Freitag, 18. Oktober 2013

Wacken Open Air 2013 – 01/02/03ter August @ Wacken - Teil 2



Düsternis sah auch schon mal anders aus.
Tristania live...
Zu Teil 1!

War der erste Tag verkaufstechnisch noch recht okay, war der zweite Tag ein absoluter Seuchentag. Draußen praller Sonnenschein und brütende Hitze, im Zelt noch die Steigerung: Inferno, Fegefeuer was auch immer. Gut 40° bei stehender Luft, kein Wunder das keiner 2€ zahlen wollte um in der Sauna CDs zu kaufen.

Morgens ging es aber noch einigermaßen, auch wenn für Tristania ungebührend hell die Sonne vom Himmel brannte. Das war schon ein Punkt welcher die Stimmung raubte, wäre aber noch verschmerzbar gewesen – weniger toll fand ich die Live-Performance. Ich muss ehrlich gesagt zugeben, nur ein Album zu kennen – das andere besitze ich im Moment nur und gehört wie viele andere auch zur Liste der noch nicht gehörten Alben; etwaige Sängerwechsel von welchen ich meinte gehört zu haben kann ich insofern nicht wirklich nachvollziehen und ich weiß auch nicht ob das jetzt generell so ist, ob ich eine andere Sängerin live als auf dem Album gehört habe. Genau genommen weiß ich fast nix, bin unvorbereitet aber voll mit einem Haufen an Erwartungen vor die Bühne gelatscht. In Erwartung von tiefer Emotionalität, Schwere und Düsternis (gut da war sicher die Sonne hinderlich, keine Wolke, kein Nichts) – von einem mächtigen, erdrückendem Soundbild und dergleichen und das Resultat war sehr, sehr lau. Ein Lüftchen, mehr nicht was mich doch sehr enttäuschte. Vielleicht in einer anderen Location oder aber doch ein paar personelle Wechsel. Genaueres weiß ich nicht, aber der Auftritt war nahe am persönlichen Reinfall. Sehr schade…



Mr. Lordi zum anfassen,
zum wirklich teueren anfassen...
(Man beachte die kleinen Tropfen im Bart,
das war andauernd so - es war mehr als nur heiß)

In der Zwischenzeit war Mister Lordi im Zelt, dem das Wasser unter seiner Maske und seinem schweren Kostüm nur so in Strömen am Bart entlang gen Boden lief. Die Arbeit war folglich hart genug, dennoch rechtfertigte dies nicht im Geringsten die verlangten Preise. Fotos machen war umsonst, aber zusammen posen mit Unterschrift, stolze 15€! Das ist irgendwie so was von Realität, Ziel oder sondergleichen vorbei, dass ich dieses fanfreundliche Gimmick irgendwie gar nicht mehr freundlich fand. Schön dich gesehen zu haben, aber unter diesen Bedingungen habe ich nicht so ganz das Bedürfnis, selbiges zu wiederholen. Ich war echt geschockt als ich diesen völlig aus der Luft gegriffenen Betrag gesehen habe. Für ein Fucking Foto? Kranke Welt…



Soilwork - und man könnte jetzt ganz verwegen
denken, man würde hier auch was hören so
praktisch vor der Bühne...
Dann geh ich halt zu Soilwork. Eine Band die bei mir als auch in echt wahrscheinlich andauernd im Schatten von In Flames steht. Ich höre und hörte sie gerne, aber so den ganz großen Wurf hatten sie – zumindest laut meiner Ansicht nach – noch nicht. Wenn ich dem Hören sagen glauben schenken durfte, wäre aber der letzte Output einer. Daher freute ich mich umso mehr auf den Auftritt und ich war auch gespannt, wie die neuen Songs so klingen.
So gut der Plan…
… denn ehrlich gesagt frage ich mich immer noch, wie die neuen Songs klingen, sprich in Reinform denn welch Überraschung: der Sound!

... zumal die Bühne in der Mitte leer und die
andere Band ganz außen links spielt.
Aaaaaaber.....
Rechts Soilwork, links Agnostic Front – in der Mitte Sound von Agnostic Front und da ich links an der Bühne stand hörte ich? Tada – Agnostic Front featured ein Schuss Soilwork. Ich dachte echt im falschen Film zu sein. Klar stünde ich ganz vorne oder ganz rechts würde ich vielleicht etwas von Soilwork hören, aber dort standen schon verdammt viele Menschen und fast auf der Höhe des linken Lautsprechers stehend die Nebenband lauter zu hören, weil die leere Bühne in der Mitte voll aufgedreht ist?! Leute seid’s ihr irgendwie schief oder was war das schon wieder für eine Mische?!! Dreht den Sound dann halt nur halb auf, wie soll auch eine Bühne gegen zwei voll aufgedrehte bestehen? Lasst doch gleich 3 Bands gleichzeitig vorne spielen, könnt ihr das Line-Up fetter machen und gleich 500€ Eintritt für Brei verlangen.
Und das beste ist, genau davon habe ich ein Video – dass die ganzen „ach laber nicht, hey Wacköööön, saufen, cool, habe dich nicht so“ – Typen sehen, wie hundsmiserabel sich das nüchtern anhört was auch mitnichten daran liegt, dass die Kamera irgendwo zum Sound hinzoomt. Das hat sich Original so bescheiden angehört.
Und nachdem ich die Ansagen oder dergleichen ebenso nicht hören konnte, bin ich entnervt rüber zu Agnostic Front – hab da kurz versucht Spaß zu haben. Aber eigentlich hatte ich auch kein Bock drauf, immerhin wollte ich die andere Band sehen, also zurück ins Zelt.


Motörhead war dann eine Überlegung, schaute ich mir aber nicht an – allzu lange war der Auftritt scheinbar aber auch nicht, da Lemmy gesundheitlich doch noch ordentlich angeschlagen war. Damit war der Tag für mich eigentlich auch schon gelaufen und ich hatte die Nase voll genug um nicht irgendwie Lust noch auf weitere Bands zu haben. Verkauft wurde an diesem Tag auch nicht sonderlich viel, zumindest nicht im Zelt.



Diese Sicht dürften die wenigsten gehabt haben.
Rückseite vom Händlerzelt mit "direktem"
Blick auf die Stages...
Tag 3 war ähnlich ekelhaft heiß, die Stimmung schon mittags nicht gerade so dufte da Kundschaft chronisch ausblieb. Heiter fröhlich wollte ich mir heuer Alestorm anschauen. Der Sound war am dritten Tag dann auch endlich okay und es machte schon den Anschein einer späten Besserung, wäre nur die Band besser gewesen. Alestorm sind fröhlich und mit fröhlicher Musik habe ich nicht unbedingt so einen großen Spaß, anhören kann man sich dies durchaus gelegentlich und vor allem live, so dachte ich – könnte das Konzept vielleicht gut aufgehen. Gut, zu meiner Verteidigung. Ich war nicht betrunken sondern stocknüchtern, dass Alestorm live aber so dermaßen langweilig sind, das hätte ich im Leben nicht gedacht. Vielleicht betrunken in einer kleinen Halle wo die Atmosphäre nicht in der Weitläufigkeit des Feldes verloren geht, aber sonst denke ich kaum, dass ich mir diese Band je wieder auf einem Festival live geben werde. Dafür kam bei mir viel zu wenig rüber, paar Witze okay – lustig, lustig. Aber das war schon mehr Schleichmodus denn Vollgasunterhaltung. Just my 5cents…

Fear Factory - zwar live gesehen aber die
Fotos über die Leinwand wurden
traurigerweise besser
Wesentlich deftiger ballerte von neben an Fear Factory zu welchen ich kurz rüberwechselte. Die Drums fand ich stark, generell die Rhythmik und einfach das komplette Brett das einem da vor den Latz geknallt wurde. Das zündete gut, ballerte ordentlich – zwar nicht durchgängig aber größtenteils und war irgendwie neben Rammstein das einzig gute. Lediglich mit den Vocals tat ich mir nicht sooo leicht. Manche clean Passagen fand ich zumindest gewöhnungsbedürftig. Sollte ich mir aber vielleicht bei Zeit und Gelegenheit vorsichtig zu Gemüte führen.

Nächster Halt waren Sonata Artica. Nachdem Tristania schon ultra weichgespült klangen, fürchtete ich hier sogar eine Kitschexplosion, wurde aber erstaunlicherweise eines besseren belehrt. Entweder ich hatte eine Entwicklung verpasst, letztes Album das ich kenne ist/war Unia, oder die Recken haben live deutlich mehr Biss und Eier als auf der Silberscheibe. Der Auftritt war sogar richtig stark, nur wollte der Himmel nicht so ganz. Die dunklen Wolken waren unheilschwanger schon länger hochgezogen, entluden sich aber plötzlich in einer regelrechten Welle der Bestrafung. Cool und lässig mit Cowboyhut dachte ich erst, läuft – aber der war schneller durchnässt als gedacht und spätestens, nachdem die Feiglinge hinter mir alle kehrt gemacht hatten – der Regen mir schräg von hinten gegen Beine, Po, Rücken überall hin regnete, wurde es sehr ungemütlich. Pitschnass rettete ich mich wieder ins Zelt und der Weg war generell schon lang, aber diesmal viel, viel länger. Ich war komplett nass. Geldscheine gewellt. Einkaufszettel zerflossen. Nässer ging nicht…
Albtraum eines Misanthropen...

Danach deckte ich mich noch mit rarer Musik ein, unter anderem der Eingangs erwähnte BM-Underground Shop und ein anderer, internationaler mit kleinerer Auswahl aber dem perversen Brainfuck schlechthin. Stalaggh!

Danach wurde es richtig unschön, überhastetes, verfrühtes, unkoordiniertes und chaotisches abbauen gipfelte in einem ordentlichen Zoff und verhagelte mir sämtliche Lust auch nur noch eine Band anzuschauen was ich wirklich bitter bereue, aber jederzeit in dieser Situation wieder so tun würde. Candelmass! Mein verfickter Headliner des ganzen Festivals, die Band die ein echter Doomer sehen sollte, sofern er noch die rare Möglichkeit dazu hat – aber nein, das musste ja alles so derb und unschön eskalieren, was dem Festival noch zusätzlich einen Abtörner gab.



Ein wenig viel zu viel Regen bei
Sonata Artica
Nun ist ja in der Regel Vorsicht angebracht wenn ein Satz mit „es war ja nicht alles schlecht“ anfängt, aber fairer weise müssen auch die positiven Seiten erwähnt werden, welche auch vorhanden sind und waren.

Zum einen: Großflächig aufgestellte Spülklos für Umme. Das ist wahrlich nicht selbstverständlich, eher sogar ungewöhnlich aber war großartig, zumal der Zustand sich sehen lassen konnte. Natürlich in Relation gesetzt, dass wir uns auf einem Festival befinden!
Aber Wartezeiten waren soweit auch okay, 10-15 Minuten sind für diese Größe echt verdammt schnell. Was Toiletten angeht, richtig dickes Lob. Ganz ehrlich und offen – das war Spitze!

Ein wenig unschuldige Idylle
Was mich ebenfalls gefreut hat sind die Hinweisschilder von wegen Pfand sammeln verboten. Sollte dies auch konsequent kontrolliert bzw. geahndet worden sein, fände ich dies auch hervorragend da mir die ganzen elenden Pfanddiebe/besucher tierisch unter der Vorhaut juckeln. Siehe Beitrag damals!

Ein neutrales Urteil bei positivem Grundtenor für die personalisierte Eintrittskarte welche dem organisierten, nein gar jedem Kartenhandel generell jedes Wasser abgräbt und Preiswucher unterbindet. Zwar sind die Bearbeitungsgebühren doch etwas hoch und kurzfristig flexibel darf eher auch nichts sein, aber die Grundidee finde ich auch hier gelungen.

Aber im Gegenzug maßlos überteuere Preise, ein beschämend schlechter Sound, flankiert von zigtausend Festivalidioten bin ich nicht wirklich enttäuscht, weil ich genau das und nichts anderes (den Sound mal ausgenommen, der war wirklich überraschend schlecht) erwartet hatte. Für mich ist mehr denn je klar: Wacken ist overhyped bis zum geht nicht mehr.

Ein Händler-Bändchen-Beweis-Bild
und das war's dann auch schon...
Das war und ist mein Erstes und letztes Wacken, bums fertig aus! Da halte ich mich lieber an kleinere, gemütlichere und schönere Festivals wo ich auch die Bühne sehen denn nur erahnen kann, wo ich nicht angepinkelt werde, wo ich mir ein Snack oder Trinken nicht 5x überlegen muss, wo ich nicht das Gefühl habe andauernd Gefahr zu Laufen dem nächsten Idioten über den Weg zu laufen.

Eine Erfahrung? Ja – aber auf eine, auf die ich auch gut und gerne verzichten hätte können. Zudem noch ein unwürdiges Ende einer arbeitsreichen Woche mit persönlichen Konsequenzen welche ich draus ziehen muss, werde, bzw. getan habe.

Grüße steck ich mir daher an dieser Stelle, wer dabei war weiß Bescheid und kann sich anonymisiert gegrüßt fühlen.

Wacken? Over and out!

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