Sonntag, 15. Juli 2012

Unstille Nacht – 13ter Juli 2012 @ Mühltal Steinbruch


Erneut zu erfreulich günstigen Preisen lud der Steinbruch zu einem weiteren Black Metal Fest. Da meine Freundin aufgrund des Prüfungsmarathons leider nicht mehr ganz bei Kräften war, hatte ich somit eine Karte zuviel, welche ich noch direkt vor Ort verscherbeln konnte und somit mal ganz unmisanthropisch Kontakte knüpfte. *g*

Zum Auftakt spielten Orcus Patera, welche als Besonderheit noch eine Geige an Bord hatten. Die klang mitunter leicht dissonant oder war kurzfristig nicht zu hören, fügte sich aber insgesamt passend ins Klangbild. Und ganz ehrlich, triefender Geigenkitsch passt sowieso nicht langfristig authentisch ins Black Metal Bild, war von daher gut gelöst. Gesanglich ging der Auftritt auch ganz in Ordnung, tangierte ab und an fast schon DSBM Niveau und hier und da war eine kleine Dornenreich Anleihe zu vernehmen. Noch nicht der Überhammer, aber ein gelungener, in sich harmonierender Anheizer.

Als nächstes spielten Nebel, die aus ein bis drei oder mehr Mitgliedern bestanden, wobei man selten alle auf einmal sah. Grund für diese nebulöse Annahme ist, dass Antagonism die Bühne derart einräuchern ließen, dass man praktisch vor einer angeleuchteten Nebelwand stand, während das Stroboskop nicht wie gewohnt von der Decke herab seinen Dienst tat, sondern penetrant direkt in die Gesichter des Publikums hämmerte. Sicht war daher vollkommen scheißegal da in der Tat überbewertet und nicht wirklich vorhanden. Und da Black Metal wirklich Krieg ist, wurden gerne gegen Ende des Liedes die Ohren der Zuhörer mit ultrafiesen, verzerrten und quietschenden Gitarrentonlagen fernab des guten Geschmacks penetriert. So ganz auf das akustische reduziert, ein wesentlich rasender, roher Sound der im Gegensatz zum ersten „Blick“, dennoch seine Stärken und annehmbaren Melodiebögen hatte.

Bei Morok war ich persönlich sehr zwiegespalten. Prinzipel habe ich nichts gegen osteuropäischen Black Metal, besitze selber mehr als genug davon und höre ihn auch gelegentlich an, aber der besondere Charme und Charakter für den Mitteleuropäer ist hier Segen und Fluch zugleich. Bei Morok war es die russische Sprache, welche in manchen Songs wirklich hervorragend funktionierte, sich aber auch manchmal in Banalitäten verlor. Es wäre unfair dies als sprachliches Problem herauszuarbeiten, zumal es eher das Songwriting betrifft, aber als hervorstechendes Merkmal fällt dies leider als erstes ins Auge.
Es gab Rhythmen und Momente, welche in der Tat unwiderstehlich waren, anderes ließ mich hingegen vollkommen kalt und dümpelte irgendwo im unbedeutsamen Mittelfeld. Mir schien es oft, als würden die verschiedenen Instrumentalspuren einfach ungünstig aneinander vorbeilaufen, d.h. während sich der geniale Moment für die Gitarre anbot, spielte das Schlagzeug unbeirrt sein Ding oder umgekehrt. Wäre da meiner subjektiven Meinung nach, einiges gezielter oder anders zusammengelaufen, hätten zig großartige Momente en Masse entstehen können. Insgesamt würde ich es aber dennoch als einen gelungenen Auftritt mit viel, leider aber auch ungenutztem Potential bezeichnen.

Streams of Blood waren die mit Abstand roheste Band und prügelten zu dritt eine beachtliche Show zusammen. In der Regel lässt mich solch blindwütige Raserei kalt, aber es gab diese Momente, welche aufhorchen ließen und welche Klasse die Band spieltechnisch zu bieten hat, untermauerte der Drummer eindrucksvoll mit seinem Schallmauer durchbrechendem Solo. Rasend, dreckig, böse. Passte einfach.

Der Headliner: Selten polarisiert eine Band so derart und in der Intensität unverdient. Die Rede kann natürlich nur von Der Weg einer Freiheit sein, deren größtes Vergehen zu sein scheint, aus der Metalcore Band Fuck Your Shadow From Behind entstanden zu sein. Dabei wird in der Regel vollkommen außer Acht gelassen, das es zuvor schon eine Black Metal Band namens Frostgrim gab und das ganze Hippster Geblöcke noch um einige Ecken schwuchteliger ist, als es der Sound der Band nur sein kann.
Anfangs tat ich mir mit der Band am dortigen Abend noch etwas schwer, was unter anderem daran liegen könnte, dass es neue Stücke aus dem neuen Album waren, aber noch einer kurzer Eingewöhnungszeit zündete auch hier alles. Zwar klang der Sampler aus „Neubeginn“ live nicht wirklich toll, da noch viel unverständlicher als auf dem Album, aber dieses kleine Detail rüttelte kaum am überzeugenden Auftritt. Auch ohne lange Haaren, Corpsepaint und Nieten…


Insgesamt ein richtig geiler Abend, keinen einzigen Ausfall – jede Band war akzeptabel bis gut, zwar war theoretisch noch hie und da Luft nach oben, aber durchaus auf dem richtigen Weg. Grüße gehen heuer mal an Andreas und Matthias. Ich hatte auf jeden Fall ordentlich Spaß und am nächsten Tag die verspannten Begleiterscheinungen davon bei der Arbeit tapfer und stillschweigend zu ertragen. Aber daran soll’s nun wirklich nicht scheitern…

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