Mittwoch, 6. November 2013

Witching Hours Over Europe - Tour 2013 – 02ter Oktober @ Steinbruch Mühltal



Als ich nur davon hörte, dass Saturnus in der Nähe spielen würden, freute ich mir erstmal einen Ast ab und reservierte mir diesen Tag als freien Tag schon gefühlt 2 Monate vorher. Ihr „Veronika Decides to Die“ Album gehört für mich zu einer der besten Alben überhaupt und generell macht die Band keine schlechten Lieder.

Mir war vorab bewusst, dass sie nicht Headliner sein würden – hoffte aber immerhin, sie würden den Co-Headliner Slot inne haben. Dem war leider nicht so und folglich wurde ich echt auf dem berüchtigten kalten Fuß erwischt. Hatte mir gerade gemütlich eine Maß Laternchen geordert und wollte mir schon einen Hauch von Trunkenheit zuführen, ein Zustand indem ich Saturnus viele, viele Nächte zelebriert und durch- und mitgelitten hatte; aber da standen sie schon auf der Bühne und ich hatte dieses unkommode, schwere Glas in den Händen und war innerlich noch gar nicht darauf eingestellt und/oder bereit.

Nach einer ungewohnt langen Latenzzeit von fast 1,5 Liedern hatten sie mich dann aber gepackt und ließen die Härchen auf dem Arm die La-Ola-Welle machen. Denn was die Band auf jeden Fall hat, ist eine unglaubliche Atmosphäre welche sie auch fast 1:1 live abrufen konnte. Seien es die verhalten, gegrowlten Parts und die gesprochenen, es saß einfach alles und wirkte nahezu identisch wie gewohnt und oder erwartet. Und vor allem die Titel des obig erwähnten Albums waren für mich die absoluten Highlights. Die anderen Tracks waren zwar nicht schlecht, aber dies war die berüchtigte Portion extra Sahne auf der Torte. Im Anschluss wollte ich mir sofort auch das neuste Album zulegen, welches ich noch nicht in meiner Sammlung weiß – leider gab es dies nur in der ordinären Version mit dem Hinweis, dass das Digi-Pack wohl ausverkauft sei. Dank Internet konnte ich es mir aber dennoch für ein Vermögen unter die Nägel reißen. Aber dies war in der Tat mein Headliner und die Pflicht war erfüllt, es folgte die Kür. Nur die Tatsache, dass sie als Opener und vor allem so unverhofft ran mussten war der einzige Wehrmutstropfen, sonst hätte ich nicht nur schwelgen, sondern auch gleich schmelzen können.

Es folgte Dordeduh, unter anderem verbandelt mit Negură Bunget welche ich zwar schon ein paar male „gehört“ bzw. gescrobbelt hatte, nicht aber wirklich klanglich vor Augen oder in den Ohren habe. Und was sie boten war – sehr interessant um es mal diplomatisch auszudrücken. Da gab es zum einen Parts, die waren dermaßen übergeil, gingen mit Volldampf nach vorne und ließen mir den Mund vor Begeisterung offen stehen, metaphorisch natürlich – tatsächlich war er in akuter Bewegung um dann irgendein progressiven Müll dazwischen zu dudeln der so was von gar nicht zusammen ging und nichts anderes als der musikalische Coitus Interruptus! Um nicht falsch verstanden zu werden, ich habe absolut nichts gegen progressive, anspruchsvolle Elemente oder flotte Wechsel der Stimmungen – aber wenn es schon keinen Übergang gibt, sollten sie dennoch irgendwie zusammenhängen und nicht wie weiter geskiptp wirken. Es gab zwischendrin immer wieder Passagen wo ich mich echt wunderte, was dies jetzt bitte sein soll und vor allem warum und meine Tätigkeiten auch unterbrach. Auf unberechenbaren Scheiß bange ich nämlich auch nicht, um dann ein paar Takte später wieder eines Besseren belehrt zu werden weil es doch wieder geil war. Das war toll, traurig, gut, scheiße und alle Gegensätze der Welt zusammen, vereint und irgendwie vor die Bühne gespien Es hätte soooo verdammt gut sein können, weil es so viele wundertolle frische und vor allem ausdrucksstarke und kraftvolle Momente gab und dann wurde so ein Schuh daraus. Schade, denn wenn mir solches auch auf der Platte erwartet – was zu erwarten ist, interessiert mich diese eigentlich wirklich talentierte Band schon mal so irgendwie gar nicht mehr…


Dennoch war ich noch frohen Mutes und hatte phasenweise mehr bekommen als erwartet – bei The Vision Bleak hatte ich im Gegensatz nämlich nichts erwartet und das war jetzt der Headliner mit der längsten Spielzeit. Einmal hatte ich sie schon in Stuttgart im Landespavillon am Rande mitbekommen, nur hielten wir uns damals draußen statt vor der Bühne auf, was durchaus seine Gründe hatte und auch die CD, welche ich mir irgendwo für wenig Geld zulachte, war nicht so ganz überzeugend. Die Gothic Metal Band stilisiert sich selbst oder ihre Fans gerne als Horror Metal Band, im Endeffekt finde ich – orientieren sie sich optisch einfach in Richtung viktorianischem Stil oder dergleichen ohne jetzt mit Fachwissen aufwarten zu können. Musikalisch halte ich sie für einfach gestrickt, der Gesang klingt fast immer gleich, genauso der Grundtenor, das Tempo und Dynamik. Keine Ahnung warum sie an jeder Ecke so hoch gefeiert werden, für mich hört sich das wie das immer gleiche Gestampfe im ¾ Takt an, mit zwar einer nicht gerade gängigen, aber eintönigen da nicht wirklich facettenreichen Stimme. Die Ansprachen fand ich fast schon peinlich, das ist vielleicht kleinlich – aber mit der Stimme komm ich nicht klar. Spaß haben konnte ich trotzdem – ob der fortgeschrittene Alkoholkonsum eine Rolle spielte sei mal dahin gestellt – aber es war dank der Eintönigkeit auch nicht schwer einen gewissen Rhythmus zu finden. Ich denke nicht, dass die Band schlecht ist, aber ich hör mich an dieser pseudo-wuchtigen Art und pseudo-tiefen Stimme echt sehr schnell satt – was, irgendwie doch nicht so ganz gut ist…

Zusammengefasst war der Abend eine zu früh betretene Rutsche, fing stark aber unvermittelt an und ließ Qualitativ langsam aber sich nach. Hier und da noch eine kleine und überraschende Welle, aber insgesamt doch schnell an Höhe verloren und eine ellenlange „Ausroll“-Strecke. Aber die Aussicht am Anfang war es wert und da ich mich gerade sonst selbst noch für diesen tollen Vergleich feiere, schließe ich hiermit lieber ganz schnell…

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