagzahl, eine gewisse Schwere bleibt aber am Lied hängen. Der Refrain hat etwas sehr repetitives, dem Delirium Schrei folgen stets ein paar unterdrückt gemurmelte Worte und irgendwie passt all dies zusammen gut ins Konzept. Die Schläge sind wuchtig, die Riffs teilweise langsam und schwer und eilig hat es niemand. 7 Punkte

Den Abschluss bildet „To The Mountains” und gleichzeitig auch das längste Stück des Albums. Die Gitarren sind hier wieder sehr schwerfällig und drückend, einzelne Wörter werden fast stoisch vorgetragen um mit einem „To The Mountains“ aus der Starre gelöst zu werden. Im Hintergrund setzt streckenweise dezenter Doublebase als Hintergrundbegleitung ein, ohne das gemäßigte Tempo und die Stimmung groß zu beeinflussen. Das Wort zermürbend wäre vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber die Aggressivität wurde ein wenig zurückgefahren. Der Song ist mal ausschweifender, nicht auf das wesentliche getrimmt was Licht und Schatten zugleich ist. Was auf der einen Seite und vor allem gegen Ende des Lieds durch mehrmalige Wiederholung an Atmosphäre gewinnt, hat zwischendurch leider kleine Längen. Das fällt nicht großartig negativ ins Gewicht, sie sind aber definitiv vorhanden. Am Schluss fadet das Lied unspektakulär mit einem schwirrenden Klang aus. 7 Punkte

Cover:
Symptomatisch für das Album: schlicht gehalten und auf das wesentliche reduziert. Ein unpeinlich Gehörnter im Stile in Stein gehauener Götzen, unspektakulär in Grau gehalten. Der Schriftzug der Band vergoldet, ebenso das kleine, umgedrehte Kreuz am unteren Rand. Nicht die Welt, aber doch sehr zweckdienlich. 6,5 Punkte



Lyrics sind alle vorhanden, ebenso die notwendigen Infos was Studio und Co angeht. In diesem Bereich daher zu Recht die volle 10 Punkte. Gestaltet ist dies sehr minimalistisch, jeglicher Text befindet sich im unteren Achtel jeder Seite. Das ist etwas arg klein, aber immer noch leserlich und daher voll ausreichend. Der Hintergrund ist schwarz und mit braunen Zeichnungen und Symbolen versehen. Das ist praktisch nicht zu erkennen, aber nicht weiter schlimm. Im Blickwinkel stehen die jeweilige Refrains bzw. Schlüsselstellen des jeweiligen Liedes, welche groß geschrieben, kurz angerissen sind in Ockerfarben, sofern mein gefährliches Halbwissen bzgl. des Farbkreises hier stimmt. In der Mitte noch ein großes, scharfes Bild der Band im flammenden Inferno. Das sieht zwar cool aus, ist aber typisch too much. Die CD Beschichtung ist ebenfalls Gold/Ocker, somit konzeptionell eine runde Sache. 6,5 Punkte


Fazit:
Das Album ist nicht eingängig, aber auch nicht zwangsläufig so kompliziert wie es Alben sind, welche man normalerweise mit solch Phrase entlassen werden. Die Produktion ist sehr gut gelungen, klar und doch rau und schroff geblieben. Nicht glatt gebügelt, aber auf keinen Fall unsauber. Die Stimmung des Albums ist drückend, beschwerend und kalt. Nicht im depressiven Sinne, sondern mehr aus einer fiesen, direkten und ungeschönten Ecke. Die Abwechslung ist vorhanden, lässt gegen Ende aber etwas nach. Zwar wäre eine gleiche Fortführung der starken Anfangslieder langweilig gewesen, so aber geht der Druck nach hinten aus. Das ist knapp unter gut, aber noch vollkommen in Ordnung. Black Metal Anleihen sind vorhanden, sie stehen aber nicht im Vordergrund. Das hier ist irgendwie anders, unverbrauchter und sollte auf jeden Fall mal Probe gehört werden!




Gesamtergebnis: 7,24

Gesamtspielzeit: 44:50
Durchschnittsdauer: 5:36

Liedqualität: 7,44 (3x)
(7,5 + 8,5 + 8 + 8 + 6,5 + 7 + 7 + 7) / 8 = 7,44
Cover: 7,38 (1x)
Cover: 6,5
Lyrics: 8/8 = 10,0
Aufmachung: 6,5
Abwechslung: 6,5 (1x)

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